01.10.2017 - 20:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

20 Jahre Hausfluss in der Alten Schießstätte Kreative Ideenschmiede

Von der baufälligen Ruine zum Kulturzentrum: Die 1707 erbaute "Alte Schießstätte" in Neustadt ist der Beweis, dass Visionen Großes schaffen können.

von Autor gagProfil

Der Stadtrat dachte sogar schon an Abriss. Dann kam Architekt Josef Weber, kaufte im April 1996 das Gebäude samt 250 Quadratmeter Grund. Während die Kommune erst einmal froh war, den maroden Steinhaufen loszuhaben, setzte Weber damit den Grundstein für ein neues Kunstprojekt.

Froh waren auch die Leute von der damals noch nicht sehr bekannten "Kunstszene", die sich heute "Hausfluss" nennt. Weber hatte den Reiz des Gebäudes, auch durch die Lage direkt an der Waldnaab, erkannt. Fantasie und Idealismus gehörten dazu, sich auf eine ausführliche, schonende und teure Sanierung und Renovierung einzulassen. Bis dahin durchlief das Gebäude eine wechselvolle Geschichte. Es wurde bereits 1771 als "baufällig" bezeichnet, war bis 1862 Zeughaus zur Unterbringung von Schießgeräten der Bürgerwehr. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es als Umkleide- und Sportraum genutzt für den nahe gelegenen Sportplatz. Die Feuerwehr baute einen Schlauchtrocknungsturm an, das Haus wurde in eine Werkstatt für die städtische Schreinerei umgebaut.

Der Verfall ging jedoch weiter. Nach einer zeitweisen Nutzung der Alten Schießstätte als städtischer Lagerplatz wurde 1994 sogar der Abriss des Gebäudes im Stadtrat genehmigt. Dann griff das Landesamt für Denkmalpflege ein. Nach weiterem dreijährigen Leerstand wurden Weber samt Kollegen und die Gruppe der Künstler darauf aufmerksam durch einen Hinweis aus der Bevölkerung.

Dann kam ab 1997 Tempo in die Geschichte. Kaum hatte Weber das Haus gekauft, wurde der Verein "Hausfluss" gegründet sowie Nutzungs- und Planungskonzepte entwickelt. Dank verschiedener Fördermittel wurde 1998 das Fachwerk wiederhergestellt, die marode Westseite fast komplett ausgetauscht und rekonstruiert, der stark geschädigte Dachstuhl denkmalgerecht fachmännisch saniert und mit Dachziegeln neu eingedeckt.

In der Folgezeit entwickelte sich hier eine Kunst- und Kulturszene, die man, wie Bürgermeister Rupert Troppmann vermerkte, so in Neustadt nicht vermuten würde. Er war einer der Gäste bei der 20-Jahr-Feier. Troppmann erinnerte auch an die "Standpunkte" und diverse Ausstellungen, die "von der Bevölkerung mit Stirnrunzeln aufgenommen wurden". Idealisten der ersten Stunde waren der heutige Vorsitzende Stephan Argauer, Weber sowie dessen Bruder Ulrich Weber, Birgit Weber, die Architekten Markus Richter und Georg Binner, Michael Höcht, Ludwig Fritsch und Dieter Punzmann.

1999 gab es erstmals Architektenworkshops. Programmkino als Freiluftkino, Hörspieltage, Kleinkunst-Konzerte, Theater, Fotowettbewerbe, Rauminstallationen, Standpunktfixierungen bis Themengastronomie kamen hinzu. Studien, Entwürfe, Fotos dokumentieren das Entstehen einer kreativen Ideenschmiede. Seit kurzem hat sich hier auch das Ferienprogramm etabliert mit Kinderkino und Aktionen.

"Sie haben bewiesen, dass man in alte Gebäude neuen Schwung bringen kann", lobte Troppmann. Er sei dankbar für die Arbeit und die Projekte, die "nicht immer dem Neustädter Mainstream folgen". Wolfgang Herzer sprach von einer langen Zeitreise, in der etwas Naturgemäßes entstand. "Ich habe es in der Zeitung gelesen, gleich nach der Eröffnung unserer Galerie in Weiden," Die Kulturinitiative Oberpfalz (KoOpf) entstand zur selben Zeit, im Jahr 1999, und ist seither vielfach grenzüberschreitend in Richtung Tschechien tätig. Dadurch lernten sich Herzer und die "Hausfluss"-Akteure kennen. "Dieses Haus lebt Veränderung", stellte Argauer fest.

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