Aus für Krankenhaus wird Mitarbeitern erst am letzten Tag richtig bewusst - Harmonie bis zum ...
Abschied mit Blick nach vorne

Ein bisschen wie bei einem Leichenmahl war die Stimmung bei der Abschlussfeier der Belegschaft des Neustädter Krankenhauses. In die Trauer über den allseits beliebten "Verstorbenen" am Felixhügel, mischt sich die Freude über das Zusammentreffen mit der Belegschaft. Bild: bgm

"Ziehen Sie weiter den Karren mit! Die Menschen in der Region brauchen uns." Josef Götz, Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz, richtete in der Abschlussfeier im Foyer der Station 1 des Krankenhauses den Blick nach vorne. Bei den Mitarbeitern, für die ein Abschnitt ihres Berufslebens endet, mischten sich Freude über den guten Zusammenhalt der Belegschaft mit Bedenken über die noch unbekannte zukünftige Situation.

Die Schließung des Krankenhauses habe nichts mit der Qualität zu tun, sondern sei den Rahmenbedingungen geschuldet, meinte Götz. "In der heutigen Zeit ist es einfach nicht mehr möglich, nur sieben Kilometer voneinander entfernt zwei Häuser zu unterhalten." In einer kurzen Ansprache sagte er den Mitarbeitern ein herzliches "Vergelt's Gott".

Schwierige Zeit

"Gerade Ihnen, die bis zuletzt die Stellung gehalten haben, gebührt Dank. Es ist eine ganz schwierige Zeit, wenn man weiß, dass das Ende naht. Nichtsdestotrotz haben sie unvermindert weitergemacht."

Ein Büfett, Tische und Bänke waren im Eingangsbereich aufgebaut. Zur Musik von Alleinunterhalter Tommy, der ruhige Schlager und Oldies spielte, erinnerten sich die Beschäftigten an die vergangenen Jahre. "Ich hab das bis jetzt noch immer verdrängt. Jetzt wird es mir erst langsam so richtig klar", sagte Irmgard Bergler, die erst am Tag zuvor ihr Büro ausgeräumt hatte. "Es ist schon traurig."

Gleichzeitig freut sie sich riesig über ihr persönliches Jubiläum. Seit 41 Jahren arbeitet sie im Krankenhaus auf dem Felixberg. 1973 begann sie als Angestellte im Sekretariat von Dr. Reinhold Gromotka und war zuletzt im Büro von Chefarzt Prof. Dr. Karl-Heinz Dietl. Jetzt geht es für die Neustädterin in Weiden weiter. "Ich komme überall zurecht", blickt sie zuversichtlich nach vorne.

Einen langgedienten Pfleger plagen dagegen große Zweifel. "Auch in Neustadt waren wir zeitweise mit weit über 200 Patienten stark überbelegt. Trotzdem waren die Patienten zufrieden." Das Weidener Klinikum sei dagegen so groß, dass man sich auf dem Gang gar nicht mehr grüßen könne. "Wenn ein Arzt von einem Patienten gegrüßt wird, kann er praktisch nicht antworten, weil er vorher schon 60 Mal 'Guten Morgen' gesagt hat", beschreibt er die Situation im Haupthaus.

"Es wird noch soweit kommen, dass wir eine Krankenhaus-Maut bekommen", meinte der Pfleger mit Blick auf die Gesundheitspolitik der Bundesregierung. Die familiäre Größe des Neustädter Hauses, die ruhige Lage und das natürliche, grüne Umfeld seien seines Erachtens wichtige Faktoren für eine schnelle Genesung.

Weite Wege

Einer Krankenschwester, die künftig fünf Kilometer Umweg nach Weiden in Kauf nehmen muss, bereitet vor allem die Parkplatzsituation in der kreisfreien Stadt Sorgen. Entweder müsse man lange nach einem Stellplatz suchen oder weite Fußwege in Kauf nehmen.

Auch die Umkleiden lägen ungünstig und noch dazu weit von den Räumen entfernt, in denen die Dienstkleidung aufbewahrt werde. "Eine Viertelstunde länger wird das jeden Morgen dauern", schätzt sie und meint gleich darauf lapidar: "Wir waren halt verwöhnt." Ihr zuversichtliches Lächeln lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass sie auch die neue Situation meistern wird.

Regionalleiter Süd Alois Meindl sieht in der von Fritz Ramming und seinem Team organisierten Abschlussfeier eine Bestätigung für die Harmonie, mit der selbst die Schließung vonstatten gegangen sei.
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