Andreas Giebel hörte nach einem grotesken Ritt durch Absurditäten das Rauschen in den Bäumen
Großstadtidylle mit Abgründen

Auf eine höchst vergnügliche Reise durch die Welt der Eigenheiten, die das Leben so mit sich bringt, nahm der Kabarettist und Schauspieler Andreas Giebel sein Publikum mit. In seinem neuen Programm erzählte er absurde Geschichten aus dem Mikrokosmos der Großstadt und schmückte sie mit seinem trockenen Humor bis ins Groteske aus. Am Ende aber wurde es nach vielen Lachern still und es war nur noch "Das Rauschen in den Bäumen" zu hören.

"Ist's Hosentürl zu?"

Das ist auch der Titel seines aktuellen Programms, das er vor 300 Zuhörern am Freitag in der Stadthalle präsentierte. Elanvoll marschierte er auf die Bühne und nach der Frage, ob denn sein "Hosentürl" zu sei, das er ja selbst nicht mehr sehe, legte er los. Nach dem Motto "Such dein Glück im Kleinen" war es nicht das große Weltgeschehen, das er auf die Schippe nahm. Es waren die verschiedenen Typen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft im großstädtischen Mikrokosmos des Karl-Dingshammer-Platzes, die er skizzierte.
Nehmen wir einmal an, der Platz mit dem Zeitungskiosk, dem Blumenladen vom Fräulein Lydia, der Drogerie, dem Künstleratelier, dem Supermarkt, dem Arzt, der "Weser-Eck"-Kneipe, dem Bestatter und dem kleinen Park mit dem Lindenbaum liegt in seiner Heimatstadt München. Eine Idylle, wie es anfänglich scheint, ein Stadtviertel, in dem die Welt noch in Ordnung ist. Doch der Schein trügt. Auf seinem Weg durch den Alltagskampf stellt sich diese scheinbar heile Welt schnell als trügerisch heraus. Er zeichnet ein Sittengemälde seiner Figuren und deckt dabei auch die menschlichen Abgründe seiner Nachbarn auf.

Spaziergang durch Alltag

Da war sein Arzt, Dr. Perrengter, in dessen Praxis er der einzige Kassenpatient war und der seine Diagnose (Nacken-Rücken-Leber) stellte, ohne ihn anzusehen. Da stand er für den Kunstmaler Max Glochowatz Modell als griechischer Pan oder Buddha-Figur auf dem Tisch sitzend und ließ sich stundenlang pointilieren, oder ließ sich auf ein Musikquiz mit unbegreiflichen Liedern mit dem Penner Klaus ein und ertrug die alten, lauen Witze des Kioskbetreibers Döderlein. Aus Mitleid kaufte er dem depressiven Drogisten Schönecker - nur aus Mitleid - eine teure Körpercreme ab. Originale wie der Italiener Antonio Graziano, der ein wenig dem "Paten" Robert de Niro gleicht, oder der emeritierte Professor Genewein, der sich in jedes Tischgespräch mit "aber nur im Süden" einmischt, vegetieren in seiner Kneipe, dem "Weser-Eck".
Die Eigenheiten seiner Figuren, mit denen die ihren Alltag meistern, steigert Giebel ins Groteske. Absurd auch seine Endlosschleife im Supermarkt, auf der er in ein Paralleluniversum eindringt. Hin und wieder verlässt er seinen kleinen Kosmos und begibt sich auf einen Überseeflug, auf dem er sich aus Platzgründen kniend und verrenkt im Gang einen James-Bond-Film reinzieht, oder er tritt bei der Oscar-Verleihung als Notdurftkomparse auf.

Schauspieler im Kabarett

Dass der Münchener Kabarettist auch große schauspielerische Fähigkeiten besitzt, stellt er momentan nicht nur als Polizist Xaver Bartl in der Bogner-Serie "München 7" im Fernsehen unter Beweis. Die kamen ihm auch zugute, wenn er seine Geschichten mit der dazu passenden Mimik und Gestik unterstrich. Giebel würzte sie mit seinem trockenen Humor und mimte den Simpel, den gutgläubigen, etwas trägen Bayern, dem Überschwänglichkeit so gar nicht liegt. Die hebt er sich nämlich für ganz besondere Momente auf, auch auf die Gefahr hin, dass diese nicht stattfinden. Und so wird er nach der irren Geschichte um die Beerdigung des Kunstmalers am Ende seiner Alltagstour ganz ruhig und er hört auf der Parkbank nur das "Rauschen in seinen Lindenbäumen".
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