Regierung setzt bei Flüchtlingen auf Gemeinschaftsunterkünfte
Stopp für dezentrale Herbergen

In das ehemalige Pilspub "Tankstell" will die Regierung der Oberpfalz eine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Ausländer einrichten. Sie soll bis zu 36 Personen Platz bieten. Bild: ms

Der Landkreis darf keine neuen dezentralen Unterkünfte für Flüchtlinge mehr einrichten. Die Staatsregierung setzt auf Gemeinschaftsherbergen.

Regensburg hat ein Anmieteverbot für neue dezentrale Unterkünfte angeordnet. Die Bezirksbehörde beruft sich auf die Staatsregierung, die künftig vermehrt Gemeinschaftsdomizile haben möchte. "Um die Kommunen zu entlasten", sagt Markus Roth, Pressesprecher der Regierung der Oberpfalz. Denn die Städte und Gemeinden müssten für die dezentralen Wohnungen aufkommen.

Die dezentralen Unterkünfte werden schon bald weniger. Regensburg will ab 2017 nur noch größere Unterkünfte. Deshalb ist der Landkreis dabei, alle Mietverträge nach den strengen Vorgaben der Regierung neu zu gestalten - weg von der Pro-Kopf-Bezahlung, hin zur niedrigeren Quadratmetermiete nach den ortsüblichen Sätzen. Längerfristige Verträge müssen auslaufen.

Zwei neue Unterkünfte

Wahrscheinlich schon im März wird die Regierung eine große Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen BRK-Hans "Sonnenhang" in Pleystein eröffnen. Die Kapazität reicht für bis zu 150 Flüchtlinge. Der Landkreis geht aber davon aus, dass bei weitem nicht so viele kommen werden und vor allem nicht auf einmal. "Man wird laut Regierung der Oberpfalz mit etwa 15 Fremden beginnen und dann gegebenenfalls nach und nach auffüllen. Ob das dann irgendwann mal 50, 70 oder 100 werden, ist noch nicht klar", meint Claudia Prößl, Sprecherin im Landratsamt. Eine weitere Gemeinschaftsherberge plant die Regierung in der Kreisstadt. Das ehemalige Pilspub "Tankstell" am Raiffeisenplatz 5 könnte je nach Zusammensetzung der zugewiesenen Personen, insbesondere der Familiengrößen, bis zu 36 Personen beherbergen, erklärt Roth. Er kündigt an, dass voraussichtlich im Frühjahr die Wohnungen belegt werden, vorausgesetzt der Bauherr - ein Neustädter - habe bis dahin die baulichen und baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt. Neustädter berichten, dass in dem Gebäude vor vielen Jahren schon einmal türkische Gastarbeiter gelebt hätten.

Landrat unglücklich

Landrat Andreas Meier ist von der Entwicklung überhaupt nicht begeistert. Er hält nach wie vor eine dezentrale Unterbringung hinsichtlich der höheren Chancen für eine gelungene Integration vor Ort für die sinnvollere Variante. Diese sei natürlich mit mehr Arbeitsaufwand und höheren Kosten verbunden. Das "zwischenmenschliche Konfliktpotenzial" werde steigen, wenn man die unterschiedlichsten Biografien und Ethnien nun wieder in großen Gemeinschaftsunterkünften zusammenfasse. "Insofern würde ich eine dezentrale Unterbringung weiterhin der zentralen bevorzugen", hält er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. (Hintergrund)

80 Unterkünfte für 740 FlüchtlingeIm Landkreis Neustadt gibt es aktuell für die 740 Flüchtlinge 77 dezentrale und 3 Gemeinschaftsunterkünfte. Hinzu kommen 74 unbegleiteten minderjährige Flüchtlinge oder unbegleitete minderjährige Ausländer (umA), wie sie neuerdings bezeichnet werden.

Ein Problem sind die 253 Fehlbeleger, die von Woche zu Woche mehr werden. Diese anerkannten Asylbewerber finden keine Wohnung. Die meisten Flüchtlinge leben in Vohenstrauß (78), gefolgt von Neustadt/WN (55), Eschenbach (52), Floß (39), Pressath (35), Eslarn (33), Etzenricht (31), Moosbach (28), und Windischeschenbach (26). Am höchsten ist der prozentuale Anteil der Ausländer zu den Einwohnern in Etzenricht (2,24 Prozent). Bis Ende des Jahres sind zwei weitere Zuzüge geplant. Keine Unterkünfte gibt es in Bechtsrieth, Pirk, Flossenbürg, Georgenberg, Irchenrieth, Kohlberg, Leuchtenberg, Püchersreuth, Schirmitz, Störnstein, Schlammersdorf, Schwarzenbach, Tännesberg und Vorbach.

Außerhalb des Landkreises sind 19 umA untergebracht: in Burg Hohenberg (6), in Weiden (7), in Pforzheim (1), in Saarbrücken (1), in Monschau (1), in Würzburg (1), in Rosenheim (1) und in Wackersdorf (1). Tirschenreuth hat 10 umA im Kreis Neustadt einquartiert. (ms)
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