"Rotzlöffl" auf Kreuzfahrt
Boarisch an Bord

Die neue "Aida Prima" hat auch ein Brauhaus. Dafür suchten die Veranstalter zünftige Bayerische Partybands. Sie setzten auf die "Rotzlöffl".
Kultur
Neustadt an der Waldnaab
20.12.2016
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Die "Plaza" ist der Marktplatz des Schiffes. Dort gaben die Oberpfälzer Unplugged-Konzerte.

"Alle Vöglein sind schon da", müssten die "Rotzlöffl" zu der Melodie eigentlich singen. Ins Smartphone von Bandmanager Christoph Plank dröhnt stattdessen ein vierstimmiges "Aaaaa-Iiiiih-Da - wir waren da".

Die Oberpfälzer-Partyband sitzt im Auto und fährt von Hamburg nach Hause. Christoph Plank aus Stulln hat ein Smartphone gezückt und zeichnet ein vierstimmiges Gstanzl der Jungs auf: "Aida, wir waren da, fahren nun nach Hause. Nach viel Wasser, Seeluft und Wind warten wir nun aufs Christkind."

Das Video veröffentlichten die Oberpfälzer im Netz, inklusive aller falschen Töne und Lachanfälle der Bandmitglieder. "Die Aida ist schon eine Marke. Die Leute sprechen dich drauf an, wenn du zurückkommst", sagt der 21-jährige Bassist der Band, Matthias Zimmerer aus Pirk wenige Tage nach der Autofahrt. Zwei Wochen tourten die "Rotzlöffl" auf dem Luxusliner "Aida Prima" durch die Nordsee. Mit ihnen 3000 Passagiere und 1000 Mann Besatzung. "Es war ein lustiger Zufall, dass wir reingekommen sind", sagt der Etzenrichter Sandro Augustin, der in der Band Trompete, Bariton und Schlagzeug spielt. "Wir haben mitbekommen, dass die Aida seit neuestem ein Brauhaus mit Live-Bühne hat. Da brauchte man Bayerische Bands." Die "Rotzlöffl" bewarben sich und wurden engagiert. Als Teil der Crew übte das Quartett in Hamburg das Verhalten im Notfall und die Schiffsevakuierung. Die Sicherheitstrainings setzten sich auf dem Schiff fort. Ziemlich nervig fanden das die "Rotzlöffl".

"Ich fand alles kurios"

Entschädigt wurden sie durch den Luxus an Bord: "Als ich auf das Schiff bin, fand ich alles kurios", sagt Augustin. "Ich hab nicht das Gefühl gehabt, ich bin auf einem Schiff. Da gibt es ein Casino, eine Gärtnerei, ein Fitnessstudio, Klamottengeschäfte, einen Klettergarten und ein Schwimmbecken mit zwei Rutschen." Das Schiff habe 18 Restaurants gehabt, mehrere Discos und eine Eisbahn.

Im Brauhaus spielten die Oberpfälzer ihren "boarischen Rock". "Die Passagiere fanden es toll, dass vier junge Burschen in Lederhosen auf der Bühne stehen." Im typisch rotzfrechen Stil wechselten Plank, Zimmerer, Augustin und David Sorgenfrei aus Neunburg vorm Wald vom Bläsersatz zu Metal und von Bon Jovi zu Rosamunde. "Aber so verpackt, dass es Gaudi ist", betont Augustin und freut sich: "Ich bekomme bis jetzt Nachrichten, dass die Leute drei- bis viermal wegen uns ins Brauhaus gegangen sind."

"Bayerische Straßenmusik" machten die vier ebenfalls. Sie brachten Instrumente und Ausrüstung dafür auf die "Plaza" also den Marktplatz des Schiffs. Unplugged konnten die Passagiere einer Interpretation von "Wonderwall" mit Quetschn lauschen oder Musik von den "Oberkrainern" hören. Zwischendurch fanden die Jungs auch Zeit für die Daheimgebliebenen. Ihren Fans dichteten sie neue Strophen von "Alle Vögel sind schon da" und sangen sie von der Reling aus ins Smartphone.

"Wir werden immer noch unterschätzt", findet Augustin. "Wenn eine junge Band kommt, sagen die Leute: ,Ja, könnt ihr das überhaupt? Spielts fei nicht zu laut'." - "Manche schauen am Anfang kritisch. Nach einer halben Stunde nicken sie mit dem Kopf und nach einer Stunde sind sie voll dabei. Ich finde das gut. Wir können die Leute von uns überzeugen."

Zweites Album geplant

Nach dem Trip auf dem Luxusliner freuen sich die "Rotzlöffl" auf ein gemütliches Weihnachtsfest. Die nächsten Auftritte in der Region stehen schon fest: Am 25. Februar spielen sie in Pirk auf dem Faschingsball und am 16. April ist die traditionelle Ostertanzparty in der Nordgauhalle in Nabburg. Auch ein weiteres Album soll es geben. "Also das ist ein Riesenaufwand", gibt Augustin zu bedenken. "Wir wollen das auch ordentlich machen. Die Gaudi und der Witz, den wir auf der Bühne haben, sind schwer auf eine CD zu pressen." Trotzdem: Im Jahr 2017 soll es entstehen, und 2018 erscheinen.
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