19.09.2017 - 15:24 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Krach um Übergangsquartier beigelegt Kita St. Joseph zieht in Alten Pfarrhof

Vergangene Woche klang alles noch schwer nach Konfrontation. Doch am Montagabend einigte sich der Elternbeirat der Kita St. Joseph mit Bürgermeister Rupert Troppmann: Einige Gruppen ziehen in nächste Woche übergangsweise in den Alten Pfarrhof - obwohl der Keller dort vor Schimmel strotzt.

Ungewohntes Bild im Sitzungssaal des Rathauses: Auf dem Chefsessel von Bürgermeister Rupert Troppmann am Kopfende des Tisches saß am Montagabend Elternbeiratsvorsitzender Jan Scherb. Er und seine Mitstreiter hatten jede Menge Fragen an den Baubiologen Thomas Bäumler und Bürgermeister Rupert Troppmann (Fünfter und Sechster von rechts). Bild: phs
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Zur Ausgangslage: Die Eltern schlugen im August Krach, nachdem sie das Gebäude besichtigt hatten. Die Stadt gab als Trägerin der Kita daraufhin ein Gutachten beim Weidener Baubiologen Thomas Bäumler in Auftrag. Der sagt darin, dass er keine Bedenken gegen eine zwei Jahre dauernde Unterbringung von Kindern in dem Übergangsquartier hätte.

Die Sorgen waren damit nicht ausgeräumt. Nach einigem Hin und Her, das auch den Stadtrat erfasste, stellte Troppmann am Montag den großen Saal des Rathauses für eine Elternbeiratssitzung zur Verfügung. Mit von der Partie waren Bäumler und Kita-Leiterin Katharina Pfistermeister. Als Zuhörer verfolgte CSU-Stadtrat Josef Arnold die Aussprache. Sie lief ohne Kopfschütteln und in ziviler Lautstärke ab. Nach eineinviertel Stunden fanden alle Seiten einen gemeinsamen Nenner. Der sieht so aus:

Raumlüfter, die derzeit Sporen aus der Luft entfernen, laufen am Wochenende und nachts weiter.

Die Luftwerte werden vierteljährlich überprüft. Zudem gibt es regelmäßige Begehungen.

Bürgermeister und Elternbeirat verfassen dazu einen gemeinsamen Elternbrief.

Nur bei einer Forderung der Elternvertreter hat Troppmann Bauchschmerzen. Beiratsvorsitzender Jan Scherb bat um "bessere Informationspolitik". "Informationspolitik ist keine Einbahnstraße", mahnte der Rathauschef. Leider habe ihn kein Vater und keine Mutter jemals angerufen und wegen des Schimmels mal nachgefragt. "Aber ich biete es Ihnen jederzeit an."

Nachdem auch bei diesem Aspekt der Schwamm drüber war, steht fest, dass drei Gruppen am 26. und 27. September in den Alten Pfarrhof ausweichen, bis ihr Stammdomizil, das Rote Schulhaus, für 2,4 Millionen Euro komplett saniert ist. Die Väter und Mütter ließen sich überzeugen, nachdem etliche Fragen geklärt waren. So wird der Keller verriegelt und vom übrigen Gebäude abgetrennt.

Für Allergiker unbedenklich

Die dortigen Schimmelflecken sähen zwar verheerend aus, seien aus gesundheitlicher Sicht aber nicht dramatisch. Bäumler versicherte erneut, dass die Luftreiniger die Sporenkonzentration in den übrigen Räumen unter die Werte in der Natur senkten. Dann könne eine Mutter, deren Kind an Allergien und Neurodermitis leidet, auch ruhig schlafen. "In diesen Fällen spielen andere Schadstoffe eine Rolle." Zudem dürfe ein allergiegeplagtes Kind so wenig wie möglich mit Staub in Berührung kommen. Und den Staub im Alten Pfarrhof holten sich die Luftreiniger.

Der Baubiologe räumte bei dieser Gelegenheit mit einem gängigen Vorurteil auf. Ein altes Gebäude sei nicht anfälliger für Schimmel und Mikroorganismen als ein neues. Deshalb warnte er auch vor neuen Fenstern im Pfarrhof. "Durch die jetzigen dringt kalte, trockene Winterluft und senkt innen die Luftfeuchtigkeit." Dieses Schweizer-Käse-Prinzip sei gut fürs Raumklima. Troppmann hörte es gerne: "Lieber heizen wir doch zwei Jahre ein bisschen mehr. Das ist billiger, als für diese kurze Zeit 25 neue Fenster einzubauen."

"Aber warum sind Sie trotzdem weiter für Raumlüfter und trennen den Keller ab, wenn Sie sagen, der Schimmel ist nicht so schlimm?", wollte ein Vater von Bäumler wissen. "Aus Vorsorge", antwortete der Fachmann. "Damit Thermik nicht nach oben steigt und Kinder nicht hingehen und Sporen nach oben tragen."

Daneben trieb die Eltern die Frage um, warum der Pfarrhof nicht schon früher auf Schadstoffe untersucht wurde. Troppmann wies darauf hin, dass das Gebäude schon einmal vor knapp zehn Jahren Übergangsquartier für Kinder war. Zudem hätten Fachstellen die Baustelle bereits angeschaut. "Glauben Sie mir, wir haben alle möglichen Überlegungen angestellt." Das Ergebnis: Grundschule oder Pfarrheim hätten als Alternative zu wenig Platz, und auch ein Container sei nicht in Frage gekommen. "Den hätten wir ins Gewerbegebiet stellen müssen, weil nur dort Strom und Wasser vorhanden wären." Zudem hätte das Personal dann zwischen den Gruppen im Roten Schulhaus und dem Container weite Wege gehabt.

Mehr Personal

Die Zweihäusigkeit mit dem Alten Pfarrhof sei dagegen zu stemmen, sagte Pfistermeister. Die Stadt beschäftige zwei Praktikantinnen mehr als im Vorjahr. Troppmann ergänzte, dass der Umzug mit nur zwei Schließtagen zu bewältigen sei. Ein Vater hakte nach: Warum reicht eine Raumluftmessung, wenn ein Experte im Internet fordert, bei Schimmelbefall das Mauerwerk zu messen? Das sei bei versteckten Schäden der Fall, erklärte Bäumler. "Ich würde so etwas zum Beispiel nach einem Wasserschaden befürworten, aber das haben wir hier nicht. Und nicht jede Spore ist flugfähig."

Nachdem auch das geklärt war, dürfte es um die Kita wieder ruhig werden. Doch kurz griffen Scherb und Troppmann noch einmal zur Pauke. Es gehe hier "um eine der besten Tagesstätten der Region".

Ich hätte überhaupt kein Problem, wenn mein Kind da hingehen sollte.Baubiloge Thomas Bäumler

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