06.09.2017 - 23:58 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Tosender Beifall für Karl-Theodor zu Guttenberg Der Baron sorgt für Belebung

Mit herzlicher Sympathie begegnen die Oberpfälzer dem vor sechs Jahren gefallenen Politstar der CSU. Vergessen sind die Plagiatsaffäre und die anschließenden Gehässigkeiten. Karl-Theodor zu Guttenberg kehrt am Mittwochabend in seine "Heimat" zurück.

Geschafft: Die Granden der regionalen CSU klatschen Karl-Theodor zu Guttenberg (Zweiter von rechts) Beifall für seinen Auftritt in Neustadt. Allen voran (links daneben) Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht, Weidens Kreischef Stephan Gollwitzer und Abgeordneter Reiner Meier. Dabei konnten sie sich bei der Terminfestlegung vor Monaten nicht sicher sein, ob es eine gute Idee sein würde, "KT" als Wahlkampfhelfer einzuladen. Bilder: Schönberger (2)
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Neustadt. Quasi als "Vorband" agieren die lokalen CSU-Matadoren in der mit 1500 Zuhörern überfüllten Stadthalle. Schon eine Stunde vor Beginn der CSU-Kundgebung waren nahezu alle Sitzplätze belegt. Die später kommenden Zuhörer stehen dicht an dicht. In 30 Jahren hat Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht solch ein "besonderes Talent", die Menschen für Politik zu begeistern, noch nicht erlebt. Dem "lieben KT", mit dem er vor 15 Jahren in den Bundestag eingezogen war, sprach er am 20. Februar 2011 per SMS "Mut zu - in harter Zeit".

Sehnsucht nach Bayern

Vorweg betont Karl-Theodor zu Guttenberg "Respekt und Anerkennung" für die Entwicklung der Oberpfalz. Diese Region habe gerade für das Zusammenwachsen Europas mehr geleistet als manche Brüsseler Amtsstube. "Uns geht es verdammt gut in Deutschland", sagt der seit sechs Jahren in den USA lebende Baron. Der Vergleich zu den Vereinigten Staaten fällt vernichtend aus: verrottetes Gesundheitssystem, ineffiziente Verwaltung (" ich verbrachte 16 Stunden bei der Führerschein-Behörde"), absurde Waffen-Gesetze und eine völlig desolate Infrastruktur, die ihn im Großraum New York an den Sudan erinnert. Vor diesem Hintergrund bekundet Guttenberg "viel Sympathie für meine ehemalige Chefin in Berlin", die nichts aus der Bahn werfe. "Angela Merkel sorgt für Stabilität." Der ehemalige Wirtschafts- und Verteidigungsminister rühmt die Sicherheitspolitik der CSU ("Joachim Herrmann ist ein Glücksfall auch für die Bundespolitik"). Er plädiert - bei aller Toleranz und Menschenfreundlichkeit - für eine klare Kante in der Asylpolitik, etwa beim Wegsperren von Gefährdern: "Nicht abwarten, bis etwas passiert." Die Zuhörer zollen dafür tosenden Beifall.

Gegen eine weitere Groko

Angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen fordert Guttenberg Mut in der Steuerpolitik: Nämlich der Bevölkerung etwas zurückzugeben und damit auch künftig eine "kraftvolle Entwicklung" zu ermöglichen". Beispielsweise gehöre der Solidaritätszuschlag "auf Sicht weg".

Bei allem Spott für US-Präsident Donald Trump ("überschaubarer Intellekt") mahnt der Ex-CSU-Politiker "vernünftige Beziehungen" in Wirtschaft und Politik zu den Vereinigten Staaten an. Sie hätten viele Jahrzehnte lang "ihre schützende Hand über uns gehalten". Und mit einem Handelsvolumen von 174 Milliarden Dollar im Jahr (Russland 24 Milliarden Dollar) tragen die USA nicht unwesentlich zu unserem Wohlstand bei. Guttenberg spricht sich gegen die Weiterführung der Großen Koalition aus. "Deutschland braucht Belebung, aber nicht von Künast, Trittin oder Wagenknecht." (Seite 3, Angemerkt)

"Klartext" von Karl-Theodor zu Guttenberg

Zur Inneren Sicherheit :

"Was in Hamburg [beim G 20-Gipfel] passiert ist, lässt der Organisationsgrad der bayerischen Strukturen nicht zu."

"Zum Wegsperren von identifzierten Gefährdern sage ich klar: Ja!"

Zum Solidaritätsbeitrag :

"Der Soli gehört endlich weg. Er ist zum Teil zulasten unserer Regionen gegangen, und die drüben wussten gar nichts damit anzufangen."

Zur Digitalisierung :

"Die Anbindung ans Internet ist für den ländlichen Raum absolut entscheidend. Man kommt nicht über die Runden, wenn man der Kupferromantik der Telekom folgt. Wir brauchen Glasfaser."

Zu Politkollegen :

Christian Lindner (FDP) "ist ein begabter Knochen, aber ich frage mich immer, was er auf dem Plakat in seiner Hosentasche sucht".

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sei "geerdet, allein schon wegen seines Gewichts würde er in Berlin nicht abheben".

Recep Tayyip Erdogan , der türkische Präsident, sei "ein ganz besonderes Herzchen, dem jegliche Perspektive auf eine Mitgliedschaft in der EU versagt werden muss". (mte)

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