Stadtrat diskutiert Satzung für Kleingartenkolonie
Schreber auf Abwegen

Manch einer repariert ein Motorboot, wo sich andere doch einfach in den Liegestuhl oder um den Grill setzen wollen. Solche Aktivitäten hält der Stadtrat an den Pflanzstückeln entlang der Waldnaab für nicht angemessen. Wenn Gespräche nicht helfen, könnte er über eine Satzung Verbote erlassen. Bild: gsb

Die Waldnaab rund um die Alte Schießstätte präsentiert sich vor allem im Sommer als reinstes Idyll. Die Kleingartenkolonie ist wahrer Schreberstolz. Wenn nicht einige immer wieder über die Stränge schlagen würden. Das ärgert den Stadtrat.

Die etwa 40 Gartenhäuschen heißen im Volksmund "Pflanzstückeln". "Probleme haben wir vielleicht mit vier Pächtern", sagt Bürgermeister Rupert Troppmann. Das klingt nach Vandalismus oder Radau, aber darum geht es nicht. Einer repariert im Kleingarten sein Motorboot, andere waschen dort ihr Auto, beim Nachbarn quartiert sich schon mal jemand für einige Nächte ein, der nächste zieht einen halbgewerblichen Ausschank auf.

Alles nicht unbedingt im Sinne des Erfinders, aber auch nicht so massiv, dass die Stadt einschreiten müsste. Da die Tagesordnung des Stadtrats aber am Dienstag ziemlich kurz war, konnten die Fraktionen die Situation mal länger diskutieren. Zur Debatte stand eine Gestaltungssatzung, die sehr detailliert regelt, was auf den Pflanzstückeln erlaubt ist und was nicht. Die Verwaltung hatte dazu Beispiele aus Weiden und Eschenbach vorgelegt.

Doch das hat seine Tücken, warnte Troppmann: "Eine Satzung schert alle über einen Kamm. Dann greifen wir in bestehende Strukturen ein, die dort unten über Jahrzehnte gewachsen sind." Josef Arnold (CSU) mied das Wort Satzung ebenfalls. "Das kommt 30 Jahre zu spät. Lieber sollten wir Richtlinien machen für eine künftige Nutzung. Was da unten so gemacht wird, ist bestimmt nicht in jedem Fall künstlerisch wertvoll, aber wir reden von einfachen Leute, die versuchen, sich eine Idylle zu schaffen, die sollten wir nicht zu sehr bevormunden."

Die SPD könnte ohne eine Satzung ebenfalls gut leben. "Aber an Themen wie Gebäudehöhen, Zäune oder Autowaschen müssen wir ran", stellt ihr Sprecher Achim Neupert klar. Das überrascht die Freien Wähler, sagte Gerhard Steiner. "Wir wollen eine Satzung nicht auf Biegen und Brechen durchboxen, aber eine Hal-Halb-Lösung bringt gar nichts." Er erinnerte daran, "dass wir bei einigen in Vorgesprächen auf taube Ohren gestoßen sind". Zumindest sollte der Stadtrat schon mal einen Zeitraum festlegen, ab wann er regelnd eingreifen will.

Troppmann schlug vor, im Frühjahr nochmal das Gespräch mit den Pächtern zu suchen. Er könnte sich vorstellen, über Einzelverträge bei Neuverpachtungen Pflöcke einzuschlagen. "Dann kann ich einem Einzelnen kündigen, wenn er sich nicht an Dinge wie Autowaschen hält." Damit stieß er auch bei den Freien Wählern auf Zustimmung.

Aus dem StadtratDer Anti-Rutsch-Belag auf den Holzbohlen am Bocklweg wird erst im Frühjahr statt noch im Herbst aufgebracht. Wegen der Nässe sei das dieses Jahr nicht mehr möglich, erklärte Bürgermeister Rupert Troppmann im Stadtrat. Achim Neupert (SPD) ist skeptisch: "Jetzt beginnt doch die gefährliche Zeit für Radfahrer." Troppmann sieht das anders: "Ich war erst letzte Woche dort und habe es ausprobiert. Der Belag ist noch recht rau und nicht rutschig."

Beim Thema Belag brachte Peter Reiser (Freie Wähler) wieder das leidige Thema Pflasterschäden am Stadtplatz ins Spiel. "Kann man das mit Beton ausschmieren oder Tafeln aufstellen, die Radfahrer warnen?" Das gehe nicht, widersprach Troppmann: "Wir dürfen gar nichts machen, so lange der gerichtlich bestellter Gutachter nicht fertig ist."

Von diesem Gutachter hängt es ab, ob die Stadt eventuell wegen der Schäden am Stadtplatz gegen Baufirma oder Architekt vor den Kadi geht. Unabhängig davon teilt der Rathauschef Reisers Ängste nicht. "Ich bin selber Radfahrer. Da schmeißt es keinen, da gibt es ganz andere Wege."

Noch nicht entschieden ist, welchen Architekten die Stadt mit dem Städtebaulichen Entwicklungskonzept beauftragt. Troppmann will Emil Lehner aus Weiden, viele Stadträte lehnen ihn ab.

"Ich bin noch am sondieren. Das können wir erst in der Novembersitzung klären", gab der Bürgermeister den Sachstand durch. (phs)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.