26.08.2014 - 00:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Zehn Damen nehmen Maß für Oberpfälzer Gewand - Wartelisten für Trachtennähkurse Mit neuem Dirndl auf die Bühne

Bis vor ein paar Jahren wurden Menschen, die Tracht trugen, nur müde als Vergangenheitsfanatiker und Traditionsfreaks vor allem von der jüngeren Generation belächelt. Heute liegt die Tracht voll im Trend. Für Nähkurse existieren Wartelisten.

Edeltraud Wild (Dritte von links) nimmt Ramona Gleißner aus Botzersreuth das Maß für die Trachten ab, die die Damen selbst nähen werden. Die Kurse wurden auf Initiative von Maria Enslein (Zweite von links), der Vorsitzenden des Neustädter Trachtenvereins, vor über zehn Jahren ins Leben gerufen. Sie sieht ihrer Zwillingsschwester Ursula Ruhland (links), die zu Besuch aus Sontra (Hessen) gekommen ist, zum Verwechseln ähnlich. Bild: prh
von Hans PremProfil

Es gibt kaum ein Fest oder eine Kirchweih, auf denen es nicht von Dirndln und Lederhosen wimmelt. Die vom Neustädter Heimat- und Trachtenverein organisierten Nähkurse sind schnell ausgebucht. Mit dem Maßnehmen startete in den Räumen des ehemaligen Bastelbedarfsgeschäfts von Maria Enslein ein neuer Lehrgang.

Zehn Teilnehmerinnen aus dem ganzen Landkreis waren gekommen, um sich von Edeltraud Wild aus Gaisthal bei Schönsee das Maßband umlegen zu lassen. Die Schneiderin ist seit vielen Jahren für den Oberpfälzer Trachtenbezirk zuständig und gibt seit über zehn Jahren bei den Nähkursen ihr Wissen weiter. "Die Initiative ging auf Enslein zurück", erinnert sie sich, während sie das Maßband um die Taille von Ramona Gleißner aus Botzersreuth schlingt.

Die Frauen könnten ohne große Vorkenntnisse ihre eigene, maßgeschneiderte Tracht fertigen. Das ist auch der Grund, warum Rita Raps aus Kastl bei Kemnath bereits zum zweiten Mal teilnimmt. "Ich fühle mich in meinem angefertigten Dirndl viel wohler als in einem von der Stange." Mittlerweile hat sie schon vier Stück gefertigt.

Manche Damen sind sich noch nicht ganz sicher, was auf sie an den drei Tagen im November zukommt. Silvia Götz aus Weiden will hier "etwas Neues ausprobieren". Für Karin Gollwitzer aus Neustadt steht das eigene Schneidern im Vordergrund, und die ein paar Meter weiter in der Unteren Vorstadt wohnende Stefanie Hierlmeier-Völkl legt Wert auf eine richtige, originale Oberpfälzer Tracht.

Von denen besitzt die Hausherrin Enslein bereits jede Menge. "Zu jeder Gelegenheit, ob zum Einkaufen, zu Arztgängen oder diversen Festivitäten kombiniere ich die verschiedenen Mieder, Röcke, Blusen und Schürzen."

An die Original-Oberpfälzer-Tracht sind auch einigermaßen strenge Maßstäbe gestellt. "Das Mieder hat einen markanten V-Ausschnitt, der Rock ist gestiftelt und muss Masskruglänge aufweisen", weiß Vronita Grünauer, die Jugendleiterin der Neustädter Trachtler. Das heißt nichts anderes, als dass der Rock nur so lang sein darf, dass man einen Masskrug darunter stellen kann, ohne dass er ihn berührt.

Nach dem Maßnehmen fahren die Frauen am 6. September zum Gredinger Trachtenmarkt, dem größten in Europa. Dort suchen sie sich ihre Stoffe aus. Maria Enslein verwendet daneben auch alte Bettwäsche oder Hemden ihres verstorbenen Mannes. Wild erledigt dann den Zuschnitt, so dass die Teilnehmerinnen gleich zu Beginn der drei Tage mit dem Nähen loslegen können.

"Grundkenntnisse im Nähen sind schon erforderlich", meint Wild. Das Interesse im ganzen Bezirk werde immer größer. "Wir haben für die Kurse mittlerweile Wartezeiten von bis zu zwei Jahren." Mit mehr als zehn Teilnehmern habe so ein Kurs keinen Sinn. Als an Ramona Gleißner die Maße abgenommen waren, verrät die Musikerin, dass sie sich ein Dirndl für ihre Auftritte im "Duo Eckert & Gleißner" nähen wird.

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