Walter Fritsch hält auch ein Stück persönliche Neustädter Geschichte in einem Büchlein fest
Pflasterstein löst Gewitter aus

"Erzählen geht zum einen Ohr rein und zum anderen raus", meint Walter Fritsch. Um die Erinnerungen an seine Kindheit in der Fröschau zu erhalten, hat Walter Fritsch ein Büchlein geschrieben. Den Einband ziert ein Bild des Hauses der Großeltern. Bild: bgm

Eigentlich ist es Walter Fritsch gar nicht recht, dass das Büchlein "Neustadt an der Waldnaab. Die Fröschau, damals..." an die breite Öffentlichkeit gelangt ist. Ursprünglich war es nur als Erinnerung für die drei Söhne und die acht Enkel gedacht.

Fritsch will sich aber der Nachfrage nicht versperren. Ihm ist es ein Herzensanliegen, die vergangenen Zeiten für die Nachwelt zu erhalten. Bei der Lektüre klingt heraus, dass es dem Autor um so manches abgerissene Bauwerk leid tut. Etwa um das altertümliche Gebäude mit dem Stadttor am Ende der Fröschau, durch dessen Tor man in den Doktorhof gelangte, "der heute ein Ensemble altertümlichen Bauens sein könnte. Es fiel aber leider alles der Spitzhacke zum Opfer", schreibt der Neustädter.

Fritsch hält auch die Benennung des Fußwegs hinter dem früheren Parkhaus als "Nachtwächtersteig" für unglücklich. Es sei doch immer als "Schlösslschousta-Gassl" bekannt gewesen. Doch Wehklagen ist nicht die Grundstimmung des Büchleins. Vielmehr präsentiert der ehemalige Storchenbeauftragte auch urkomische Anekdoten und Neustädter Lausbubengeschichten.

Dem jungen Walter zum Beispiel erklärten die Erwachsenen, das Gewitter oft von wild umherfliegenden "Schnougn"-Schwärmen angekündigt würden. Kaum hatte er einen solchen Mückenschwarm wahrgenommen, erwachte auch schon die Jagdleidenschaft des späteren Kriminalpolizeibeamten.

Lausbubenstreiche

Als Stockschläge, Sand und Schotter die Plagegeister nicht vertrieben, griff er zu schwererem Geschütz. Vor lauter Jagdfieber vergaß der Bub die Richtungsbestimmung, als er einen Pflasterstein in den Schnaken-Haufen schleuderte. Als der Stein in der guten Stube der Großeltern landete, gab es ein Gewitter, "allerdings ein ganz anderes, als ich es mir vorgestellt hatte." Schilderungen von Schlittenabfahrten, Lausbubenstreichen oder der findigen Idee des Autors, um das großväterliche Apfelpflückverbot zu umgehen und Beschreibungen des Alltags, lassen die 40er und 5 0er Jahre bildlich vor Augen erscheinen.

Die Anwohner gliederten sich damals in die sogenannten "Bürger", also die alteingesessenen Neustädter. Wegen der angeschlossenen, kleinen Landwirtschaften wurden sie mehr oder weniger schmeichelnd als "Kouhpritscher" bezeichnet.

Die zweite Gruppe waren die Glasfacharbeiter, die sich um die Jahrhundertwende in der Fröschau ansiedelten. Die Bezeichnung des Ortsteils geht auf die entlang der Floß gelegenen Feuchtwiesen zurück, in denen sich zahlreiche Amphibien wohlfühlten. "Erinnerlich ist noch immer das monotone Gequake der Frösche in den Abendstunden mit einer einschläfernden Wirkung für uns Kinder beim Zubettgehen", schreibt Fritsch in seinem Buch.

Natürlich erfährt man auch allerhand über die einzelnen Häuser und ihre Bewohner, Hausnamen, das Schwarzschlachten, die schweißtreibende Kartoffelernte, die während des Krieges nicht selten von Tieffliegern gestört wurde oder das Brotbacken im Ortsteilbackofen. Das Werk ist ein Zeitdokument, das seinen Platz neben der Neustädter Stadtchronik im Bücherregal verdient hat.
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