17.02.2018 - 16:38 Uhr
Neustadt an der Waldnaab

Wahlkreiskonferenz: Natascha Kohnen bei der Oberpfalz-SPD SPD wählt Annette Karl an die Spitze

Der Startschuss für den Wahlkampf ist gefallen. Die SPD in der Oberpfalz hat ihre Landtagskandidaten bestimmt. Platz eins erhält Annette Karl. Doch um Platz 2 gibt es eine Kampfabstimmung.

Sie wollen in den Landtag und erhalten Unterstützung von Franz Schindler (Vierter von links), Natascha Kohnen (Sechste von rechts), Uli Grötsch (rechts daneben) sowie Marianne Schieder (Zweite von rechts).
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

"Ihr seid die ersten in Bayern", freute sich Natascha Kohnen. Die Landesvorsitzende der SPD war für die Wahlkreiskonferenz angereist. In der Stadthalle Neustadt blickte sie in viele vertraute Gesichter. Zwei werde Kohnen aber bald vermissen: Das von Franz Schindler und Reinhold Strobl. Die Landtagsabgeordneten aus Schwandorf und Amberg-Sulzbach werden bei der Wahl im Oktober nicht mehr antreten. "Ich habe selten einen so tiefgründigen Sozialdemokraten erlebt wie dich", sagte die Vorsitzende über Schindler und lobte seine "scharfe Zunge", die er bei Diskussionen im Landtag gerne benutzte. Außerdem gebe es keinen Abgeordneten mit einem größeren Herzen als Strobl.

Die SPD-Landesvorsitzende sprach aber auch über das Wahlprogramm. Sie empfinde es als grotesk, wenn der designierte Ministerpräsiden Markus Söder (CSU) sage, er wolle Sozialwohnungen bauen. "Das ist derselbe Mann, der vor Jahren tausende staatliche Wohnungen verscherbelt hat." Applaus. Mindestens 20 000 staatliche Wohnungen pro Jahr möchte Kohnen schaffen. "Das wird die Frage des Jahrhunderts, ob man sich ein Dach über dem Kopf noch leisten kann." Auch die Themen Bildung und Weiterbildung liegen der Politikerin, die in Regensburg studiert hat, am Herzen: "Wir werden es schaffen, dass Bildung wieder ein Naturgesetz wird." "Wir müssen uns so richtig als Alternative zu den anderen präsentieren", forderte Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch, der den Wahlkampf der Bayern-SPD leitet.

Bei der Wahlkreiskonferenz ging es aber hauptsächlich um die Kandidaten für Landtags- und Bezirkstagswahl am 14. Oktober. Den ersten Platz auf der Landtagswahlliste erhielt Annette Karl aus dem Stimmkreis Weiden. "Ja, wer denn sonst?", fragte Schindler. Karl ist bereits seit zehn Jahren Abgeordnete. Sie setze sich vor allem für die Wirtschaft und den ländlichen Raum ein, berichtete sie den Delegierten. In ihrer Rede warb Karl aber auch für ihre Kollegin Margit Wild (Regensburg-Stadt) auf Listenplatz drei. Beide Frauen erhielten dann 40 von 42 Stimmen.

Um Platz zwei bewarben sich Uwe Bergmann aus Schnaittenbach und Peter Wein aus Burglengenfeld. "Ich mache schon immer Basisarbeit", versicherte Bergmann, 46 Jahre, verheiratet, zwei Kinder bei seiner Vorstellung. Mit Herzblut, Leidenschaft und Idealismus wolle er in den Landtag einziehen. "Ich traue mir das auch zu." Mit einer flammenden Rede präsentierte sich Gegenkandidat Wein. Ein Drittel seines Lebens sei der 30-Jährige bereits für die SPD aktiv. "Ich brenne für diese Partei", betonte er und erhielt Applaus. Trotz seines Engagements reichte es am Ende nicht. Die Delegierten entschieden: Listenplatz zwei geht an Bergmann. Wein bleibt auf Platz 4.

Gemäß dem Motto "Die SPD will jünger und weiblicher werden" ließen sich außer Wein weitere junge Männer für die Wahllisten aufstellen. Der Jüngste, Raphael Bittner aus Plößberg, ist erst 18 Jahre alt und noch in der Ausbildung. Bei den Frauen waren es dagegen nur drei. Carolin Wagner aus Lappersdorf, Jahrgang 1982, tritt für den Landtag an, Nicole Bäumler aus Schirmitz, Jahrgang 1986, sowie Danielle Gömmel aus Postbauer-Heng, Jahrgang 1991, für den Bezirkstag. "Wir haben junge Frauen, die aktiv sind", sagt Wagner. Doch den Schritt, sich für eine Wahl aufstellen zu lassen, wagen nicht alle. Dazu kommen jahrelange Ausbildung und Kinderplanung: "Frauen zwischen 30 und 40 gehen ein bisschen verloren." Ältere seien dann wieder engagierter.

Obwohl einige Juso-Mitglieder unter den Delegierten waren, gab es keine Reibereien zwischen Alt und Jung. "Wir können personell und inhaltlich überzeugen", fand Wein. Alle konzentrierten sich auf die anstehenden Wahlen, die Groko war bei der Veranstaltung in Neustadt kein Thema.

Frauen zwischen 30 und 40 gehen ein bisschen verloren.Carolin Wagner erklärt, warum sich kaum junge Frauen auf der Landtagswahlliste finden

Wahlergebnisse

Landtagswahl: Stimmkreiskandidaten (Platz 1 bis 8): Annette Karl (Stimmkreis Weiden), Uwe Bergmann (Amberg-Sulzbach), Margit Wild (Regensburg-Stadt), Peter Wein (Schwandorf), Jutta Deiml (Tirschenreuth), Matthias Jobst (Regensburg-Land), Franz Kopp (Cham), Andre Madeisky (Neumarkt). Listenkandidaten (Platz 9 bis 16): Dr. Carolin Wagner (Regensburg-Stadt), Dr. Armin Rüger (Amberg-Sulzbach), Evi Thanheiser (Schwandorf), Raphael Bittner (Tirschenreuth), Petra Lutz (Regensburg-Land), Philipp Eisinger (Neumarkt), Dr. Sema Tasali-Stoll (Weiden), Sebastian Meier (Cham).

Bezirkstagswahl: Stimmkreiskandidaten (Platz 1 bis 8): Richard Gassner (Amberg-Sulzbach), Brigitte Scharf (Tirschenreuth), Sebastian Koch (Regensburg-Stadt), Sabine Zeidler (Weiden), Armin Schärtl (Schwandorf), Martin Schoplocher (Cham), Günther Stagat (Neumarkt), Karl Söllner (Regensburg-Land). Listenkandidaten (Platz 9 bis 16): Silke Schell (Cham), Diethard Eichhammer (Regensburg-Land), Danielle Gömmel (Neumarkt), Martin Grill (Schwandorf), Nicole Bäumler (Weiden), Heinrich Kielhorn (Regensburg-Stadt), Thomas Döhler (Tirschenreuth), Peter Danninger (Amberg-Sulzbach). (esa)

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