11.03.2018 - 15:48 Uhr
Neustadt an der Waldnaab

Ausstellung des Oberpfalzvereins Alte Wirtshauskultur wird lebendig

Einst hatten die Neustädter eine Auswahl zwischen 25 Wirtshäusern. Im 21. Jahrhundert ist das unvorstellbar. Der Oberpfalzverein hilft der Fantasie mit einer sehenswerten Ausstellung auf die Sprünge.

Kulturreferent Max Peter (links) trug mit seinen amüsanten Geschichten zum Gelingen der etwas anderen Vernissage des Oberpfalzvereins über Neustädter Wirtshauskultur aus früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten bei. Bild: prh
von Hans PremProfil

Mit Bildern, Antiktafeln und urigen Exponaten der Ausstellung erinnert der Oberpfalzverein an die einst blühende Gasthauskultur in der Kreisstadt. Bei einer zünftigen Vernissage mit origineller Musik, humorvollen Geschichten und Gedichten, Bier und Brotzeit wurde diese am Freitagabend in der Filiale der Volksbank/Raiffeisenbank eröffnet. Passend zum Thema ging es locker und zünftig zu. "Wo das Wirtshaus stirbt, stirbt der Ort", besagt eine alte Weisheit. Ganz so schlimm ist es um die Kreisstadt noch nicht bestellt, beruhigte Ernst Umann, der Vorsitzende des Oberpfalzvereins. "Doch was ist von den einst stolzen 25 Wirtshäusern, Gaststätten und Kneipen übrig geblieben?" Im Zeitalter der Digitalisierung gingen alte Traditionen, die in Neustadt schon seit 1548 bestünden, verloren.

"Das Wirtshaus war und ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Unterhaltung. Es stiftet Gemeinschaft und Identität", stellte Umann fest. Diese Sinnstiftung gehe jedoch im Zeitalter einer digitalen Welt mit gestiegener Mobilität, demografischem Wandel und einem veränderten Konsum- und Kommunikationsverhalten immer mehr verloren. Der Besucher wird auf Antiktafeln an 14 Gaststätten wie den "Sunnawirt", den goldenen Hirschen, das Hotel "Zum Kronprinzen", die Krone oder den Hausnerhof erinnert. Zu sehen waren außerdem Aufzeichnung der Tavernengerechtigkeit von 1593 bis 1890 oder die Dokumentation über einen Bierstreit mit Altenstadt aus dem Jahr 1466.

"Gott gebe Glück und Segen": Dieser Spruch ist auf einem Foto zu sehen, das den Abriss der Bären-Brauerei dokumentiert. Deren Besitzer, die Familie Mühlhofer, stellte außerdem altes Porzellan aus dem Kronprinzen und alte Krüge zur Verfügung.

Bürgermeister Rupert Troppmann fand, dass man Kultur pflegen müsse. "Wenn keiner mehr ins Wirtshaus geht, geht diese Kultur verloren." Das gelte auch für Stammtische und Schafkopf. Daher gebühre dem Oberpfalzverein Dank. Für die Begleitung sorgten die "Neisteder Zoiglmusi" mit Franz Harrer, Alfons Kistenpfennig und Dieter Seidel sowie der "Irrta Zwoag'sang" mit Filialleiter Bertram Erhard und Astrid Kriechenbauer, die von Reinhold Maß an der Gitarre begleitet wurden.

Kulturreferent Max Peter rundete das Thema mit Geschichten ums Bier und das Wirtshaus ab. Im Gedicht "Ozapft is" wird die Qualität eines Bürgermeisters dadurch eingeschätzt, wie viele Schläge er zum Anzapfen eines Fasses brauchte. Am Ende hatte er die Lacher bei der Schote um den alten "Wirtsgirgl" und dessen unglückliches Telefonat mit einem Preußen auf seiner Seite. Die Ausstellung ist bis Freitag, 23. März, zu sehen.

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