10.08.2017 - 16:08 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Organisatoren von "Lieder im Barockgarten enttäuscht" Frust-Freunde

Der Mensch lebt nicht vom Lob allein. Erst recht nicht solche, die kulturelle Veranstaltungen organisieren. Deshalb sind die Kulturfreunde Lobkowitz tief enttäuscht über die Resonanz auf ihre Konzertreihe "Lieder im Barockgarten".

So wie hier beim Auftritt von "The Rooster Crows" hätten sich die Kulturfreunde Lobkowitz den Besuch im Barockgarten öfter vorgestellt. Nach dieser Saison hadern sie aber mit dem Wetter und dem Desinteresse der Einheimischen. Bild: krb
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

"Ich weiß nicht, was die Neustädter außer Serenaden mit freiem Eintritt wollen. Sie möchten keine Klassik, keinen Pop, keine Weltmusik", lässt Bernhard Knauer Dampf ab. Er hat nach 2016 zum zweiten Mal die drei Konzerte im Juli federführend für die Kulturfreunde auf die Beine gestellt. "Wir wollen doch Veranstaltungen nicht nur für Auswärtige machen."

Zu den Auftritten von "Pink Pedrazzi & The Big Easy" (Americana), "The Rooster Crows" (Country & Folk) und Adiji Odametey & Band (Weltmusik aus Nigeria) kamen insgesamt rund 250 Zuhörer. Das ist halbwegs respektabel, aber zu wenig, um aus der Verlustzone zu kommen. Ähnlich war es vergangenes Jahr beim Schwerpunkt Klassik. "Es sind zwar nur einige Hundert Euro Defizit, dafür haben wir Rücklagen. Aber irgendwann sollte halt mal was hängenbleiben", erklärt Knauer, der zugleich Museumsreferent der Stadt ist.

Daher hätten sich die Kulturfreunde für nächstes Jahr eine Denkpause verordnet, ob sie überhaupt noch mal etwas im Barockgarten unternehmen. Dann ist ohnehin 800-Jahr-Feier und der Veranstaltungskalender der Stadt prall gefüllt. Die Kulturfreunde holen zu diesem Anlass am 2. Dezember die Regensburger Domspatzen. Knauer macht sich keine Sorgen, dass sie Publikum anziehen. "Aber wehe, der Name ist mal nicht so bekannt."

Problem Übernachtungen

Woran es bei den Barockgarten-Konzerten vor allem hakte, war das Wetter. Bei Pink Pedrazzi und Adiji Odametey mussten die Veranstalter wegen Regens ins Alte Schloss ausweichen. Mit den Eintritten von 15 Euro im Vorverkauf und 18 Euro an der Abendkasse sei es gerade so aufgegangen, sagt Knauer. Doch auf den Kosten für die Übernachtungen der Musiker im Hotel Grader blieben die Kulturfreunde sitzen. Zudem mussten sie für zwei der drei Bands eine Soundanlage mieten und hatten sich erst kurz zuvor 100 Plastikstühle für Besucher angeschafft. Der Frust sei auch deshalb so groß, weil im Vorfeld eigentlich alles gepasst habe. Das Landratsamt habe die Kulturfreunde prima unterstützt und sich bedankt, dass der prächtige Barockgarten wieder in die Öffentlichkeit gerückt werde. Mit NT-Kulturchef Stefan Voit habe der Verein einen Berater mit Erfahrung in der Organisation von Konzerten in ähnlichem Rahmen, etwa "Live aus dem Stadtbad" in Weiden. Voit schwärmt ebenfalls von der Zusammenarbeit mit den Kulturfreunden, sieht aber die Lage nicht so dramatisch. Wenn es nicht geregnet hätte, hätten die Veranstaltungen funktioniert. So sei der Auftritt von "The Rooster Crows" - der einzige im Freien - beinahe ausverkauft gewesen. Zudem dankt er ebenfalls dem Landratsamt. "Wenn wir nicht ins Alte Schloss gekonnt hätten, hätten wir zwei Konzerte absagen müssen."

Wenig Alternativangebote

Wie es weitergeht, weiß Voit nicht. Er habe auf jeden Fall noch Lust. "Es wäre sehr schade um so eine tolle Location wie den Barockgarten." Voit kann aber die Kulturfreunde verstehen. Einen Tipp, mehr Neustädter aus den Häusern und Gärten zu locken, hat er auch nicht. Kabarett im Freien sei zu teuer, die Klassik-Schiene deckten die Wurzer Sommerkonzerte ab, und Stummfilmnächte seien nur etwas für Fans.

Die Hauptkonkurrenz sieht Voit wie Knauer in der musikalischen Gratiskultur: "Veranstaltungen wie Serenaden mit freiem Eintritt ufern rund um Weiden und Neustadt einfach aus."

Ich weiß nicht, was die Neustädter außer Serenaden mit freiem Eintritt wollen.Bernhard Knauer

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