21.09.2006 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Rind- und Schweinefleisch kosten immer mehr, aber Metzger und Bauern haben wenig davon Preise setzen kräftig Speck an

Ein Wirtshaus in Oberviechtach: Der Gast hätte gern das Rumpsteak auf der Karte für 14,50 Euro. Die Bedienung entschuldigt sich: "Das haben wir momentan nicht. Der Chef sagt, dass er Rindfleisch zurzeit so teuer einkaufen müsste, dass wir es nicht zu diesem Preis anbieten könnten."

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Statistik scheint den Gastronomen zu bestätigen. "Der Rindfleischpreis steigt weltweit von 1990 bis 2010 um zirka 40 Prozent", zitiert BBV-Kreisobmann Erich Schieder aus einer Studie des Bayerischen Bauernverbands.

Landwirten kann das nur recht sein, der Verbraucher in der Metzgerei muss dagegen für Qualitätsware von Rind und Schwein immer tiefer in die Tasche greifen. Ausnahmsweise unschuldig daran ist der Euro, den einige Glücksritter im Lebensmittelhandel bei seiner Einführung als Vorwand für eine saftige Preiserhöhung genutzt haben.

"Der Fachhändler selbst ist alles andere als ein Abkassierer", sagt Metzger Konrad Bergler aus Waldthurn. "Hinter guter Ware darfst du herrennen. Wir haben halt hohe Einkaufspreise, weil es immer weniger Bauern gibt."

Biogas statt Tiere

In der Tat haben in den letzten beiden Jahrzehnten immer mehr Rinderhalter aufgegeben. In Bayern gab es 1980 noch fünf Millionen Tiere, 2005 nur noch 3,5 Millionen, rechnet der Bauernverband vor. "Seit zwei bis drei Jahren haben wir in der EU eine Versorgung von unter 100 Prozent bei Rindfleisch", sagt Alois Weig aus Ottenrieth. Seit Bullenmäster ohne Subventionen auskommen müssen, würden immer mehr Landwirte auf Biogasanlagen umsteigen und auf Tierhaltung verzichten, erklärt der Bezirksvorsitzende der Erzeugergemeinschaft für Schlachtvieh (ESO).

"Wenn das Rindfleisch teurer wird, kommt bei Metzgern auch mehr Schwein in die Wurst", vermutet Weig. Doch gerade dafür haben die Preise kräftig angezogen, erklärt Johann Guber: "Schweinefleisch ist im letzten Vierteljahr um 30 Prozent gestiegen. Das hängt mit Angebot und Nachfrage zusammen." Unter anderem sei während der heißen Tage im Juni und Juli Grillfleisch besonders begehrt gewesen. Im Herbst komme aber möglicherweise wieder mehr auf den Markt, meint der Manteler Metzger.

Jahrelang Schleuderpreise

Weig warnt indes vor Illusionen: "Fleisch wird nicht billiger werden. Ich glaube allerdings, dass bei Schwein die Obergrenze erreicht ist." Wohlgemerkt bei Qualitätsware. Bergler oder Guber verstehen darunter 14 Tage abgehängten Rinderbraten aus dem Bullenschlegel. Beide verlangen für das Kilo etwa neun Euro. Beim Discounter gibt es den Braten für die Hälfte. "Das ist Hochrück von weiblichen Tieren", erläutert Guber. Supermärkte böten ferner auch Hals zum Braten an. "Das ist für uns Wurstfleisch", sagt der Manteler. Der Verbraucher kann den Unterschied in der Backröhre sehen. Gute Metzgerware schrumpft nicht um die Hälfte.

Dieses Wissen muss in die Köpfe. "Es war falsch, dass Fleisch in den 90er-Jahren Schleuderware war", erkennt Bergler bereits ein Umdenken. Bis zu vier Euro für das Kilo Schlachtgewicht erlösten Bullenzüchter Ende der 80er-Jahre. Durch die BSE-Krise sank der Preis auf 2,60 Euro. Jetzt pendelt er sich nach BBV-Angaben wieder bei rund 2,90 Euro ein.

"Zurzeit werden Sie keinen Bauern lamentieren hören", sagt Bergler. Er gönnt es den Landwirten. "Die Rinder- und Schweinepreise gleichen nur die Verluste beim Getreide aus", betont Weig.

Ein anderer Grund für das jetzige Preisniveau ist die starke Nachfrage auf dem Weltmarkt. In Ländern, in denen der Wohlstand steigt, etwa China oder Brasilien, wächst auch der Appetit auf Fleisch. In Japan werden wenig Schweine gezüchtet, aber gerne gegessen. Muslimische Länder, wo vor allem Geflügel beliebt ist, verlangen seit dem Vogelgrippenalarm Ende 2005 vermehrt Rindfleisch.

Für Gerhard Riebel ist dies alles kein Grund, in der Gastronomie an den Preisen zu drehen. Im Gegensatz zu seinem Oberviechtacher Kollegen hält der Etzenrichter Wirt die Fleischpreise für realistisch und konstant. Dazu genüge ein Blick in die Bücher seines Vaters. Ein Kilogramm unpariertes, also nicht zugeschnittenes Roastbeef kostete 1981 18,80 Mark im Einkauf. Heute zahlt Riebel dafür am Schlachthof zehn Euro. "Wenn ich mir andere Sachen so anschaue, ist das ja fast ein Rückgang. Da haben die Metzger ganz schön zu kämpfen."

Davon kann Bergler ein Lied singen: "Wenn ich selber schlachte, kostet mich ein Rind für Fleischbeschau, Entsorgung und Tierarzt 120 Euro. Vor zehn Jahren waren das vielleicht 120 Mark." Billiger sei hochwertige Qualität kaum zu bekommen. Außer für Trickser. Und die machen zurzeit mit dem Thema Gammelfleisch Schlagzeilen.

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