Wanderung in der Kulturlandschaft rund um St. Quirin und Püchersreuth
Durch romantische Täler

Natur pur und zwischendurch ein sehenswertes Gebäude: St. Quirin ist für Wanderer und Radler eine Tour wert. Bilder: Gerhard Götz (25)
   

Botzersreuth. Ausgedehnte Wälder, wildromantische Täler, weite Fernsichten und die roten Dächer der Dörfer, die sich in die Rodungsinseln schmiegen, prägen die nördliche Oberpfalz, machen sie zu einem bevorzugten Ziel für Erholungssuchende.

Ein solches Landschaftserlebnis erwartet die Besucher auch in dem Gebiet rund um die Wallfahrtskriche St. Quirin, deren Kirchturmspitze die Baumriesen rund um das barocke Gotteshaus überragt. Eine Wanderung dorthin, die wir diesmal als Ausflug in die Region vorschlagen, führt den Besucher unmittelbar in die Vergangenheit, als die Menschen sich in die Wälder wagten und sich dort niederließen. Burgen wurden gebaut, die das Land und die ersten Handelswege schützten, Mühlen und Hammerwerke nutzten die Wasserkraft der Bäche zur Gewinnung von Bewegungsenergie.

Als die große Marterlsäule von St. Quirin 1631 errichtet wurde, gab es die Wallfahrt schon lange. Wenn wir von der Kirche absteigen nach Botzersreuth und der ersten Straße, die nach links wegführt, in das Tal folgen, stoßen wir bald auf ein Denkmal, das auf den ersten Blick aussieht wie der Rest eines mittelalterlichen Tores. Es stammt jedoch aus dem Jahr 1957 und wurde von dem Steinmetz Rüdiger Goedecke aus Püchersreuth aus einem drei Meter hohen Block Flossenbürger Granits herausgeschlagen. Der Stein, der an die ehemalige Kronburg erinnert, die bis ins 15. Jahrhundert unweit dieses Platzes bestand, trägt die Inschrift „die Zeit nimmt uns nichts. Sie verwandelt nur“. Weiter unten im Tal überwuchert ein Wald aus wilden Obstbäumen und typischen Kulturpflanzen den Talboden. Hier stand bis zum Jahr 1984 die Kronmühle. Sie wurde abgerissen, weil sie baufällig war.

Der Landesbund für Vogelschutz hat das Areal erworben um hier den Arten und Bioschutz zu verwirklichen. Dieses Vorhaben ist umso mehr gelungen als sich durch die Anwesenheit typischer Kulturpflanzen wie Hollunder, Brennesseln und zahlreicher Kräuter eine Jahrhunderte lange Besiedlung nach weisen lässt obwohl nur noch ein Steinhaufen am Weg von der alten Mühle übrig ist. Ein Findling erinnert an den alten Siedlungsplatz. Die Mühle wurde 1355, in dem Jahr als Karl IV zum Kaiser gekrönt wurde, urkundlich erwähnt und gehörte zur Herrschaft Neustadt-Störnstein. Das Anwesen wurde 1575 von Kaiser Maximilian II an die Lobkowitzer verkauft. Im Jahr 1815 lebten noch zwölf Menschen auf der Mühle , die wohl zur oberhalb auf der Kronberg gelegenen Burg gehörte. Diese wurde, weil sie ein berüchtigtes Raubnest wurde, belagert und geschleift. Die alten Bildnisse des hl. Ouirins wurden aus der Burgkapelle gerettet. Sie begründeten, in einer kleinen hölzernen Kapelle aufbewahrt, die Grundlage für die Wallfahrt auf dem Berg.

