07.02.2018 - 12:02 Uhr
Neustadt an der Waldnaab

Jugendhilfe-Ausschuss segnet Haushalt 2018 ab Jugendhilfe in Spanien

Wie aufwendig Jugendhilfe sein kann, zeigt ein besonders krasser Fall: Ein junger Mensch hat schon viele Einrichtungen hinter sich, was aber nichts gefruchtet hat. Seit 2015 wird der oder die 17-Jährige nun in Spanien - in Deutschland gibt es diese Maßnahme nicht - ganz intensiv in Obhut genommen.

von Martin Staffe Kontakt Profil

Dieses Beispiel schilderte Jugendamtsleiter Klaus Egelseer am Dienstag in der Sitzung des Jugendhilfe-Ausschusses. Der oder die Heranwachsende hat in Spanien eine Bezugsperson für sich völlig allein. Diese 1:1-Betreuung kostet den Landkreis monatlich etwas mehr als 7000 Euro. Ziel ist es, dem Probanden zu einem Schulabschluss und dann in Deutschland zu einer Berufsausbildung zu verhelfen.

Im Mittelpunkt der Zusammenkunft standen aber viele Zahlen. Einmütig segnete das Gremium den Jugendhilfehaushalt 2018 ab. An den Kreistag geht die Empfehlung, diesen Etat so zu beschließen. Einnahmen von 3,6 Millionen Euro stehen Ausgaben von 11 Millionen gegenüber. Sehr erfreulich: Das sind fast 644 000 Euro weniger als im Vorjahr. Das Defizit beträgt 7,8 Millionen Euro.

Pflegeeltern Alternative

Die Kosten für stationäre Maßnahmen wie Heimerziehung oder sonstige betreute Wohnformen steigen nach Egelseers Worten minimal von 3,68 auf 3,76 Millionen Euro. Der durchschnittliche Tagessatz errechnete sich 2017 auf 169, der höchste auf 388 Euro. Zum Jahreswechsel befanden sich 66 (Vorjahr 70) Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auf Kosten des Landkreises in Einrichtungen oder lebten im Betreuten Wohnen. 24 (27) Neuzugängen standen 28 (21) Abgänge gegenüber. Das Durchschnittsalter der stationär Untergebrachten stieg auf 15,3 (14,4) Jahre.

Die ambulanten Hilfen, die laut Egelseer gut angenommen werden, erhöhen sich um 2,5 Prozent auf 2,51 Millionen Euro. 2017 wurden 29 (27) Kinder mit teilstationärem Hilfe- oder Eingliederungshilfebedarf in heilpädagogischen (HPT) oder sozialpädagogischen Tagesstätten (SPT) sowie in sonderpädagogischen Stütz- und Förderklassen (SFK) betreut. Weil das Jugendamt mit höheren Fallzahlen rechnet, stellt es auch mehr Geld zur Verfügung: statt 504 000 Euro 620 000.

Für den Jugendamtschef ist die Unterbringung eines Kindes bei Pflegeeltern sowohl aus pädagogischen als auch aus finanziellen Gründen eine sehr interessante Alternative zum Heim. Ein Heimplatz ist fast fünf Mal so teuer, 2016 waren es 20 353 Euro. 2017 waren 86 Kinder bei Pflegeeltern untergebracht, das sind 4,88 Prozent mehr als noch im Jahr 2016. "Wir betreiben weiterhin engagiert den Ausbau dieser Hilfeart", meint Egelseer. Immerhin kalkuliert der Kreis in diesem Jahr mit einer dreiviertel Million Euro.

Der Landkreis finanzierte 2017 für 360 (480) Buben und Mädchen ganz oder teilweise die Gebühren für die Kindertageseinrichtungen. Darunter befanden sich 85 (62) Flüchtlings- oder Asylbewerberkinder. Trotzdem wird für heuer der Haushaltsansatz von 330 000 auf 270 000 Euro reduziert. 2017 wurden 49 Kinder in Tagespflege betreut, 3 mehr als ein Jahr zuvor. Der Ansatz wird mit 75 000 Euro beibehalten.

Weniger junge Flüchtlinge

Für die Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (umA) beziehungsweise jungen volljährigen Flüchtlingen fielen 2017 Ausgaben in Höhe von 2 Millionen Euro an, eine halbe Million oder 19 Prozent weniger als eingeplant. Ursache dafür sind beendete Hilfen. Da die Zahlen weiter sinken werden, stehen im Etat nur noch 2 Millionen Euro.

Zum Jahreswechsel war der Landkreis für 59 umA zuständig, in speziellen Einrichtungen wurden 32 umA in Obhut genommen. Für den Landkreis Neustadt gilt hier eine Sonderregelung: Die Regierung weist ihm keine umA zu, die Zuweisung regelt sich über die vielen Aufgriffe im Landkreis entlang der Grenze.

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