13.04.2017 - 20:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Der dritte Orden der Franziskaner Leben im Sinne des Heiligen Franz

Drei Knoten hat der Strick, mit dem Franziskaner ihre Ordenstracht gürten. Sie stehen symbolisch für Armut, Keuschheit und Gehorsam. Doch auch jenseits von Klostermauern versuchen gläubige Katholiken, im Sinne des Heiligen Franz von Assisi zu leben.

Guardian Pater Stanislaus gehört dem Ersten Orden der Franziskaner an. Ingrid Riebl, die ein Bild der heiligen Klara in den Händen hält, ist Vorsteherin des Dritten Ordens in Neustadt/WN.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Blendend weiß reckt sich die Kirche St. Felix in den strahlend blauen Vorfrühlingshimmel über Neustadt an der Waldnaab. 1926 begannen hier deutsche Franziskaner ihr Wirken, genau 700 Jahre nach dem Tod ihres Ordensgründers. Seit der Jahrtausendwende kommen die Patres aus der polnischen Provinz Krakau. Sie gehören dem Ersten Orden der Franziskaner-Minoriten an. Guardian Pater Stanislaus Sliwinski und seine Mitbrüder können aber auch auf "weltliche" Unterstützung zählen - durch den Dritten Orden, der in Neustadt im Moment fünf Mitglieder zählt.

Vorsteherin Ingrid Riebl ist aus Windischeschenbach zum Zeitungsgespräch über den "Ordo Franciscanus Saecularis (OFS)" ins Felix-Kloster gekommen. Sie bringt die Replik eines alten Heiligenbildes mit und legt sie sorgsam auf den Tisch, an den Pater Stanislaus gebeten hat. "Das ist die Heilige Klara, die uns durch dieses Jahr begleitet", erläutert Riebl. Klara von Assisi hatte sich schon 1212 gegen den Willen ihrer Familie Franziskus und seiner Gemeinschaft angeschlossen und gründete schließlich den Klarissen-Orden für Frauen.

___ Jähes Ende
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Wie kaum ein anderer weckte und weckt der um das Jahr 1181 im zentral-italienischen Assisi geborene Giovanni Battista Bernardone die Begeisterung für ein von christlichen Tugenden geprägtes Leben. Der Sohn eines reichen Tuchhändlers, von allen "Francesco" gerufen, führte zunächst eine sorglose und ausschweifende Existenz. Diese endete jäh, als der junge Mann für seine Heimatstadt in den Kampf gegen das verfeindete Perugia zog und in Gefangenschaft geriet. Franz, der schwer erkrankte, kam erst nach über einem Jahr wieder frei.

Die Erlebnisse in Krieg und Kerker hinterließen tiefe Spuren. Trotzdem wollte Francesco im Jahr 1205 neuerlich ins Feld ziehen, kehrte aber um, weil er im Traum eine göttliche Vision gehabt hatte. Der junge Mann widmete sich von nun an ganz dem Glauben - sehr zum Missfallen seines geschäftlich erfolgreichen Vaters. Nachdem Franz 1207 seinem Erbe entsagt hatte, lebte er als wandernder Bettelmönch in freiwilliger Armut. Bald schon schlossen sich dem charismatischen Mann Gleichgesinnte an. Zu zwölft reiste die Gruppe schließlich nach Rom und erbat den päpstlichen Segen für ihre Gemeinschaft. So entstand um das Jahr 1210 der Vorläufer des Franziskaner-Ordens, dessen Regel 1223 päpstlich bestätigt wurde.

Franziskus ermutigte auch Verheiratete und Menschen mit Familie, in ihrem Alltagsleben dem Vorbild Christi zu folgen. Bereits um 1221 begannen sich erste franziskanische Laien-Gemeinschaften zu bilden. Deren Mitglieder durchliefen zunächst ein Einführungsjahr und versprachen, einfach zu leben, Banketten, Bällen und Festen fernzubleiben, an drei Wochentagen auf Fleisch zu verzichten, im Tageslauf regelmäßig eine Anzahl Vaterunser zu beten, die Sakramente zu schätzen, keinen Eid zu leisten, nie Waffen zu tragen, das Familienleben christlich zu gestalten, sich untereinander Solidarität in wirtschaftlicher Not zu leisten und sich in monatlichen Versammlungen zu treffen.

Ingrid Riebl lebt nun nicht im 13., sondern im 21. Jahrhundert. Sie sagt über ihr Wirken im Dritten Orden: "Das Wichtigste ist, das Evangelium zu lesen, zu beobachten und ins Leben zu integrieren." Auch das Studium der Schriften des Heiligen Franziskus liege ihr sehr am Herzen. Letztlich finde jeder seinen eigenen Weg. Ob es die Lektüre der Psalmen, des Stundenbuchs oder auch freies Gebet sei - "ich finde es wichtig, dass die Verbindung zu Gott täglich da ist. Deshalb versuche ich auch, jeden Tag die Heilige Messe zu besuchen."

