Ein deutscher Meister hört auf
Neustädter Manuel Ziegler mit Sprung ins neue Leben

Dreispringer Manuel Ziegler aus Neustadt/Waldnaab gehörte jahrelang der deutschen Spitze in seinem Sport an. Jetzt musste der 26-Jährige seine Karriere aus Verletzungsgründen beenden. Bilder: Kiefner, Maier
Sport
Neustadt an der Waldnaab
01.01.2017
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"Ich habe in der ganzen Zeit so viele gute Freunde gefunden, viele schöne Erfahrungen gemacht." Zitat: Manuel Ziegler

Aus dem ganz großen Traum ist nichts geworden - Olympische Spiele fehlen in seinem sportlichen Lebenslauf. Und dennoch hat Manuel Ziegler in seiner Karriere große Sprünge gemacht. Der Dreispringer aus Neustadt/Waldnaab hat nun andere Ziele.

Neustadt/Waldnaab. Pokale, Medaillen, Urkunden - dafür holen Sportler das Letzte aus ihrem Körper. Aber Trophäen sind bei weitem nicht alles. "Ich bin schon stolz auf meine Pokale und Medaillen", blickt Manuel Ziegler, der zuletzt für die LG Telis Regensburg startete, zwar auf seine großen Erfolge zurück. Er hat aber in seiner Karriere auch vieles gewonnen, was man nicht in Vitrinen oder Schränke stellen kann. Das hat man im Kopf, das hat man im Herzen: "Ich habe in der ganzen Zeit so viele gute Freunde gefunden, viele schöne Erfahrungen gemacht", erzählt der junge Mann begeistert. "Ich habe Kontakte fürs Leben." Ob in den USA, wo er zwei Auslandsaufenthalte hatte, oder in Dresden, wo er studierte, trainierte und zum Spitzen-Leichtathleten reifte. Oder in seiner Oberpfälzer Heimat, in Neustadt/Waldnaab, wo er schon in ganz jungen Jahren auf vielen Sportfesten erfolgreich war.

Das Leben als Profisportler ist für Manuel Ziegler vorbei. Im Herbst erklärte der Neustädter, der über Jahre zu den besten Dreispringern in Deutschland gehörte, seinen Rücktritt. Irgendwie schweren Herzens, aber auch nachvollziehbar. Die Verletzungen in den vergangenen Monaten hatten ihn auch etwas zermürbt. "Ich hab zwar noch überlegt, ein Jahr dranzuhängen, aber dann gab es ein gutes Jobangebot." Seit September arbeitet der 26-Jährige als Wirtschaftsingenieur bei einer Münchener Unternehmensberatung und hat derzeit in der Automobilbranche eine interessante Tätigkeit. "Und Fulltime-Job und Profisport, das geht nicht", sagt der Oberpfälzer.

Alle Vor- und Nachteile eines Rücktritts hatte Ziegler genau abgewägt. Deshalb steht er auch zu seiner Entscheidung, einen Schlussstrich zu ziehen. Das einzig große Ziel für den deutschen Meister des Jahres 2014 wären die Olympischen Spiele 2020 in Tokio gewesen. "Aber vier Jahre, das ist so eine lange Zeit", erklärt er. Da hätte er auch das Jobangebot ausschlagen müssen. Dabei war er schon vor gut einem Jahr auf dem Sprung zu Olympia. Ziegler galt als heißer Kandidat für Rio. In den Jahren 2014 und 2015 ging richtig was voran. Einer der Faktoren laut Ziegler: "In Dresden bei Jörg Elbe hatte ich eine starke Trainingsgruppe." Nachdem er schon 2012 einmal in den USA in Memphis (Tennessee) zum Studieren und Trainieren war, ging er 2015 noch einmal über den Atlantik, weil er sich dadurch auch bessere Chancen auf eine Rio-Teilnahme versprach. Gepuscht vom deutschen Meistertitel 2014 und seiner persönlichen Bestweite (16,71 Meter), die er Anfang 2015 sprang, wollte er sich in Blacksburg (Virginia) den letzten Schliff für die Olympia-Quali holen. Ziegler war topmotiviert: "Ich habe damals gemerkt, dass ich richtig Potenzial habe, da wollte ich alles auf den Sport ausrichten."

Letzter Sprung in Florida

Der Geist wollte, der Körper streikte aber: Muskelfaserriss, ständig Leistenprobleme. "Im Herbst 2015 ging die Leidensgeschichte los." An geregeltes Training war kaum zu denken. Ziegler kämpfte sich immer wieder ran, "doch die Rückschläge waren frustrierend". Mit der bitteren Konsequenz, wie er sagt: "Ende 2015 war der Olympiatraum geplatzt." Heuer im Mai bestritt der Leichtathlet in Jacksonville in Florida den letzten Wettkampf. Im Juni reifte immer mehr der Entschluss aufzuhören.

Abtrainieren Pflicht

Derzeit sucht Ziegler etwas Abstand von seinem Sport. "Obwohl es natürlich schon manchmal juckt. Man ist es ja gewohnt, tagtäglich zum Training zu gehen." Sport treibt er weiterhin. Ein Leistungssportler wie er muss nach seiner Karriere auch abtrainieren. "Und ich jogge ab und an." Seine volle Leistung bringt der 26-Jährige jetzt am Arbeitsplatz. Die Medaillen und Pokale aus seiner Karriere sieht er derzeit nur, wenn er bei Mama Petra, Papa Manfred und Bruder Simon, der noch als erfolgreicher Mehrkämpfer unterwegs ist, zu Hause ist. "Wenn ich mal selbst ein Haus habe, kriegen die Sachen einen schönen Platz." Trotz der vielen tollen Erfahrungen und Erlebnisse: Pokale, Trophäen und Medaillen gehören für einen Sportler einfach dazu.

Ich habe in der ganzen Zeit so viele gute Freunde gefunden, viele schöne Erfahrungen gemacht.Manuel Ziegler


Mehr als 20 Jahre lang erfolgreichMit 5 Jahren landete der kleine Manuel Ziegler erstmals in der Sandgrube - als Mini-Weitspringer. Über Jahre hinweg war der jetzt 26-jährige Neustädter Mehrkämpfer und heimste unzählige bayerische Meistertitel ein. Als 15-Jähriger spezialisierte er sich dann auf den Dreisprung. In dieser Disziplin gehörte er mehr als zehn Jahre dem B-Kader des Deutschen Leichtathletikverbandes an, er führte zudem über einige Monate die deutsche Rangliste an. Einige Male war der Oberpfälzer auch für Deutschland bei Ländervergleichen am Start. Höhepunkt war hier Silber bei der Team-EM im englischen Gateshead. Aus nationaler Sicht überstrahlt der deutsche Meistertitel 2014 alles. Pech war, dass Ziegler mit seiner Siegerweite von 16,54 Metern die Quali-Norm für die EM in Zürich nur um einen Zentimeter verpasste. (mr)
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