04.03.2018 - 20:00 Uhr
Neustadt an der Waldnaab

35 Jahre Bühnenjubiläum hinterlassen Spuren - wie Schneckenschleim Koane is wia Du

"Mei Rimini waar jetzt schee", jammert Schnipsi im gelben Regenhut und -mantel, während Herbert im gleichen Outfit die Angel in den imaginären See auf der Bühne der Stadthalle hält. Urlaub in Schweden hatte sich Herbert eingebildet. Da kann man sich toll erholen und große Lachse fangen, meinte er zumindest. Ob der Köder nichts taugt? Mit Leibniz-Keksen probierte er es, und vielem anderen. Denn vor den Würmern ekelt er sich. "Mei, in Rimini jetzt einen Caipi trinken", jammert Schnipsi. "Kannst net die Mei haltn, die Fisch' beißn doch sonst net", grummelt Herbert.

von Autor gagProfil

Beides sinnlos: Weder kann Schnipsi eine Sekunde still sein, noch kommt ein Fisch auch nur in die Nähe. Nur noch zwei Tage Urlaub. "Des reicht noch für einen Sonnenbrand", jubelt auf einmal Herbert los. Und in Windeseile packen sie Zelt, Wetterkleidung, Angeln und Koffer und stürmen zum Flughafen.

Typische Szenen einer Ehe, werden sich manche im Publikum gedacht haben. Der eine will was, der andere grantelt. Das ist wahrscheinlich das Geheimnis des langjährigen Erfolgs von Herbert und Schnipsi alias Hanns Meilhamer und Claudia Schlenger: Das Sich-darin-Wiedererkennen des Publikum. "Zeitreise mit Schlaglöchern" nennt sich das Programm. Ein "Best-of" der letzten 35 Bühnenjahre.

Ähnlich auch das nächste Stück: "Silvester auf der Hütte". Daheim, "das war immer so langweilig", meint Claudia. Sie will Gaudi. Ein Freund vermietet ihnen seine Hütte. Auf der Suche irrt das Paar erst einmal eine Stunde durch den finsteren Wald. "An jeder Weggabelung rechts", steht auf dem Zettel. Als sie schon total gefrustet sind, entdecken sie: Auf der Rückseite steht noch "wenn ihr dem folgt, kommt ihr wieder genau da hin, wo euer Auto steht". Und tatsächlich: "Zefix!" Hat sie der Freund spaßeshalber in die Irre geführt. Und die Hütte? Ist direkt hinter dem Auto. Noch zwei Stunden bis Silvester. Was nun? Essen und Getränke sind auf dem Autodach und tiefgefroren. Die Zuschauer kugeln sich vor Lachen. "Mei, wie kann denn sowas passieren?" Herbert lobt die kurzen und fantasievollen Artikel der Bild-Zeitung. Etwa damals, 1980, als angeblich sieben Flugzeuge von grünen, glänzenden Kugeln verfolgt wurden. Sieben Piloten erzählten dasselbe, also musste es stimmen! Ufos verfolgen die Iberia-Fluglinie. Eine Frau im Publikum muss als Beweis den Text mitlesen und bestätigt, dass Herbert ihn Wort für Wort vertont und gesungen hat. Viel Klamauk, viele Albernheiten haben sich in 35 Jahren angesammelt. Etwa der Geschwisterstreit bei der Beerdigung von Onkel Berti, als Herbert erfährt, dass er seinem Onkel 60 Jahre lang Unrecht getan hatte. Die Mohrenköpfe, die dieser von der Kur mitgebracht und Schnipsi gegeben hatte, wären für beide gedacht gewesen. Aber die egoistische Schwester hatte alle alleine aufgegessen. Und er hatte sich 60 Jahre lang umsonst ungeliebt gefühlt.

Herbert und Schnipsi haben ein Riesenarsenal an Instrumenten dabei, echte und improvisierte. "Das ist ein schlechtes Lied", singen beide. Und es ist wirklich grottenschlecht. Beide sind kostümiert wie Clowns mit ebensolchen Grimassen, solcher Albernheiten und solchem Gequäke. Sie spielen auf Plastikflaschen, Dosen und allem, was Lärm macht, und quälen dabei jeden Musikliebhaber.

35 Jahre sind eine lange Zeit, da kann einem viel Unsinn einfallen. Zum "Schneckenblues" bläst Herbert großartig auf der Mundharmonika, Als Schnecke (Claudia) und Schneckenhaus (Hanns) rotzen und schleimen sie die Bühne voll. Absurdes und Alltägliches, Skurriles und Wahnwitziges lösen sich ab. Zum Ende noch die Lieder "Wos waar i ohne di!" und "Koane is wia du!". Das lässt vermuten, dass die beiden, die privat noch länger zusammen sind als diese 35 Jahre, sehr glücklich sind miteinander und sicher noch nicht so lange von der Bühne abtreten werden. Die Reaktionen des Publikums waren zwiespältig. Während zum Schluss in der vordersten Reihe kaum applaudiert wurde, saßen wohl die Fans etwas weiter hinten, die sogar "Zugabe" forderten.

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