30.06.2017 - 20:30 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Abiturientlassfeier des Gymnasiums Neustadt Bauarbeiter bei der Oscarverleihung

Glamouröser Vormittag in der Stadthalle: Das Gymnasium Neustadt verabschiedet seine Abiturienten. Ständig präsent: die Baustelle am Schulgebäude.

Zwischen 1,0 und 1,4: Das sind die besten Abiturienten des Neustädter Gymnasiums, eingerahmt von Schulleiter Anton Hochberg (links) und Landrat Andreas Meier (rechts). Bild: Schönberger
von Julian Trager Kontakt Profil

Ein Hauch von Hollywood in der Stadthalle. Wie bei der Oscarverleihung brezelten sich die jungen Menschen auf: Frauen in langen Roben und hohen Absätzen, Männer in Anzug mit Fliege. Zudem: Jede Menge Preise, lange Reden, Danksagungen, stolze Eltern, Blitzlichtgewitter der Fotografen. Nur eins war anders: Statt einer goldenen Statue bekamen die Schüler eine schlichte rote Mappe aus Papier. Stolz und glücklich waren sie darüber trotzdem.

80 Zwölftklässler des Neustädter Gymnasiums empfingen ihr Abiturzeugnis. Von Lehrern, Eltern und Politikern wurden sie gebührend aus der Schule verabschiedet. Die Abiturentlassfeier fand zum ersten Mal in der Stadthalle statt. Die bot der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen. Der Grund für den Umzug: Das Gymnasium ist eine Baustelle. "Seit Februar steht nur ein Drittel des Gebäudes für den Gesamtunterricht zur Verfügung", erklärt Schulleiter Anton Hochberger. "Eine schwierige Zeit", gibt der Oberstudiendirektor zu.

Eltern als Architekten

Das griffen die Schülersprecher Rüdiger Hilt und Tobias Hör in ihrer Rede auf. Sie bezeichneten das Leben der Abiturienten als Baustelle. "Vor zwölf Jahren wurde der erste Spatenstich getätigt." Schuljahr für Schuljahr sei Ziegelstein für Ziegelstein gelegt worden. Manche Konstrukte seien vom Druck, der auf ihnen lastete, früh zusammengebrochen. Die meisten hätten aber fleißig weiter gearbeitet. Die Schülersprecher bedankten sich bei den Architekten, den Eltern, sowie bei den Projektleitern, den Lehrern.

Der schwerste Abschnitt sei die Oberstufe gewesen. "Zwei Jahre wurden Doppelschichten, Nachtschichten und Überstunden geschoben, damit wir Bauarbeiter dem Zeitplan nicht hinterherhingen und die Architekten und Projektleiter zufrieden sind." Eine wichtige Phase sei das gewesen, schließlich entschied sie über die zukünftigen Erweiterungen des Baus. "Nun stehen wir vor unseren bisherigen Meisterwerken und können stolz darauf sein." Hilt und Hör erinnerten auch an die schönen Momente ihrer Gymnasialzeit: Schullandheim, Skikurse, Abifahrt.

Jeder selbst Projektleiter

Am Ende der Rede nahmen sie ihr Thema noch einmal auf: Heute bekämen die 80 Schüler mit dem Abizeugnis den ersten Stein für die nächsten Stockwerke ihres Gebäudes. Denn, wie die Schülersprecher sagten: "Wir sind jetzt die Projektleiter und Architekten unseres eigenen Lebens." Man müsse einfach loslegen zu bauen.

Schulleiter Hochberger blickte in seiner Rede ins 19. Jahrhundert zurück. Er sieht viele Parallelen zur heutigen Zeit. "Eine komplizierte Weltlage", findet er. Dann nahm er die Abiturienten in die Pflicht: "Damit unsere freiheitliche Welt ihren hohen Stellenwert behält, benötigt die Gesellschaft Ihre Mithilfe." Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Mitmenschen sollten die jungen Menschen übernehmen.

Landrat Andreas Meier nahm die Schüler ebenfalls in die Verantwortung: "Engagiert euch in der Gesellschaft." Das könne jeder - unabhängig vom Schnitt. "Man kann auch mit einem Dreier-Abischnitt Landrat werden", ermuntert Meier. Mit einer Einschränkung: "Nur nicht die nächsten 15 Jahre." Auch Elternbeiratsvorsitzender Armin Aichinger und Wolfgang Christ, stellvertretender Vorsitzender des Vereins der Freunde des Gymnasiums Neustadt, gratulierten. Für die musikalische Unterhaltung sorgten die Abiturienten selbst. Auch hier zeigten sie sich hollywoodreif.

Die Besten

Die besten Abiturienten: Marina Sauer 1,0 (Parkstein), Niklas Höning 1,1 (Windischeschenbach), Laura Schieder 1,1 (Parkstein), Philipp Bergmann 1,2 (Neustadt/WN), Rüdiger Hilt 1,3 (Schwarzenbach), Nicole Mark 1,3 (Windischeschenbach), Berkay Aksu 1,4 (Windischeschenbach), Susanne Frummet 1,4 (Neustadt/WN), Sarah Rüstow 1,4 (Parkstein). Bester Physiker : Philipp Bergmann; beste Mathematikerin: Marina Sauer; bester Chemiker: Niklas Höning; beste Biologin: Anna Schröfl; beste Lateinerin: Laura Schieder; Beste in Wirtschaft und Recht: Nicole Mark, Nadine Glaser, Felix Uschold; Basketballpreis: Christoph Sailer; Preis für soziales Engagement: Rüdiger Hilt.

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