Reinhard Hübner kümmert sich im Auftrag der Stadt um weit mehr als Einkäufe für Senioren
Traumjob auf dem E-Bike

Reinhard Hübner belädt seinen Anhänger mit Einkäufen, die er den Senioren mit dem E-Bike nach Hause bringt. Bild: Götz

"Eine Henne habe ich auch schon gefangen", schmunzelt Reinhard Hübner. Der gelernte Konditor personifiziert seit vier Jahren die Kleine Städtische Hilfe (KSH). Oft schon ab 7.30 Uhr flitzt er mit dem Elektrorad samt Anhänger durch die Stadt. "Für mich ist das der Traumjob."

Von einem ganz tollen Projekt spricht Bürgermeister Rupert Troppmann. "Die Kleine Städtische Hilfe erlaubt es älteren Menschen, länger in ihrer Wohnung zu bleiben." Hübner erledige die Aufgabe mit Leidenschaft. Mit seinem E-Bike sei der Profilieferant mittlerweile mehr als 50 000 Kilometer durch die Stadt gefahren.

Troppmann und Hübner hoffen auf ein neues Rad. Das erste hatte die Eon gesponsert. Für den Rathauschef hat der Einsatz des Elektrorades auch einen ökologischen Aspekt mit Vorbildcharakter. "Damit ist man in unserer bergigen Stadt ohne Auto gut unterwegs."

Milch, Toilettenpapier, Sauerbraten, Joghurt - Hübner notiert auf seinen Einkaufszetteln die Wünsche der Senioren. Bei manchen weiß er schon im Voraus, was sie wollen. "Meist sagen sie mir, wenn ich vorbeikomme, was ich beim nächsten Mal mitbringen soll." Einige rufen auch an.

Schnee bremst Lieferanten

Das meiste erledigt er in den beiden Lebensmittelmärkten der Kreisstadt. "Ich gehe dahin, wohin die Leute wollen." Mit Roland Kraft redete Hübner gerne mal kurz über Fußball. "Stefan Legat kennt mich auch gut." Mit ihm gibt es eine Absprache, dass er bei Sonderangeboten auch mal mehr als die haushaltsübliche Menge in seinen Anhänger packen darf. "Ich kaufe es ja nicht für mich, sondern für viele Leute."

Im Winter dient ihm die eigene Wohnung in der Felixallee als kleines Warenlager. "Bei Schnee kann ich mit dem Hänger am Rad nicht so gut fahren." Dann liefert er seine Bestellungen zur Not zu Fuß aus. Hübner geht für Neustädter, die selbst nicht mobil sind, auch mal in die Bücherei oder zur Bank, holt beim Arzt Rezepte und in der Apotheke Medikamente. Außerdem hilft er bei Behördengängen.

Pro Tag kümmert er sich um 15 bis 20 Leute. Insgesamt umfasst seine Liste 140 Menschen, denen er bereits unentgeltlich geholfen hat. Zwei Drittel sind Frauen, die Älteste feiert nächste Woche 99. Geburtstag. "Ich backe ihr eine Torte zum Geburtstag." Einen Kuchen bekommen alle seine Klienten von Hübner, der bis zum Niedergang der Porzellan- und Glasindustrie in Windischeschenbach das Stadtcafé betrieben hat.

Urlaub kennt der 54-Jährige so gut wie nicht. Krank war er in den vier Jahren bis auf einen Radlunfall während seiner Touren nie. "Und wenn ich beim Preisschafkopf mal eine Reise für drei Tage nach München oder Berlin gewinne, habe ich alles organisiert. Meine Leute bekommen ihre Sachen, wenn ich nicht da bin." Eine Freundin unterstütze ihn hin und wieder mit dem Auto, wenn zu viele Getränkekästen auf seinen Bestellzetteln stehen.

Fliegende Scheine

In einem Schlafzimmer flogen Hübner einmal 20 000 Euro entgegen, als er einer Seniorin Unterwäsche ins Krankenhaus bringen sollte. "Ich hatte den Schlüssel für die Wohnung, habe den Schrank aufgemacht, da lag das Geld schon am Boden." Für die betagte Dame war das kein Thema. Auch nicht, dass Hübner ihr von dem Versteck abriet. "Ich weiß von dem Geld, und sie wissen von dem Geld, sonst niemand", habe die mittlerweile verstorbene Frau ihm entgegnet und die Scheine im Schrank gelassen.

Die Arbeit für lediglich zwei Klienten hat Hübner bisher in Absprache mit der Stadt abgelehnt. Einem habe er Medikamente mitgebracht, die dieser aber nie zahlen wollte. "Einer anderen hätte ich das ganze Haus richten sollen." Dabei hilft der Allrounder gerne auch, wenn es mal darum geht, eine Hecke zu schneiden, das Katzenklo sauber zu machen sowie Holz und Kohlen aus dem Keller in die Wohnung zu schleppen.

Mit dem Warenangebot in der Kreisstadt ist der Profi-Einkäufer zufrieden. Spontan fallen ihm lediglich Schrauben und Nägel, Farbe sowie CO2-Kartuschen für Wasserspender ein, die er hier nicht bekommt.

Wunsch nach Festanstellung

Bezahlt werden Hübners Dienste von Stadt und Arbeitsagentur. Bürgermeister Troppmann nennt ihn anerkennend einen "Streetworker für Senioren", weil er neben den Besorgungen immer ein offenes Ohr für alle habe. Hübner selbst hat die Hoffnung auf ein neues Rad und einen Wunsch: "dass mich die Stadt fest anstellt - denn gesund bin ich ja."
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