12.03.2004 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Der Neustädter Herbert Zapf lebt seit 13 Jahren in Madrid und schildert das Entsetzen über den ... "Man verliert seine Besonnenheit"

"Diese Schweine", zitieren Nachrichtenagenturen einen Sprecher der spanischen Sozialisten zu den Anschlägen in Madrid. Dass es schwer ist, sich ob des Bombenterrors zurückzuhalten, räumt auch Herbert Zapf ein. Der 40-jährige Neustädter lebt seit 1991 in der spanischen Hauptstadt in der Nähe des Flughafens Barajas, wo er als Divisionsleiter-Ingenieur bei Siemens arbeitet.

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Herr Zapf, wann haben Sie von den Anschlägen erfahren, und was war Ihr erster Gedanke danach?

Zapf: Ich war heute gegen 8 Uhr unterwegs zu einem Seminar etwa 40 Kilometer außerhalb von Madrid. Da hieß es zunächst, es hat in der Stadt einen Vorfall gegeben, man soll nicht nach Madrid reinfahren. Fünf Minuten später war bereits die Rede von drei Bomben. Ich habe gleich an die Eta gedacht.

Wie ist die Stimmung in der Stadt?

Zapf: Alle sind voller Trauer und Wut. Alle Diskussionen mit den Kollegen drehen sich darum. Man hat zwar mit Anschlägen vor den Parlamentswahlen am Sonntag gerechnet, aber weniger auf die Zivilbevölkerung und weniger in diesem Ausmaß. Das Schlimme ist, dass man seine Neutralität verliert.

Was meinen Sie damit?

Zapf:Man verliert seine Besonnenheit. Viele sagen, dass man gegen die Terroristen vorgehen müsste, wie der Mossad (Israelischer Geheimdienst - Anmerkung der Redaktion), der seine Gegner liquidiert. Es kommt auch Sympathie für die frühere sozialistische Regierung und Generäle der spanischen Armee auf, die eigenmächtig Terroristen umbringen ließen. Es gibt auch Kommentare, die sagen, man könne davon lernen, wie die Baader-Meinhof-Bande in deutschen Gefängnissen "Selbstmord" begangen hat. Diese Stimmung wird sich wieder legen, aber das dauert einige Zeit.

Was sind das für Züge und Bahnhöfe, die die Täter ausgewählt haben?

Zapf: Die Station Atocha kenne ich gut. Da fahren auch die Schnellzüge nach Sevilla und Barcelona ab. Morgens geht es da zu, wie auf dem Volksfest, ein einziges Gedränge. Die Bombenleger haben dort bewusst viele Opfer in Kauf genommen.

Halten Sie auch einen al-Qaida-Anschlag für möglich?

Zapf: Wir haben hier darüber diskutiert. Die Indizien sprechen aber eindeutig für Eta-Terroristen.

Wie wird sich das Attentat auf die Parlamentswahlen auswirken?

Zapf:Wie gesagt, man hat erwartet, dass die Eta noch einmal zuschlägt. Ich kann mir vorstellen, dass viele ihrer Anhänger über diese Brutalität aber selbst erschrocken sind. Die Terroristen sind Individuen, die nicht denken. Hoffentlich denken aber die 200 000 Wähler von Batasuna (Eta-nahe Baskenpartei) auch mal darüber nach, was heute passiert ist. Ich könnte mir vorstellen, dass sie selber so geschockt sind, dass es die Eta nicht wagt, sich eindeutig dazu zu bekennen.

Werden Premier Aznar und sein Nachfolgekandidat davon eher profitieren, oder mehr die Sozialisten?

Zapf: Eindeutig Aznars Partido Popular. Ich hoffe aber, dass er sich nicht noch enger an die extremistische Terrorbekämpfung von Präsident Bush anlehnt.

Landesweit sind für morgen Protestkundgebungen gegen die Eta angekündigt. Werden Sie hingehen?

Zapf: Am Vormittag und am Nachmittag bin ich in der Arbeit. Sollte am Abend etwas stattfinden, gehe ich hin.

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