Umzug der Kita St. Joseph in alten Pfarrhof
Elternbeirat und Bürgermeister Troppmann sind sauer aufeinander

Unter anderem wegen solcher Fenster machen sich Eltern Sorgen, ihre Kinder im alten Pfarrhof unterzubringen. Bild: Schönberger

Von wegen ruhiger August. Mitten in den Ferien kochte der geplante Umzug der Kita St. Joseph ins Ausweichquartier, den alten Pfarrhof, so hoch, dass es in der ersten Sitzung des Stadtrats nach der Sommerpause ebenfalls brodelte. Knapp ein Dutzend Eltern war gekommen, um sich anzuhören, wie die Stadt zu ihren Vorwürfen steht.

Am 11. August hatten sie ohne Wissen der Kindergartenleitung und der Stadt die Baustelle des Pfarrhofs besichtigt. Dort sollen unsere Kinder zwei Jahre bleiben? Vor allem der verschimmelte Keller, die Statik und die Fenster erschienen ihnen wenig vertrauenswürdig. Reine Laien sind die Eltern nicht. Unter ihnen sind auch Mitglieder der Familie Schöninger, bekannt durch ihren Glasbetrieb.

Schon drei Tage später war der nächste Trupp auf der Baustelle unterwegs. Diesmal waren der Architekt, zweiter Bürgermeister Heiner Maier - der den urlaubenden Rupert Troppmann vertrat -, Vertreter von Jugendamt, Elternbeirat, Kita und Stadt mit von der Partie.

Ein Statiker setzte einen Haken hinter die Standfestigkeit. Dennoch wurde der Elternbeirat aktiv. Einige äußerten Bedenken, dass sich Schimmelsporen durchs ganze Haus verbreiten. Sie klopften beim Landrat, beim Jugendamt und beim Gesundheitsamt an und posteten entsprechende Bilder in sozialen Medien.

Am 23. August beauftragte Bürgermeister Troppmann den Weidener Baubiologen Reiner Bäumler damit, die Räume zu untersuchen. Das Ergebnis zwei Wochen später: Das Gebäude ist in Ordnung, die Raumluft lasse den Kita-Betrieb zu. Zudem werde die Stadt einen Lüfter anschaffen, der die Mikroorganismen reduziert. Die sollten bald unter dem Wert der Außenluftkonzentration von Sporen liegen. Das Gesundheitsamt habe bereits grünes Licht gegeben. Übernächste Woche erfolge die Abnahme durch das Jugendamt. All das verlas Troppmann in einer Erklärung. Ihre zentrale Aussage: "Die Stadt hat alles unternommen, um den Nachweis zu erbringen, dass die Ausweichräume sehr wohl gesundheitlich als auch fachlich dem Betrieb einer Kita genügen." Wenn der Elternbeirat nun von "Vertrauensverlust" spreche, liege das an falschen Messungen und daraus falsch gezogenen Schlüssen.

Der Bürgermeister legte gekränkt nach: Er werde erst wieder mit den Eltern reden, wenn die eingestehen, dass die Stadt reagiert und alles Notwendige in die Wege geleitet habe. Achim Neupert (SPD) versuchte sich als Brückenbauer: "Wir wollen in zwei Wochen umziehen, setzen wir uns doch noch einmal zusammen." Troppmann hielt dagegen: "Dann kommen wir in eine Verteidigungshaltung für die wir nichts können." Der Elternbeirat solle vorher erst seine Vorwürfe aus der Welt schaffen.

So ganz liegen die Mütter und Väter auch nicht daneben, meinte Rainer Hetz (SPD). Die Schreiben und E-Mails der Eltern seien in Ordnung gewesen. "Und erst aufgrund der Gutachten wurde etwas getan", spielte er auf den Raumlüfter an. "Das ist eine reine Hypothese", schoss Troppmann zurück. Das war so etwas wie der Schlusssatz der öffentlichen Sitzung. Manche Zuhörer verließen den Raum kopfschüttelnd. Was sie nun tun werden, wollen sie erst noch besprechen. (Angemerkt)

Reaktionen"Nicht zufrieden", "schwer enttäuscht". So oder ähnlich ließen die Zuhörer der Stadtratssitzung beim Verlassen des Rathauses Dampf ab. Die Eltern von Mädchen und Buben aus der Kita St. Joseph teilen die Einschätzung nicht, dass der Umzug ihrer Kinder ohne Weiteres möglich sei.

Einem Vater reicht die Raumluftmessung aus dem Gutachten nicht. "Experten sagen, dass bei so alten Gebäuden das Mauerwerk untersucht werden muss."

Ein berufstätiges Paar schilderte seine Sorgen. Es möchte dem Beispiel anderer folgen und am liebsten sein Kind aus der Kita nehmen und in einer anderen Institution unterbringen. Dort sollte es nach dem Kindergarten auch in den Hort. "Aber dort sagen sie uns, dass es nicht unbedingt einen Hortplatz gibt, weil die Plätze für die Kinder reserviert sind, die schon da sind." Dass sie den alten Pfarrhof ohne Absprache besucht haben, finden die Eltern nicht weiter schlimm. "Da kann doch jeder rein." Zudem hätten sogar Bauarbeiter auf die Zustände in dem Gemäuer aufmerksam gemacht und Eltern informiert. (phs)


Angemerkt: Dialogbereit bleiben
Wer die Bilder auf den Handys der Eltern sieht, denkt sofort: Da würde ich mein Kind auch nicht hinschicken. Riesige Schimmelflecken ziehen sich durch den Keller des alten Pfarrhofs. Auch wenn im Untergeschoss selbst kein Kita-Gruppenraum vorgesehen ist - es bleibt ein mulmiges Gefühl. Vor diesem Hintergrund sollte Bürgermeister Rupert Troppmann den Eltern keine Bedingungen stellen, bevor er mit ihnen über den Umzug ins provisorische Quartier sprechen will.

Vielleicht ist es nicht korrekt gewesen, dass die Mütter und Väter das Gebäude auf eigene Faust inspiziert haben und ihr Entsetzen im Zeitalter von sozialen Medien ein Feuer entfachte, für das die Stadt nun das Löschwasser holen soll, während sie gleichzeitig am Pranger steht. Von den Eltern nun jedoch zu fordern, dass sie öffentlich Reue für ihr Vorgehen zeigen, ist zu viel verlangt. Die Mütter und Väter haben sich weder hysterisch noch unqualifiziert geäußert.

Wobei Troppmanns Befürchtungen schon nachzuvollziehen sind. Mit Sicherheit werden einige das von der Stadt zügig und unbürokratisch in Auftrag gegebene Gutachten anzweifeln. Doch es hilft nichts: Mit dem Dilemma, dass alle alles infrage stellen, müssen Politiker fertig werden, sei es bei Stromtrassen oder Windrädern. Den guten Willen in Sachen Kindeswohl sollte dem Rathaus indes niemand absprechen. Gerade bei der Sanierung von Schulen oder den Investitionen in die neue Kita St. Joseph haben die Verantwortlichen gezeigt, dass ihnen der Nachwuchs der Stadt viel bedeutet.

friedrich.peterhans@oberpfalzmedien.de[/details>
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