30.08.2014 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Günther Kulzer sammelt leidenschaftlich gerne Tennisschläger - 108 Stück im Keller Spiel, Satz, aufgehängt

Der Tennis-Boom der 70er und 80er Jahre, als Boris Becker und Steffi Graf die Massen begeisterten, ist längst vorbei. Die Attraktivität des weißen Sports nahm kontinuierlich ab. Heute dümpeln viele Tennisabteilungen diverser Sportvereine dahin. Was bleibt, ist die Erinnerung an volle Plätze und rauschende Feste. Bei Günther Kulzer, ein Tennis-Pionier in der Kreisstadt, brennt das Feuer noch. Er hat sich viele stumme Zeitzeugen an die Wand gehängt.

von Hans PremProfil

Der 70-jährige sammelt nämlich in seinem Sportkeller seit vielen Jahren Tennisschläger: "Aktuell habe ich 108 aufgehängt. Rekordverdächtig und eventuell eine Angelegenheit für's Guinness-Buch", meint der ehemalige Prokurist. Angefangen hat seine Sammelleidenschaft bereits in den 60er Jahren.

Mädchen für alles

Kulzer war Gründungsmitglied der DJK-Tennisabteilung, und von da an viele Jahrzehnte als "Mädchen für alles" in verschiedenen Funktionen tätig - vom Kassier bis zum Trainer. "Damals gründeten wir die Abteilung mit 350 Mitgliedern. Heute sind es wahrscheinlich nur mehr knapp über 100", schätzt er.

Man habe damals bei drei vorhandenen Courts schon etwas mogeln müssen, um überhaupt die Möglichkeit zum Spielen zu bekommen. Da habe man sich schon mal der Schilder Erkrankter oder Schwangerer bedient. Gerne erinnert er sich auch noch an die Zeit, als er wöchentlich die Hausfrauen trainierte, und das zum Nulltarif. Auch das gesellschaftliche Leben in der Abteilung brummte. Ein Problem war in der Anfangszeit die Beschaffung von Bällen, Schlägern und Sportkleidung zu möglichst günstigen Preisen. Allein die Bälle, die der Verein für die Punktespielrunde zur Verfügung stellen musste, schlugen mit hohen Summen zu Buche. So habe er Kontakte zu einer Großhandelsfirma in Sachen Tennisartikel im Bayerischen Wald geknüpft und so den Sportlern und dem Verein zu einer bezahlbaren Ausstattung verholfen. Durch Mundpropaganda habe er immer mehr Aufträge bekommen und abarbeiten müssen. Wenn Kulzer neue Schläger besorgt hatte, haben ihm die Käufer ihre alten Exemplare überlassen. Kulzer entwickelte eine Sammler-Leidenschaft.

Holz, Metall, Karbon

108 Stück sind es momentan, angefangen vom starren, schweren und verhältnismäßig kleinen Holzschläger aus den 60er Jahren, über das Metall-Racket, das sich nie durchgesetzt hat, bis zu vergleichsweise überdimensionierten Kunststoff- und Karbonschlägern aus heutiger Zeit. Darunter sind natürlich auch alle Top-Marken, vom Völkl Zebra, seinem Lieblingsschläger, bis zu Wilson und Prince.

Schöne Erinnerungen

An den Schlägern und vor allem ihre Besitzer hängen viele schöne Erinnerungen. Bezahlt hat der 70-Jährige für seine Schätze keinen Cent. Im Gegenteil: "Die Leute hatten einen neuen Schläger und waren froh, wenn sie ihr altes Exemplar bei mir lassen konnten." Obwohl er vor drei Jahren sein Racket aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen musste, freut er sich nach wie vor, wenn ihm die Neustädter ihre Schläger vorbei bringen.

Seiner Meinung nach ging vor Jahren der Trend vom Tennis hin zum Golfsport. Doch auch hier mache sich mittlerweile eine Stagnation breit. Kulzer mag übrigens auch Wandern und Klettern. Das macht er demnächst wieder in Österreich mit seiner Ehefrau Christa.

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