Schulung für ehrenamtliche Helfer der Flüchtlingsarbeit
Fremde Welten

Teilweise sitzen ehren- und hauptamtliche Flüchtlingsbetreuer erstmals an einem Tisch. Eingeladen hat das Landratsamt. Bild: pdtr

Ehrenamtliche Helfer stoßen in Flüchtlingsheimen auf fremde Welten. Beim ersten Treffen müssen sich die Freiwilligen oft mit Händen und Füßen verständigen. Dabei steht Kommunikation ganz am Anfang - auch wenn Probleme auftauchen.

Neustadt. (pdtr) Das zeigt sich während einer Schulung in der Stadthalle in Neustadt. Dabei begegnen sich hauptamtliche Mitarbeiter des Landratsamts und die Menschen, die Freizeit und finanzielle Mittel für bessere Integration opfern. Teilweise sehen sie sich das erste Mal, obwohl sie an einem Strang ziehen.

Zu Beginn des Kurses für ehrenamtliche Integrationsbegleiter des Landkreises informiert Michael Schiller vom Sachgebiet Ausländerwesen des Landratsamtes über rechtliche Hintergründe. Den möglichen Status eines Migranten im Asylverfahren erklärt er an Hand eines Ampelmodells. Dessen Farben reichen vom Asylberechtigten über Personen mit laufenden Asyl- oder Klageverfahren bis zu Ausreisepflichtigen. Je nachdem, welchen Status der Flüchtling erreicht, werden Beschränkungen hinsichtlich des Wohnsitzes oder einer Beschäftigung auferlegt. Hier hakt die Koordinatorin der Landesarbeitsgemeinschaft (Lagfa) Bayern, Ursula Erb, ein. Der Verein unterstützt die Ehrenamtlichen und ist auch Ansprechpartner für Kommunen. Erb ist in Neustadt, um bei Flüchtlingsthemen und Integration zu beraten. Ihr Tipp: "Sie haben in Ihren Aufgaben mit fremden Kulturen zu tun. Sie sollten nicht den Fehler machen und diese Menschen wie Kinder zu behandeln." Auch falsche Hoffnungen sollten nicht geweckt werden. Flüchtlingen solle bewusst sein, dass mancher Deutschland wieder verlassen müsse. "Manchmal ist es leider auch der fleißige und wissbegierige, der ausreisen muss, während der, der den ganzen Tag im Bett lag, bleiben darf. Wer geht und wer bleibt, gibt das Gesetz vor." Auch das müsse vermittelt werden, erklärt sie.

Teil der Integration sei es neben dem Vermitteln der Sprachkenntnisse auch, zu verdeutlichen wie der Alltag in Deutschland abläuft. Auch deutsche Werte könnten manche Ausländer nicht sofort nachvollziehen. "Hier geht es nicht nur um Pünktlichkeit, Ordnung und Sauberkeit, sondern auch um Hilfsbereitschaft." Man solle den Flüchtlingen das Ehrenamt erklären. In den meisten Herkunftsländern unterstützten sich Menschen nur innerhalb von Familien gegenseitig. Eine freiwillige und unentgeltliche Arbeit für Fremde würden die meisten nicht kennen.

Beim Stichwort Ordnung klagt ein Mitarbeiter des Landratsamtes sein Leid. Er ist mit der Verwaltung von Flüchtlingswohnungen befasst. "Manche Unterkünfte müssen nach eineinhalb Jahren kernsaniert werden." Bitten an die Bewohner, ihren Reinigungspflichten nachzukommen, verliefen mehrfach ins Leere. Für manche männlichen Migranten sei Putzen reine Frauenarbeit. Auch hohe Nachzahlungen für Strom und Wasser seien schon aufgetreten. "Die Gründe sind dann meist schnell gefunden", erklärt der Hauptamtliche. Die hohen Stromrechnungen seien oft Elektroheizlüftern geschuldet.

Dass vereinzelt Probleme auftreten, kann Ursula Erb nachvollziehen. Eine Lösung könne aber immer gefunden werden. Nicht Strafen und Sanktionen seien der richtige Weg, sondern ein vernünftiges Gespräch. "Menschen aus wärmeren Ländern, in denen nicht geheizt wird, wissen nicht, wie viel Energie dafür benötigt wird. In vielen Ländern gibt es auch keine Mülltrennung oder gar Müllabfuhr." Probleme sollten mit einem Flüchtling genau wie mit einem Deutschen geklärt werden. Ehren- und Hauptamtliche machten einen guten Job, sagt Erb. Die besten Ergebnisse gebe es an den Standorten, an denen alle zusammenarbeiten.

Menschen aus wärmeren Ländern ... wissen nicht, wie viel Energie dafür benötigt wird.Integrationskoordinatorin Ursula Erb über Missverständnisse rund ums Heizen
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