30.05.2017 - 22:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mutmaßlicher Terror-Helfer: Festnahme in Neustadt/WN

Spezialkräfte nehmen am Dienstag in Neustadt/WN einen 37-Jährigen fest. Der Mann soll für eine terroristische Organisation in Syrien gekämpft haben. Es ist nicht der erste Fall aus der Region.

Früh morgens riegelt die Polizei dieses Haus in Neustadt/WN ab und nahm einen Terrorhelfer fest. Bild: arw
von Alexander Pausch Kontakt Profil

(paa/phs/fku) Das Landeskriminalamt (LKA) und Spezialkräfte der Polizei haben am frühen Dienstagmorgen in Neustadt/WN einen 37-Jährigen festgenommen. Der türkische Staatsbürger soll Mitglied einer terroristischen Vereinigung im Ausland, der Junud al-Sham (Soldaten Syriens), sein. Laut Generalstaatsanwaltschaft München reiste er 2013 und 2014 nach Syrien. Dort soll er eine Ausbildung an Kriegswaffen erhalten und für die Terrororganisation gekämpft haben. Außerdem bestehe der dringende Verdacht, dass er in Deutschland versucht habe, Mitglieder für Junud al-Sham zu werben.

Daneben durchsuchten die rund 60 Einsatzkräfte eine weitere Wohnung in Neustadt, in der ein 26-Jähriger lebt, der ebenfalls zum Kämpfen nach Syrien gegangen war. Er ist mit dem Festgenommenen familiär verbunden und gilt wie dieser weiterhin als islamistischer Gefährder. Er kam nach der Razzia aber wieder auf freien Fuß. Gleichzeitig waren auch Polizisten in Österreich im Einsatz. Sie durchsuchten drei Objekte bei Linz und Innsbruck, die dem 37-Jährigen zugeschrieben werden. Festnahmen gab es nach Auskunft der österreichischen Behörden keine. Der 37-Jährige ist in Österreich geboren und dort mit Wohnsitz gemeldet. In Neustadt, wo er offiziell bis zum Jahr 2013 lebte, hielt er sich seither offensichtlich trotzdem weiter regelmäßig auf. Der mehrfache Familienvater ist mit einer Neustädterin verheiratet.

Wie das bayerische Innenministerium berichtet, beschlagnahmten die Beamten fast zwei Dutzend Mobiltelefone und Computer. Die Durchsuchungen hatten das LKA und die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Münchener Generalstaatsanwaltschaft koordiniert. Deren Sprecher betonte, für die Bevölkerung habe keine unmittelbare Gefahr durch den 37-Jährigen bestanden. "Es geht nicht um irgendwelche Anschlagsvorbereitungen." Zu Einzelheiten der Aktion wollte er sich nicht äußern. Auch nicht dazu, ob der Festgenommene mit seinem Werben für Junud al-Sham Erfolg hatte. "Da laufen die Ermittlungen noch."

Mit der Festnahme rückt die islamistische Szene in der Region einmal mehr in den Blickpunkt. Ein weiterer Neustädter ist bereits im Jahr 2014 als Kämpfer von Junud al-Sham in Syrien getötet worden. Zwei Brüder aus Weiden waren ebenfalls als Kämpfer in Syrien, bei der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Einer gilt als verschollen, der andere soll inzwischen in der Türkei leben. Alle drei sind ebenfalls mit dem 37- und dem 26-Jährigen familiär verbunden. Zudem beobachtet der Verfassungsschutz das Islamische Zentrum Weiden seit einigen Jahren.

"Unsere Polizei und unser Verfassungsschutz haben Islamisten genau im Blick. Wir schöpfen alle rechtlichen Möglichkeiten aus, gefährliche Islamisten zu überwachen und aus dem Verkehr zu ziehen", lobte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den Einsatz.

 

 

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