12.10.2006 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Marmorierte Grundel könnte bald Naab und Pfreimd erreichen - Unabsehbare Folgen für das ... Unerwünschter Immigrant unter Wasser

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Einwanderer machen nicht nur Zuwanderungskommissionen und Grenzpolizisten zu schaffen. Anglern, Teichwirten und Biologen bereiten Fische mit Migrationshintergrund Kopfzerbrechen, die wahrscheinlich bald schon in Waldnaab, Pfreimd und Schwarzach Reviere reklamieren werden.

Laichräuber?

Dort könnte sich in einigen Monaten die marmorierte Grundel (Proterorhinus marmoratus) aus dem Schwarzmeer-Raum ausbreiten - mit unkalkulierbaren Folgen für das Ökosystem der Flüsse. Das bis zu elf Zentimeter lange Fischlein sieht der heimischen Mühlkoppe ähnlich, steht aber im Verdacht ein aggressiver Laichräuber zu sein. In der Donau bei Regensburg und im Main ist die Grundel schon heimisch geworden. Wahrscheinlich in den vergangenen drei bis vier Jahren. Vermutlich haben Donauschiffe den Eindringling oder seinen Laich mit Ballastwasser aus Osteuropa flussaufwärts transportiert.

In der südlichen Oberpfalz hört man bereits Klagen von Fischereivereinen, dass die Grundel ihre Bestände dezimiert. Unter anderem ist von einem Massenaufkommen an der Staustufe Geisling bei Pfatter die Rede. In den Donauzuflüssen der nördlichen Oberpfalz ging noch keine Grundel an die Angel. Einerseits dürften Wehre und andere Hindernisse den Vormarsch der Tiere aufhalten, andererseits ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Grundeln Fischaufstiege auch Richtung Norden nutzen. Genaueres über die Invasoren mit den überdimensionierten Brustflossen und dem großen Maul soll ein Fisch-Monitoring im nächsten Jahr bringen. Dazu sollen gemäß der EU-Wasserrichtlinie europaweit gezielte Befischungen beitragen. Das Artenvorkommen soll dabei Auskunft über die Wasserqualität geben.

Nicht zurücksetzen

Nebenbei hofft Dr. Thomas Ring, der Fachberater für Fischerei beim Bezirk, auch Genaueres über die Verbreitung der Grundel zu erfahren. "Sie könnte eine ökologische Nische besetzen." Er denkt allerdings nicht, dass sie heimische Arten verdrängt.

Das Problem dabei: Selbst erfahrene Angler verwechseln die Grundel bisweilen mit der Mühlkoppe, die als Speisefisch nicht in Frage kommt und meist wieder ins Gewässer zurückgesetzt wird. Im Fall der Grundel raten Experten, den Fisch rigoros zu entnehmen. Denn ob Raubfische wie Hecht, Zander und Waller den Exoten auf ihre Weise in ökologische Schranken weisen, ist bislang noch ungeklärt.

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