09.09.2013 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Sara Corazza betreibt noch mit 80 Jahren ihre Eisdiele in der Unteren Vorstadt - Seit 1967 in ... Eis ist ihre große Leidenschaft

Eis herzustellen, ist für Sara Corazza kein Beruf, sondern Berufung und Passion. Dabei steht die Qualität an erster Stelle. Das schätzen auch ihre Kunden seit nunmehr 46 Jahren. Es grenzt fast schon an Sucht, wie sie sich selbst eingesteht, dass sie sich nach der Winterpause in den italienischen Dolomiten im Frühjahr immer wieder dazu entschließt, ihre Eisdiele in der Kreisstadt zu öffnen.

Sara Corazza betreibt seit 46 Jahren ihre Eisdiele in der Kreisstadt und kehrt auch mit 80 Jahren jedes Jahr im Frühjahr nach der Winterpause im Heimatort Forno di Zoldo in die Oberpfalz zurück. Seit sechs Jahren steht ihr Camillo Pellegrin zur Seite, der die gleiche Leidenschaft zur Eisherstellung wie seine Chefin an den Tag legt. Bild: prh
von Hans PremProfil

Und das, obwohl sie heuer am 4. Januar 80. Geburtstag feierte. "Den haben wir vor gut vier Wochen im Innenhof meines Hauses in der Unteren Vorstadt mit meinen Kindern, Freunden, Nachbarn und Kunden nachgeholt. Das Fest haben meine Freunde und Kunden aus Neustadt organisiert", erzählt die immer gut aufgelegte Italienerin. Sogar der junge Bürgermeister aus ihrem Heimatort sei gekommen.

Dieser Umstand sagt vieles über ihren Kundenstamm aus. Es sind treue Kunden, die seit Jahrzehnten nicht nur die Qualität ihres Eises schätzen, sondern auch die Unterhaltungen und die netten Worte, für die Sara Corazza sich immer Zeit nimmt. Letztlich sind es auch ihre Neustädter, die sie Jahr für Jahr dazu bewegen, nach der Winterpause in die Oberpfalz hinter den Tresen ihrer geliebten Eisdiele zurückzukehren.

Das Eismachen wurde ihr bereits in die Wiege gelegt. Sie stammt aus einer Eismacher-Dynastie aus Forno di Zoldo, einem Dorf in den Dolomiten, aus dem auch viele andere Eismacherfamilien stammen. Großvater Antonio Arnoldo betrieb um die Jahrhundertwende eine Eisdiele in Wien. Vater Arnoldo Arnoldo verkaufte seine Leckereien am Comer See.

1957 nach Deutschland

1957 machte sich die Familie auf nach Deutschland. Gemeinsam mit dem Bruder und den Eltern kam Sara zuerst nach Marktredwitz. 1959 heiratete sie Ezio Corazza, der ebenfalls aus einer Eisdielen-Dynastie stammte. Als auch der Bruder heiratete, wurde es im Familienbetrieb langsam eng. 1960 kam Tochter Renata zur Welt, und 1967 eröffnete die junge Familie auf einen Tipp hin die Eisdiele Corazza in der Unteren Vorstadt. "In Neustadt fühlten wir uns von Anfang an wohl", gesteht die elegante Dame mit dem graumelierten Haar, die man sich ohne ihre Schürze so gar nicht vorstellen kann.

1987 erwarb die Familie, die in der Zwischenzeit mit Sohn Sisto weiteren Zuwachs bekommen hatte, das Haus mit der Eisdiele. 1999 starb Ehemann Ezio, ein schwerer Schlag für Sara Corazza. Doch sie gab nicht auf und machte alleine weiter. Ihre beiden Kinder gingen aus dem Haus, eröffneten eigene Betriebe. "Die haben sie aber im letzten Jahr aufgegeben und sind wieder nach Italien gegangen. Sisto arbeitet nun in der Holzindustrie und wohnt im Heimatort im renovierten Geburtshaus seines Vaters. Renata ging mit ihrer Familie zurück, weil die beiden Kinder in die Schule kamen".
Am besten schmeckt Sara Corazza Milcheis, Sorten wie Nuss und Schokolade. Sie liebt aber auch Himbeereis und trinkt hin und wieder gerne ein Gläschen Campari. "Im Grunde hat sich in den Jahren der Geschmack der Kunden nicht wesentlich verändert. Traditionelle Sorten wie Mallaga, Straciatella oder Vanille werden nach wie vor gewünscht." Sie bleibt aber mit der Eisproduktion nicht stehen und ersinnt immer wieder Neues, wie etwa Feigeneis.

Seit sechs Jahren steht ihr Camillo Pellegrin aus Conegliano zur Seite. Die beiden haben oft die gleichen Ideen und die gleiche Leidenschaft zur Eisherstellung. "Ich suchte damals einen Job und Frau Corazza Personal", erzählt der 61-Jährige.

"Meine geliebten Berge"

In die Zukunft sieht Sara Corazza gelassen. Im November wird sie ihre Zelte in Neustadt wieder abbrechen und in die Dolomiten zu ihren Kindern zurückkehren. "Einen Strand habe ich nie gebraucht", sagt sie, nur ihre geliebten Berge. "So lange ich gesund bleibe, werde ich immer wieder nach Neustadt kommen, auch mit 90 Jahren noch." Die Kreisstadt ist längst zu ihrer zweiten Heimat geworden.

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