05.09.2017 - 10:38 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Lilo Fischer fertigt kunstvollen Wandbehang Burgtreswitz wollig-bunt

Wolle ist ihr Ding. Kein Wunder: Lilo Fischer ist Tapisserie-Gestalterin. Sie zaubert aus den bunten Fäden wahre Kunstwerke.

Lilo Fischer mit dem vierten Teil ihres Wandbehangs, auf dem unter anderem die Kirche und das Wappen der Gemeinde Moosbach zu sehen sind. Bei ihrem Werk für den Förderverein Schloss Burgtreswitz richtete sie sich nach der Vorlage eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr 1677. Bild: Meister
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Neustadt/Burgtreswitz. Das jüngste Werk: Ein vierteiliger Wandbehang mit einer historisch stilisierten Ansicht der Gemeinde Moosbach und von Schloss Burgtreswitz. Die Vorlage dafür lieferte ein unbekannter Künstler im Jahr 1677. Oder besser gesagt, Peter Garreis, der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Burgtreswitz. Denn er hat der Tapisserie-Gestalterin den Auftrag erteilt und gleich die passende Vorlage dazu geliefert. Das fertige Werk sollte dem Bild aus dem Jahr 1677 möglichst ähnlich sein. Und das ist gelungen.

Bis es so weit war, wurde Lilo Fischer allerdings monatelang zum Kellerkind. Denn im Keller ihres Hauses befindet sich ihr Arbeitsraum. Wichtigstes Utensil: der Webstuhl, auf dem die farbenfrohen Werke in langwieriger Handarbeit entstehen. Eineinhalb Tage lang dauert es allein bis der Webstuhl für einen Wandbehang mit den nötigen Kettfäden bespannt ist. Schon dafür ist viel Akribie nötig. Denn: Sind die Kettfäden falsch gespannt, kann das Werk nicht gelingen.

2015: Der Sonnengesang

Doch die 76-Jährige hat das nötige Können und auch die dafür notwendige Geduld. Das belegen die vielen Wandbehänge, die sie in den vergangenen Jahrzehnten bereits für Gemeinden, Arztpraxen, Kirchen und Banken angefertigt hat. Dazu zählen unter anderem die Wappen von Weidens Partnerstädten, die den großen Sitzungssaal im Neuen Rathaus der Max-Reger-Stadt schmücken. Oder der achtteilige Zyklus, mit dem Lilo Fischer den Sonnengesang des Heiligen Franziskus bunt in Szene setzte. Dieses Werk hat sie 2015 für das Pfarrheim St. Franziskus in Moosbach angefertigt (wir berichteten).

Ende Oktober 2016 hat sie mit dem ersten Wandbehang für den Förderverein Schloss Burgtreswitz begonnen. "Seitdem habe ich von früh bis abends gewebt", sagt sie. Oder besser gesagt: von früh bis spät in die Nacht, unterbrochen nur von Pausen zum Mittag- und Abendessen. Oft genug saß die Tapisserie-Gestalterin von morgens 9 bis abends 23 oder 23.30 Uhr am Webstuhl.

"Ich arbeite gerne nachts. Vor allem bei kritischen Stellen, die viel Konzentration verlangen." Dazu zählte bei dem aktuellen Werk unter anderem der Bereich der Schlossanlage. "Da gibt es so viele Mauern, Fenster, Dächer, Felder und das Wasser des Weihers. Das hat sehr aufgehalten, weil so viele Farbmischungen nötig sind."

24 Jahre lang hat die Neustädterin zusammen mit ihrem Ehemann Max Fischer 24 Jahre das Freie Institut für Kunst und Design in der Kreisstadt betrieben. Sie arbeitet selbst bei den einfachen Farbflächen mit mindestens drei verschiedenen Wollfäden. "Das ergibt eine bessere Farbmischung, und es sind mehr Schattierungen möglich."

An Stellen, wie der oben genannten mit dem Motiv von Schloss und Weiher, waren bis zu 20 verschiedene Farbfäden in einer Reihe nötig. Nur ein wahrer Könner verliert da nicht den Überblick. Jedes Segment des vierteiligen Wandbehanges ist circa einen Meter breit und zwei Meter hoch. Dazwischen kommen aus akustischen Gründen jeweils schmalere Webstreifen. Denn das fertige Werk ist für den großen Rittersaal in Schloss Burgtreswitz gedacht, in dem Theateraufführungen, Hochzeiten und andere Veranstaltungen organisiert werden.

Acht Tage vorher fertig

Bis zum Wochenende 2./3. September sollte der Wandbehang fertig sein. "Ich habe es acht Tage früher geschafft", sagt die 76-Jährige nicht ohne Stolz. Inzwischen hängt das gute Stück bereits an Ort und Stelle, so dass es am Tag des offenen Denkmals (Infokasten) bereits bestaunt werden kann.

Lilo Fischer hat die Arbeit viel Spaß gemacht, versichert sie. "Es ist schön, wenn man sieht, wie es voran geht." Ihr Mann Max hat die passenden Rahmen für die großen Wandbehänge angefertigt. Jetzt ist er froh, dass die Arbeit seiner Frau beendet ist, meint er schmunzelnd. "In den letzten Monaten war ich die meiste Zeit alleine." Lilo Fischer saß derweil im Keller und webte eifrig an ihren farbenfrohen Kunstwerken.

Tag des offenen Denkmals

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, öffnet das Schloss Burgtreswitz seine Pforten. Von 14 bis 16 Uhr werden die Führer Helene Rolle und Peter Garreiss die Gäste durch das Gebäude führen.

Die Besucher können den restaurierten Saal besichtigen. Seit Montag ziert den Saal, den ehemaligen Rittersaal, ein vier mal zwei Meter großer Wandbehang, den die Künstlerin Lilo Fischer erstellt hat.Auch die neuen WC-Anlagen sowie das neue Treppenhaus mit Personenaufzug im Ostflügel sind bereits fertiggestellt.

Die Besucher werden auch durch die Museumsräume, die Folterkammer, die Schusterei, das Schlafzimmer aus der Zeit der Schlossbrauerei, die Pflegerwohnung, die Infostelle des Naturparks Nördlicher Oberpfalz und in das Jagd- und Fischereimuseum geführt. Im Trauungszimmer können das restaurierte Kreuz des Hochgerichts Treswitz sowie die historische Bestuhlung besichtigt werden. (gi)

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