01.03.2005 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Nur zwei bis drei Standorte bleiben im Landkreis-Osten übrig - Landrat drängt auf gemeinsame ... Einige Hauptschulen fallen durch

Erst Hausaufgaben erledigen, dann gut vorbereitet in die Prüfung gehen, um am Ende ja nicht sitzen zu bleiben. Ein Prinzip, das jedem Mittelstufenschüler klar ist, legte Landrat Simon Wittmann den Bürgermeistern und Rektoren aus neun Hauptschulstandorten im Landkreis-Osten ans Herz.

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Im konkreten Fall geht es um die Umsetzung eines Landtagsbeschlusses vom 22. Juli 2004. Er besagt, dass es bald keine Teilhauptschulen I (fünfte und sechste Klasse) mehr geben soll, sondern nur noch reine Grundschulen und Hauptschulen mit den Klassen eins bis vier beziehungsweise fünf bis neun oder mit M-Zug zehn.

Dadurch sind etliche Gemeinden als Hauptschulstandorte bedroht. Eltern und Kommunalpolitiker fürchten bei einer Abwertung ihrer Teilhauptschule I zur reinen Grundschule längere Fahrzeiten für ihre Kinder und einen Imageverlust ihres Ortes.

Noch drei Jahre Zeit

Die Regierung der Oberpfalz drängte darauf, diese Anordnung aus dem Kultusministerium bereits zum 1. August dieses Jahres umzusetzen. "Das ist jetzt vom Tisch, aber in drei bis vier Jahren müssen wir darauf vorbereitet sein", sagt Wittmann, nachdem er mit Vertretern der Regierung in Regensburg gesprochen hat.

"Die Hauptschulen sollten zumindest so lange bleiben, so lange damit keine Lehrer eingespart werden können." Mit diesem Argument gegen eine schnelle Auflösung erreichte der Landkreischef in Regensburg einen Aufschub.

Alles ist aber von der Entwicklung der Schülerzahlen abhängig. "Daher kann alles, was wir heute besprechen, morgen schon wieder leere Luft sein", dämpft Wittmann allzu große Befürchtungen, aber auch Erwartungen.

Mit den Schulleitern und Bürgermeistern sowie Vertretern des Staatlichen Schulamts hat er sich deshalb Gedanken gemacht, wie die Verluste möglichst gering gehalten werden können. "Wenn wir an einem Strang ziehen, haben wir die Chance, dass wir drei Hauptschulen im östlichen Landkreis vielleicht sogar zweizügig halten können." Dazu müsse jetzt aber die Diskussion in den Gemeinderäten beginnen.

Erste Gedankenspiele sehen drei Schwerpunkte vor. Der erste umfasst eine Hauptschule für den Bereich Eslarn, Moosbach und Tännesberg. Eine weitere Schule könnte die Kinder aufnehmen, die in Pleystein, Georgenberg und Waidhaus die Bank drücken. Eine dritte Zusammenfassung biete sich mit Leuchtenberg, Waldthurn und Vohenstrauß an.

Wo jeweils eine große Hauptschule entsteht und wo nur mehr eine Grundschule übrig bleibt, sollen die Kommunalpolitiker unter sich ausmachen. Sollten sie es nicht tun, warnt Wittmann vor den Folgen: "Dann droht eine Riesenhauptschule, und alle zwischen Waldthurn und Tännesberg treffen sich in Vohenstrauß." Bleiben Einigungen aus, wirkt auch das Gerangel um den Hauptschulstandort zwischen Mantel und Weiherhammer abschreckend. Dort hat die Bezirksregierung nach einer zum Teil giftigen Diskussion in einem Anhörungsverfahren entschieden.

Schülerzahlen entscheiden

Das A und O bleiben aber die Schülerzahlen. Aus diesem Grund haben wohl Tännesberg und Waidhaus als künftige Hauptschulstandorte schlechte Karten.

Leitender Schulamtsdirektor Engelbert Vollath ist vorsichtig. Möglicherweise bleiben im Osten auch nur zwei Hauptschulen. Es nütze wenig, wenn Schulen mit Ach und Krach überlebensfähig seien, ihr Angebot aber darunter leide. "Wir dürfen das Wohl der Kinder nicht aus den Augen verlieren."

Der aktuelle Durchschnitt pro bayerische Schulklasse beträgt 23 Kinder. Jedes Zimmer, in dem weniger Mädchen und Buben sitzen, kostet der Schule Budget. Sie könnte im Extremfall dann gerade mal die Pflichtfächer ausfüllen, aber keinen Wahlunterricht anbieten. Schulorchester, Theatergruppen, Schulgarten-Arbeitsgemeinschaften oder Mannschaftssportarten stünden somit vor dem Aus. Auch dieses Szenario sollte in Rathäusern vor übertriebenem Kirchturmdenken schützen.

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