03.07.2017 - 20:00 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Raiffeisenbank am Kulm zieht Bilanz Starker Partner

Zufriedenheit mit der Ertragslage signalisiert Aufsichtsratsvorsitzender Konrad Wolf bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank am Kulm. Zugleich kündigt er Maßnahmen an, um dem zu erwartenden negativen Trend am Geldmarkt entgegenzuwirken.

Den Herausforderungen gewappnet sieht sich die Raiffeisenbank am Kulm. Aufsichtsratsvorsitzender Konrad Wolf am Rednerpult zog eine beruhigende Bilanz. Neben ihm am Tisch die Vorstandsmitglieder Peter Porsch und Konrad Schäffler
von Bernhard KreuzerProfil

(bkr) Genossenschaften, zwischenzeitlich zum Weltkulturerbe erhoben, sind nach den Worten von Konrad Wolf erfolgreich, weil sie sich den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft verschrieben haben, wertorientiert, sozial und marktwirtschaftlich handeln. Im Gegensatz zu Aktiengesellschaften streben sie keine Gewinnmaximierung ihrer Aktionäre an. Das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft sollte deshalb auch ein Prüfstein für die Bundestagswahl im September sein.

Dazu stellte Wolf fünf Leitgedanken auf. Er forderte weniger Regulierungen, weil sie mittelfristig Investitionen, Wachstum und Beschäftigung schadeten sowie ein stabiles Europa, in dem Unterschiede zugelassen werden und die Eigenverantwortung erhalten bleibt. In einem dritten Punkt klagte er die zunehmende Undurchschaubarkeit und fehlende demokratische Kontrolle an. Konrad Wolf forderte weiter verlässliche Rahmenbedingungen, praxistaugliche Regeln und keine unnötige Bürokratie.

Nach den Worten von Konrad Wolf gewinnen die Kreditgenossenschaften zunehmend Mitglieder. Einen Zuwachs von 77 verzeichnete die Raiffeisenbank am Kulm im vergangenen Jahr. Ihre Zahl erhöhte sich nach den Worten von Peter Porsch damit auf 1947. Wolf sah darin auch ein Zeichen starker Partner in allen Geldangelegenheiten für die Landwirtschaft, Handwerksbetriebe, Firmen- und Privatkunden zu sein.

Die wichtige Rolle der Raiffeisenbank für die Region betrachtete Bürgermeister Wolfgang Haberberger. Sein Wunsch ist es, die Filialen in Neustadt am Kulm und Speichersdorf zu erhalten, weil sie sich durch die persönliche Beratung immer mehr positiv von den Online-Banken abheben. Das Stadtoberhaupt war sich sicher, die Raiffeisenbank werde auch vom neuen Baugebiet und den anstehenden Projekten der Stadt profitieren. "Die Stadt braucht viel Geld", ließ er erkennen und, dass die 27 Bauparzellen bei Mockersdorf zum Preis von 31 Euro pro Quadratmeter, einschließlich Erschließung, schnell Liebhaber finden.

Vorstandsmitglied Konrad Schäffler nahm den Bürgermeistern Wolfgang Haberberger und Manfred Porsch aus Speichersdorf die Angst eines Verlusts einer der beiden Geschäftsstellen. "Auch wir müssen nachhaltig auf unsere Kostenstruktur achten, jedoch nicht zulasten unserer Präsenz vor Ort", versicherte Schäffler. Zuversichtlich betonte er, eine vernünftig geführte Filiale werde sich auch zukünftig wirtschaftlich betreiben lassen.

Kritische Worte hatte Konrad Schäffler zur Geldpolitik von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Zu den Profiteuren der extrem expansiven Geldpolitik gehören die Schuldner. Bezahlen müssen dafür die Sparer, in erster Linie die Kleinanleger. Schäffler ging von einer anhaltenden Null-Zins-Politik und von Strafzinsen bei geparktem Geld bei der EZB aus. "Die kommenden Jahre werden noch viel anspruchsvoller, wie die vergangenen Jahre", befürchtete Konrad Schäffler mit dem Ziel vor Augen, weiter Qualitätsführer in der Region zu bleiben. "Es wird immer mühsamer, ein ordentliches Ergebnis zu erwirtschaften", unterbreitete Peter Porsch als er die Jahresabschlusszahlen aufzeigte.

Riesige Anforderungen rollen auf die Banken zu. 34 000 Seiten umfasst ein neues Regelwerk der EU. Zwei Jahre braucht man um es zu lesen und zu verstehen. Betriebsdirektor Bernd Hilpert von der Bausparkasse Schwäbisch Hall beschwerte sich über die Vorschriftenflut der EU. Dem dreiköpfigen Aufsichtsrat wird weiter Simone Walter angehören. Sie wurde für eine weitere Wahlperiode bestätigt.

Jahresabschlusszahlen der Raiffeisenbank am Kulm

Die aktive Bilanzsumme kletterte 2016 um 5,34 Prozent auf 94 483 000 Euro. Ausschlaggebend war eine gestiegene Kreditnachfrage von über 5,5 Millionen. Bei den Wertpapieranlagen gab es ein Minus von 1 677 000 Euro und zum Jahresende einen Stand von 21 523 000 Euro. Die täglich fällige Liquidität beträgt 5 505 000 Euro.

Auf der Passivseite stiegen die Gesamteinlagen auf 73 597 000 Euro und das gezeichnete Kapital der Mitglieder auf 1 513 000 Euro. Peter Porsch ermunterte, die Geschäftsanteile auf maximal fünf aufzustocken. Auf 5 533 000 Euro und damit um 470 000 Euro konnten die Rücklagen angehoben werden.

Das Vorstandsmitglied Porsch untermauerte, die Sicherheit bleibe ein Grundpfeiler der Bank. "Unsere Mitglieder und Kunden stehen im Vordergrund unseres Handelns." Nach Abzug von Steuern in Höhe von 235 000 Euro und der Zuführung von 200 000 Euro zum Fonds für allgemeine Bankenrisiken konnte ein Jahresüberschuss von 494 000 erzielt werden. 339 000 Euro werden auf Beschluss der Versammlung Rücklagen zugeführt und der bleibende Bilanzgewinn von 154 000 Euro als Bardividende (15000), gesetzliche Rücklage (50000) und anderen Ergebnisrücklagen (90000 Euro) zugeführt werden. Am Schluss errechnete Peter Porsch für die Mitglieder eine Dividende von 5,76 Prozent auf ihre Geschäftsguthaben. (bkr)

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