17.12.2004 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Hebammen finden keinen Gynäkologen - In Eschenbach ab Januar keine Entbindungen mehr Geburtshaus drohen Komplikationen

Mit hoher Wahrscheinlichkeit können Frauen ab Januar keine Kinder mehr in einem Kreiskrankenhaus zur Welt bringen. Das geplante Geburtshaus in Neustadt kommt offensichtlich nicht zustande, und die beiden Belegärzte am Eschenbacher Klinikum bieten Geburtshilfe nur noch bis 31. Dezember an.

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Hebamme Annett Arndt hat die Idee, das Geburtshaus als eigenes Unternehmen im Krankenhaus am Felixberg zu betreiben, noch nicht aufgegeben. Allerdings steht eine entscheidende Hürde im Weg. Es findet sich kein Gynäkologe, der mit den Frauen zusammenarbeitet und schnell verfügbar wäre, wenn es bei einer Entbindung Probleme geben sollte.

"Unter diesen Umständen können wir die Räume nicht vermieten", sagt Krankenhausverwalter Thomas Heizmann. "Sollte was passieren, fällt das auf das Krankenhaus zurück, auch wenn das Geburtshaus etwas ganz eigenständiges ist."

Pauschale für Bereitschaft

Arndt hat nur zum Teil Verständnis dafür, dass die Frauenärzte bisher abgewunken haben. Kein niedergelassener Gynäkologe könnte bei einem Notfall sofort seine Praxis verlassen und seine Patientinnen in der Sprechstunde sitzen lassen. Andere Probleme hätten die Hebammen dagegen im Vorfeld aus dem Weg geräumt. Die hohe Haftpflichtversicherung für Ärzte von 4500 Euro Minimum im Jahr würden sie durch eine Bereitschaftspauschale von 375 Euro pro Monat abdecken.

Tagsüber ist weiterhin die gynäkologische Abteilung am Neustädter Krankenhaus, die einen ausgezeichneten Ruf genießt, voll einsatzfähig. Aber deren Ärzte unterstehen im künftigen Klinikverbund dem Haus in Weiden. Und dessen Vorstand Josef Götz stellt seine Spezialisten nicht zur Verfügung. "Er hat nein gesagt, weil er Konkurrenz fürchtet", seufzt Arndt.

Die Hebammen klammern sich an einen neuen Strohhalm, der in Eschenbach steht. Dort nehmen die Belegärzte Dr. Heinrich Ponnath und Dr. Dieter Pollak ab dem neuen Jahr keine Entbindungen am Krankenhaus mehr vor. Die Praxisärzte verfügen über zwölf Betten, machen aber mit allen anderen gynäkologischen Aufgaben wie Geburtsvorsorge oder -nachsorge sowie Operationen in der Klinik weiter.

"Der Landkreis erfüllt nicht mehr die Voraussetzungen", erklärt Ponnath. Das wäre eine 24-Stunden-Anästhesiebereitschaft, auf der er und sein Kollege bestehen. "Es muss rund um die Uhr in 20 Minuten eine Narkose möglich sein." Ein weiterer Aspekt sei der Geburtenrückgang. Vor drei Jahren kamen in Eschenbach noch 300 Babys zur Welt, 2004 werden es etwa 220 werden. Auch der Bau der amerikanischen New Town macht Ponnath in dieser Hinsicht wenig Hoffnung.

Er beteuert, dass eine hohe Haftpflichtversicherung nichts mit der Entscheidung der beiden Gynäkologen zu tun habe. Auch die Tatsache, dass zum 1. April eine neuer EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab), der Honorarkatalog für ärztliche Leistungen in Kraft tritt und in vielen Fällen deutlich niedrigere Vergütungen vorsieht, spiele keine Rolle.

Andere Gründe vermutet

Heizmann vermutet bei Ponnath und Pollak jedoch andere Gründe. Für die 24-Stunden-Anästhesiebereitschaft hätte der Kreis einen zusätzlichen Arzt einstellen und die Bereitschaftszeit verlängern müssen. "Das hätte zwar mehr gekostet, wir haben aber gesagt, dass das Haus so etwas noch trägt, wenn nur die Geburtshilfe bleibt", betont der Verwaltungsmann.

Damit sind voraussichtlich in gut zwei Wochen werdende Mütter aus dem Landkreis darauf angewiesen, ihre Kinder in Weiden oder Tirschenreuth zu gebären. Heizmann betont, dass der Klinikverbund in der Nordoberpfalz qualitativ sehr leistungsfähig sei. Einige Frauen aus dem westlichen Landkreis sind bereits jetzt ins Krankenhaus in Pegnitz ausgewichen.

Dort würde eventuell auch eine der zwei Eschenbacher Hebammen unterkommen. Eine andere verfolgt mit Arndt weiterhin das Projekt Geburtshaus. Zwei der vier Neustädter Geburtshelferinnen arbeiten inzwischen im Klinikum Weiden. Arndt selbst legt als Beleghebamme im Krankenhaus Tirschenreuth mit Hand an.

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