14.03.2005 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Die neue SPD-Kreisvorsitzende Annette Karl will auf Ochsentour zu den Ortsvereinen gehen Mehr Partei, weniger Gymnastik

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Gleich zwei Mal durften die Sozialdemokraten am Freitag auf einen Neubeginn anstoßen: Erstmals seit September 2003, als Fritz Möstl sein Landtagsmandat verlor und danach kaum mehr in der Öffentlichkeit auftauchte, hat der SPD-Kreisverband wieder ein Gesicht. Das von Annette Karl. Damit steht überhaupt zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der 2100 Sozialdemokraten zwischen Eslarn und Kirchenthumbach.

Die 44-jährige hat Mathematik studiert. Sie ist heute Hausfrau, hat vier Kinder (20, 18, 16 und 14 Jahre) und ist mit dem EDV-Leiter der Firma A.T.U verheiratet. Daher kommt auch ihr großes Interesse für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Karl ist zwar in Berlin geboren, aber im ostwestfälischen Minden aufgewachsen - 40 Kilometer vom Geburtsort Gerhard Schröders entfernt. Die Oberpfalz kennt sie nicht nur aus der Ehe mit einem Neustädter, sondern mittlerweile auch, weil sie seit 20 Jahren in Altenstadt/WN wohnt. Karl ist AsF-Bezirksvorsitzende und im Landesvorstand der bayerischen SPD-Frauen.

Respekt, Frau Karl, Sie führen jetzt die zweitstärkste politische Kraft im Landkreis Neustadt. Wir dachten immer, man habe es als Westfälin in Bayern schwerer, in der Partei und der Bevölkerung akzeptiert zu werden.

Karl:Na ja, ich habe schon eine Hausmacht hinter mir. Als ich vor 20 Jahren aus Berlin hierher gezogen bin, war das natürlich schwieriger. Aber das ist überall so, wenn man an einen neuen Ort kommt. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich über Kindergarten, Schule und Sportverein Kontakt geknüpft habe.

Welchen Sport machen Sie denn?

Karl: Ich bin in der Gymnastikgruppe des SV Altenstadt, leider aber nicht mehr so häufig, weil es Überschneidungen mit Gemeinderatssitzungen gibt.

Trotzdem sind Sie auch für viele SPD-Mitglieder eine Unbekannte.

Karl: Deswegen habe ich mir auch vorgenommen, innerhalb eines Jahres alle Ortsvereine zu besuchen und bewusst viele Termine wahrzunehmen. Es ist mein Ziel, die Zusammenarbeit des Kreisverbands mit den Ortsvereinen zu straffen. Das Problem ist, dass der Kreisverband keinen Landtagsabgeordneten mehr hat. Ohne Mandat kommt man nicht so einfach an überparteiliche Termine wie zum Beispiel Einweihungen.

Wie kam es zu Ihrer Kandidatur?

Karl: Der Impuls kam von den Ortsvereinen. Man hat nach neuen Köpfen geschaut. Es sollte jemand sein, der unverbraucht ist und für einen Neuanfang steht. Nachdem Kurt Döllinger und Margit Kirzinger abgewinkt hatten, lief es auf mich zu.

Das drängendste Problem im Landkreis ist die Zukunft der drei Krankenhäuser. Wie sieht denn Ihr Rezept aus?

Karl: Das Wichtigste ist die Sicherstellung der wohnortnahen Versorgung, nach Möglichkeit in allen drei Häusern. Spezialisierung ist ein richtiger Weg. Wichtig ist uns als SPD aber der Erhalt der Mitarbeiterrechte in der Krankenhaus-AG. Wir wollen die Mitbestimmung auf jeden Fall erhalten. Das ist der große Unterschied zur CSU.

Apropos Unterschied: Als Kreisvorsitzende rücken Sie automatisch für eine Kandidatur als Landrätin oder Landtagsabgeordnete ins Rampenlicht.

Karl: Bis 2008 dauert es noch ein bisschen. Darüber zu reden, ist noch etwas früh.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.