30.03.2017 - 20:10 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Noch dicke Bretter zu bohren Marktplatz bleibt ein heißes Eisen

Neustadt am Kulm ist mit gerade mal rund 1150 Einwohnern die kleinste Stadt der Oberpfalz - aber derzeit sicher nicht die Stadt mit den kleinsten Problemen. Die Markplatz(um)gestaltung zeigt dies nur allzu deutlich.

Die Idylle am Marktplatz der Kulmstadt trügt. Hinter den Fassaden brodelt es gewaltig. Die Absage der Anliegerversammlung lässt allerlei Spekulationen ins Kraut schießen. Bild: wb
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Eigentlich wollte Bürgermeister Wolfgang Haberberger am Donnerstag bei einer Anliegerversammlung Zahlen auf den Tisch legen. Völlig überraschend blies er die Versammlung am Mittwoch ab.

Einseitiges Schreiben

In einem knapp gehaltenen einseitigen Schreiben mit Stadtwappen, das die Stadtplatz-Anlieger im Briefkasten fanden, war zu lesen: "Die Ursachen sind möglicherweise geänderte Planungsvoraussetzungen, die auf die Beitragserhebung maßgeblichen Einfluss haben. Näheres kann erst nach Klärung der vorzunehmenden Änderungen in der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden." Auch auf Nachfrage unserer Zeitung wollte Haberberger nicht mehr dazu sagen und vertröstete auf einen späteren Zeitpunkt.

Wie am Donnerstag aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, spielt unter Umständen die Kreisstraße, die durch Neustadt am Kulm führt, eine nicht unwesentliche Rolle. Nach Aussage von Pressesprecherin Claudia Prößl ist es noch völlig offen, ob die NEW 14, die von Schlammersdorf über Oberbibrach nach Neustadt und dann über den Marktplatz weiter nach Filchendorf und Preißach führt, künftig weiter durch die Stadt verläuft oder durch eine Umgehung ersetzt wird. Die Beantwortung dieser Frage dürfte sich auf die umlagefähigen Kosten auswirken, da der Landkreis im Falle einer Umgehung als Mitzahler für den Straßenbau im Ort ausfallen wird.

Ein wichtiger Punkt bei der geplanten Neugestaltung ist ein Rückbau der Straßen am Marktplatz mit Einbahnstraßenregelung und Verkehrsberuhigung. Das wird ohne Umgehung in Neustadt am Kulm problematisch. Sogenannte klassifizierte Straßen, also alles von der Kreisstraße über die Staatsstraße bis hin zur Bundesstraße, "dürfen nicht auf Tempo 30 oder darunter reduziert werden", weiß Prößl. Seit einiger Zeit lasse der Gesetzgeber zwar in besonderen Fällen Ausnahmen zu, zum Beispiel im Bereich einer Schule oder eines Kindergartens, aber das dürfte in Neustadt am Kulm nicht der Fall sein. "Selbst wenn dort eine Kita am Marktplatz eröffnen würde, könnte nur in dem direkten Umfeld eine Geschwindigkeitsbegrenzung erfolgen, aber nicht für den ganzen Marktplatz", erklärt die Sprecherin.

Selbst wenn all diese Frage einvernehmlich geregelt werden können, ist doch noch immer völlig offen, welche Kosten auf den Landkreis "abgeschoben" werden könnten. Es ist kein Geheimnis, dass die Kreisräte hier sehr zurückhaltend agieren und nur "normale Ausbaukosten" anerkennen. Für die Alternative - eine Umgehung - gibt es bislang nur eine Skizze für eine mögliche Trasse.

Bei den Mitgliedern der Interessengemeinschaft sorgte die kurzfristige Absage für reichlich Spekulationen. "Wir haben keine Ahnung, was die wirklichen Gründe sind", rätselt Sprecherin Christa Tschirschnitz. Die Bürger vermuten, dass entweder das Landratsamt oder die Regierung "einen Stock dazwischen geworfen" haben. Die IG reagierte nach kurzer Beratung mit einem Brief an den Bürgermeister. Darin steht die Bitte, "die geänderten Planungsvoraussetzungen" dazu zu nutzen, sich mit den Anwohnern auszutauschen. Dem Bürgermeister wurden für nächste Woche drei Termine vorgeschlagen. Die Antwort steht noch aus.

Markierungen gezeichnet

Außerdem griff die Interessengemeinschaft zu Pinsel und weißer Farbe und zeichnete sowohl auf der Winter- (Süd-) als auch auf der Sommerseite (Nordseite) des Marktplatzes Markierungen ein, welche die Dimensionen der geplanten Straßen-, Gehweg-, Park- und Multifunktionsflächen deutlich machen.

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