Gegenüber der Mühle steht die Kronmühl-Kapelle zum Gegeißelten Heiland, die, weil auch sie vom Verfall bedroht war, 1997 restauriert worden ist. An dieser Stelle beginnt der so genannte Skulpturenweg, der unten im Tal nach rechts zur Rotzenmühle führt, vorbei an der Schlattein, die mit ihrem Wasser gleich zwei Mühlen speiste; die Rotzenmühle und die Kronmühle. Die Nabburger Künstlerin Barbara Hierl hat mit Eisenplastiken Sinnbilder für Mensch und Natur in den Wald und an den Bach gesetzt.
Wir folgen jedoch dem Weg entlang des Gewässers nach links und überqueren nach einem Kilometer die Schlattein . Wir biegen nach links hinauf in den Wald ab und erreichen nach eineinhalb Kilometern Oberndorf. Wir überqueren die Staatstraße 2172 und kommen nach Lanz. Dort biegen wir die erste Straße nach links ab. Sie führt uns nach eineinhalb Kilometern zur Verbindungsstraße Störnstein-Püchersreuth.

Hier gibt es zwei Kirchen, eine katholische aus dem Jahr 1908 und die wesentlich ältere evangelische Kirche St. Peter und Paul. Sie wird bereits im Jahr 1283 erwähnt. Unter den Pfalzgrafen Otto Heinrich und Friedrich erlebte die Oberpfalz ein streng ausgelegtes Luthertum. Immer wieder versuchten vor allem die katholischen Kaiser, das zu ändern. Gegenbewegung folgte auf Gegenbewegung bis es schließlich nach dem Dreißigjährigen Krieg, der viele Opfer forderte, unter dem Einfluss des toleranten Sulzbacher Fürsten Christian August zu einem Vergleich kam, in dessen verlauf das Gotteshaus zur Simultankirche wurde, die von beiden Konfessionen benutzt wurde. Mit der Errichtung einer eigenen katholischen Kirche 1908 gingen die Konfessionen wieder getrennte Wege. In Püchersreuth wurde also wirklich Kirchengeschichte geschrieben.
Ilsenbach, das wir nach erneuter Überquerung der Staatsstraße erreichen, ist nach gelungener, preisgekrönter Dorferneuerung mit seiner altehrwürdigen Wehrkirche und dem vorbildlich renovierten Landsassengut ein echtes Kleinod. Die Geschichte der Kirche St. Johannes geht bis ins 12. Jahrhundert zurück.

Wir kehren auf der Hauptstraße zurück nach St. Quirin, das nach Zerstörung der Kronburg und der Burgkapelle mit einem Bildnis des vor allem von den Rittern verehrten Heiligen ab 1530 zahlreiche Wallfahrer anlockte. Die heutige barocke Kirche wurde 1680 von dem Italiener Anton Porta im Auftrag des Fürsten Lobkowitz errichtet. Porta hat auch das Schloss der böhmischen Familie in Neustadt an der Waldnaab erbaut. St. Quirin zieht seit Jahren viele Gläubige aus der Oberpfalz und auch aus Tschechien an, wird so zum Erlebniszentrum einer Landschaft, in der die Menschen ihren Glauben mit einer ausgeprägten Liebe zu der sie umgebenden Natur verbinden.

Quirin-Hinweis
Anfahrt zu Start und Ziel: Den Ausgangspunkt unserer Wanderung bei der Wallfahrtskriche St. Quirin erreicht man über die A 93. Die zuständige Abfahrt ist Neustadt/WN. Die Staatstraße führt an der Kreisstadt nördlich vorbei direkt nach Püchersreuth und Ilsenbach. Dort geben Hinweisschilder auf die Wallfahrtskirche die Richtung an.

Besuch der Kirchen: Die Gotteshäuser auf unserer Wanderstrecke sind nicht grundsätzlich geöffnet. In diesem Fall wenden Sie sich bitte entweder an das katholische Pfarramt Püchersreuth (betrifft Ilsenbach und Püchersreuth) oder, wenn es sich um die evangelische Kirche St. Peter und Paul handelt, an das Evangelisch-lutherische Pfarramt in Plößberg, Telefon 09636/216.




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