25.08.2014 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Die Soldatenkameradschaft 1873 schießt seit fast 40 Jahren mit der Böller-Kanone Ein richtiger Kracher

Ein ganz schöner Kracher. Die Soldatenkameradschaft 1873 pflegt seit 1975 die Tradition des Böller-Schießens mit einer Kanone. Sie kommt zum Einsatz bei Begräbnissen, beim Volkstrauertag, im Rahmen der Gedenkfeier in Wöllershof oder auch zu weltlichen Gelegenheiten.

Und damit auch beim nächsten mal alles gut funktioniert, muss natürlich das Rohr ordentlich gereinigt werden. Kanonier Karl Stock und Vorsitzender Engelbert Eckart (von rechts) erledigen diese wichtige Aufgabe mit großer Routine. Bild: arw
von Werner ArnoldProfil

Vor fast 40 Jahren hat der damalige Vorsitzende Georg Witt das Gerät angeschafft, das größtenteils durch Spenden finanziert wurde. Doch bis es einem Kanonier erlaubt ist, zur Tat zu schreiten, muss er eine Menge lernen, was Handhabung und Sicherheit angeht. Das Mindestalter beträgt 21 Jahre.

Zurzeit ist Karl Stock der einzige, der bei der Soldatenkameradschaft die Erlaubnis dafür besitzt. Seit acht Jahren zieht er die Sicherheitsleine. Doch bis der erste Schuss abgegeben werden kann, sind einige Hürden zu überwinden. Zunächst muss der Schütze eine Unbedenklichkeitsbescheinigung bei der Kreisverwaltungsbehörde beantragen. Liegt diese vor, kann bei einem anerkannten "Lehrgangsträger", etwas dem Gewerbeaufsichtsamt, ein Fachkunde-Kurs belegt werden.

Erlaubnis für fünf Jahre

Nach erfolgreicher Prüfung kann bei der Verwaltungsbehörde die Erlaubnis nach Paragraf 27 des Sprengstoffgesetzes beantragen. Diese Erlaubnis ist für fünf Jahre gültig. Benötigt wird auch eine Haftpflichtversicherung. Im Landkreis Neustadt/WN gibt es insgesamt 50 Vereine, bei denen das Böller-Schießen zum Programm gehört. Zu Unfällen kam es bislang nicht, was für die Gewissenhaftigkeit der Schützen spricht. Der Böllerschütze muss jeweils sicherstellen, das der Zündmechanismus funktioniert. Erst dann kann er abfeuern. Dazu gehört das Füllen der Kartusche, oder das Laden des Hand-Böllers. Beim Abfeuern entsteht eine Entzündungs-Temperatur von 300 und eine Verbrennungstemperatur 2500 Grad. Alle fünf Jahre ist ein "amtlicher Beschuss" nachzuweisen. Diese Prüfung wird nicht nur auf dem Papier festgehalten, sondern auch auf der Kanone eingeschlagen. Der nächste Kanonen -TÜV in Neustadt ist im Juli 2016 fällig.

Die Geschichte des Böllerschießen lässt sich bis in das 14. und 15. Jahrhundert zurückverfolgen, wenngleich Chroniken rar sind. Das liegt daran, dass das Böllerschießen nicht als eigenständiger Brauch betrachtet werden kann, sondern sich mit vielerlei anderen Traditionen entwickelt hat. Allein in Bayern gibt es etwa 500 einschlägige Vereine mit rund 6000 Schützen. Bei den Böller-Geräten wird unterschieden zwischen Hand- und Stand-Böllern sowie Kanonen. Jeder Schuss ist zuvor bei der Polizei der anzumelden.

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