28.01.2004 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Tüftler Max Seidl erfindet in seiner Werkstatt ungewöhnliche Alltagsgegenstände - Patente zu ...: Ärger die schönste Motivation

Ärger macht den Neustädter besonders erfinderisch. Dann zieht sich Max Seidl in seine hervorragend sortierte Werkstatt im Keller des Anwesens am Klauberg zurück und denkt nach. Die ungewöhnlichsten Dinge hat er dabei schon entwickelt, meist allerdings nur für den Eigenbedarf. "Patentanmeldungen sind einfach zu teuer", erzählt er.

von Hans PremProfil

Seit der gelernte Elektriker 1984 in Rente ist, tüftelt er ständig an Lösungen für die verschiedensten Alltagsprobleme. Von der einfachen Diebstahlsicherung an Türen über einen dreibeinigen Hocker, der gleichzeitig als Spazierstock dient sowie einen höhen- und neigungsverstellbaren stabilen Eisenbock bis hin zu einem Kerzenleuchter, bei dem man die Kerze spiralförmig aus der Halterung drehen kann, erstrecken sich seine Erfindungen. Auch für die Stadt war er bereits tätig. Als die Mülltrennung und das Sammeln von Weißblech begann, hat er für den Bauhof eine Dosenquetschmaschine erfunden, um den Platz im Container besser auszulasten. Lange Zeit tat die "Seidl-Quetsche" gute Dienste. "Ich bastle an so ziemlich allem rum, was mir im Alltag eine Erleichterung bringen könnte", erzählt er.

Über Tuben geärgert

Seine bislang letzte Entwicklung ist eine universal einsetzbare Tubenklammer. Unzählige Male hatte sich Seidl über Tuben geärgert, deren Inhalt bei Gebrauch immer wieder zurückläuft und so mühsam herausgepresst werden muss. "Mit meiner Erfindung kann ich nun auch den letzten Tropfen Inhalt heraus holen", strahlt Neustadts "Daniel Düsentrieb".

Vor allem halb volle Zahnpastatuben waren für die Erfindung ausschlaggebend. Der 80-Jährige hat aus Edelstahlstücken mit der Biegezange Klammern geformt, die er vor dem eingerollten Teil der Tube befestigt. So wird ein Zurückfließen des Inhalts oder das Wiederaufrollen verhindert. "Im Prinzip funktioniert meine Erfindung wie eine Büroklammer. Nur ist die Tubenklammer wesentlich breiter und hat viel mehr Spannung", klärt er auf.

Zum Patent will er seine neueste Erfindung allerdings nicht anmelden. "Damit habe ich vor Jahren schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht", erzählt er. Der Rentner erfand damals eine Schneeschaufel, an deren Stiel mittels Seilzug die Richtung eingestellt werden konnte, in die der Schnee geräumt werden sollte. Das Prinzip hatte er bei den Räumschilden an Winterdienstfahrzeugen abgeschaut. Seidl zog Erkundigungen zur Patentanmeldung ein und ließ detaillierte Zeichnungen seiner Erfindung anfertigen. "Doch dann hätte ich mir noch einen Patentanwalt nehmen müssen, irgendwann kam mir die Sache zu teuer", erinnert er sich. Er trat dafür dem Erfinderverein "Kleiner Mann" mit Sitz in Eschenbach bei. Dort erhielt der Hobbybastler hin und wieder Hilfestellung.

Lediglich auf einem Bohrfutterschlüssel, mit dem der Bohrkopf wie mit einer Kurbel im Schnellgang erweitert und verengt werden kann, hat er zumindest einen Gebrauchsmusterschutz angemeldet.

Kupfer und Stahl

Seidls Vorliebe gilt Arbeiten mit Kupfer und Stahl. Daraus fertigt er auch Schriften an, darunter im vergangenen Jahr eine Arbeit für die Kapelle nahe Denkenreuth. Da ihm Flurdenkmäler besonders am Herzen liegen, hat er vor kurzem für ein Feldkreuz bei Denkenreuth einen Kerzenleuchter aus Kupfer mit zwei angebauten kleinen Vasen für Blumen konstruiert.

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