11.10.2017 - 11:48 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Stadtrat vom Ausweichquiartier der Kita St. Joseph angetan Schmuckstück statt Spukschloss

Im Sommer machten einige Eltern den Alten Pfarrhof via Facebook fast zu einem verschimmelten Spukhaus. Das ist mittlerweile passé. Beim Ortstermin am Dienstagabend sind die Stadträte hin und weg vom Übergangsquartier der städtischen Kita. Doch vergessen sind manche Kontroversen nicht.

Katharina Pistermeister kommt mit dem Alten Pfarrhof als Übergangsquartier der Kita St. Joseph gut zurecht, erklärt sie den Stadträten. Die sind inzwischen ebenfalls der Meinung, dass die ganz jungen Neustädter dort sicher und angenehm untergebracht sind. Bild: phs
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Warm ist's. Das ist der erste Eindruck, nachdem man das Haus betreten hat. Hell, freundlich, Geruch nach Farbe heißen die nächsten Auffälligkeiten. "Wir haben heute Vormittag mit Lack gearbeitet", erklärt Katharina Pfistermeister den Stadträten den Geschmack in der Nase. Artig bedankt sie sich die Kindergartenleiterin für die Unterstützung der Stadt. Das Haus gefalle mittlerweile allen Eltern.

Dass manche sie auch angegangen hatten, sie ziehe mit den Kindergarten-Gruppen in eine zugige Bruchbude voller Schimmelsporen, die sich aus dem Keller überall verteilen, ging nicht ganz spurlos an ihr vorüber, gesteht Pfistermeister. "Da gehen manche ohne vorher zu fragen mit Messgeräten rein, die sie kurz zuvor bei Amazon gekauft haben und messen die Wandfeuchte. Dann haben sie einen Wert, ohne zu wissen, dass am Tag vorher der Maler da war."

"Selten so geärgert"

Dieses Vorgehen stößt auch Bürgermeister Rupert Troppmann noch sauer auf. "Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube: Ich hab mich in zehn Jahren als Bürgermeister selten so geärgert, aber jetzt müssen wir die Vergangenheit abhaken." Genüsslich zitierte Troppmann eine Aussage von Gabi Ostler. Sie ist Fachfrau der Aufsichtsbehörde, des Kreisjugendamts. "Sie hat gesagt, dass manche Gemeinden froh wären, wenn sie auf Dauer so einen Kindergarten hätten, wie den, den wir als Übergangsquartier nutzen."

In der Tat. Vom Erdgeschoss bis zum Dach ist es blitzsauber. Am Abend und in der Nacht filtern Luftreiniger auf Elternwunsch die Gruppenräume. Rein prophylaktisch, obwohl es die Geräte laut Gutachter Reiner Bäumler gar nicht bräuchte. Kritik ist von keinem Stadtrat beim Rundgang durchs Haus zu hören. Zumal die Stadt noch ein faires Geschäft mit der katholischen Kirchengemeinde als Eigentümerin hinbekommen hat.

Mietfrei bis zum Auszug

Der Kindergarten darf im Alten Pfarrhof mietfrei logieren, dafür bekommt die Pfarrei beim Auszug der Kita ein runderneuertes Gebäude zurück. Rund 60 000 Euro investiert die Stadt in Heizung, Leitungen und einen Rettungsturm an der Gebäude-Außenseite. 2019 sollen dann Kindergarten-, Krippen- und Hortgruppen wieder unter einem Dach im sanierten Roten Schulhaus vereint sein. Diesen Winter geht es an die Ausschreibung, erklärt Troppmann. "Wir hoffen dann auf bessere Preise." 2018 sollen Handwerker die Kita St. Joseph erobern. Dach, Fenster und Innenräume werden erneuert. Wenn alles glatt geht, ist das Gebäude 2019 bezugsfertig und die Diskussion um den Alten Pfarrhof dann ob der Freude über das neue Domizil wirklich vergessen.

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