Ein Leben in weitestgehender Armut, wie der Heilige Franziskus es führte, ist für Ingrid Riebl hingegen nicht zu verwirklichen. "Das kann man so nicht. Aber ich mache mir immer bewusst, brauche ich das jetzt wirklich oder nicht? Und ganz oft braucht man etwas eben dann nicht." Sie wendet sich fragend an Guardian Pater Stanislaus. "Kann man denn heute in der Öffentlichkeit mehr Armut leben?"

___ Das Jetzt ist wichtig
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Der Franziskanerpater findet abwägende Worte. "Entscheidend ist der gesamte Lebensstil", sagt er: "Es geht ja nicht nur um spontane Entscheidungen." Pater Stanislaus plädiert für einen "gesunden Einblick". "Jeder muss für sich selbst entscheiden - aber es ist natürlich nicht verkehrt, sich mit anderen abzusprechen." Letztlich wisse man nie, ob das, was man persönlich für Glück halte, auch der Andere als Glück empfinde. Über seinen Alltag im Kloster sagt der Guardian: "Das Schöne ist, für uns ist das Jetzt wichtig, wir leben nicht in Etappen."

Auch strenges Fasten, wie es Franziskus mehrmals im Jahr über 40 Tage eingehalten habe, erwartet die moderne Kirche nicht. "Im Kloster gelten durchaus ganz klare Fastenregeln", sagt Pater Stanislaus, "aber diese sind nicht auf die Familien im Dritten Orden übertragbar". Unter Umständen fasse die jeweilige Gemeinschaft zwar den Beschluss zu fasten, "aber man muss schauen, was geht". Ingrid Riebl sieht die Fastenzeit vor allem als Phase der Besinnung, Umkehr und Neuausrichtung, wie sie für alle Christen gedacht sei. Fürs strenge Fasten kann sich die Vorsteherin nicht begeistern. "Eine Woche Heilfasten unter geistlicher Leitung, wie es Pater Anselm anbietet, das finde ich toll", sagt Riebl. "Im normalen Alltag kann ich mir das nicht vorstellen."

Wer heute um die Aufnahme in den Dritten Orden ersucht, soll sich zunächst Zeit für eine gründliche Orientierung nehmen. Auch deshalb gibt es in Neustadt einen sogenannten Franziskus-Kreis. Ungefähr zwölf Interessierte - auch "Sympathisanten" genannt - aus der gesamten Region treffen sich einmal im Monat mit den fünf "weltlichen" Franziskanern zu Gespräch und anschließender Vesper im Felix-Kloster. Dieser Zeit der Prüfung folgen Gespräche mit den Angehörigen des Dritten Ordens, die schließlich darüber entscheiden, ob sie ein neues Mitglied aufnehmen wollen.

Nach wenigstens einem Jahr in der Gemeinschaft kann man die zeitlich begrenzte oder die ewige Profess ablegen. "Das Versprechen auf Probe dient dazu festzustellen, ob man das Leben im Orden aushalten kann, ob es das Richtige für einen persönlich ist", erläutert Pater Stanislaus. "Dabei spielt nicht etwa Leistung, sondern Wille und Weg die entscheidende Rolle. Es ist wie bei einer Ehe - die gibt es auch nicht nur auf Zeit." Ein guter Vergleich, findet Ingrid Riebl. "Auch in einer Ehe erlebt man Höhen und Tiefen, auch da muss man durchhalten!"

___ Gelebte Spiritualität
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Ingrid Riebl versucht, "dem Heiligen Franziskus im Kleinen täglich nachzueifern". Wenn sie sich jeden Tag darum bemühe, sich wie Franziskus am Evangelium zu orientieren, verändere das ihre Lebenseinstellung: "Ich selbst merke das nicht, aber meine Umgebung." Man lebe dann die franziskanische Spiritualität. Das bedeute, "allem und jedem gegenüber achtsam, aufmerksam, zärtlich und gütig zu sein".

Pater Stanislaus erklärt, der Eintritt in den Dritten Orden bedeute nicht, dass man eine konkrete Aufgabe übernehmen müsse: "Das ist keine Voraussetzung. Es kann aber natürlich eine Bekräftigung sein." Riebl ist sich sicher: "Wenn jemand vorhat, in den Dritten Orden einzutreten, sollte er unbedingt einmal Assisi erlebt haben." Dort herrsche "eine einzigartige Atmosphäre des Friedens und der Heiterkeit". Es störe sie, dass der Heilige Franz oft auf sein besonderes Verhältnis zur Schöpfung reduziert werde. "Denn Franziskus wollte dem Gekreuzigten nachfolgen, mit ihm leiden und ihm immer ähnlicher werden," sagt Riebl. Sie meint: "Mir tun alle Menschen Leid, die nicht glauben dürfen oder können."

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