09.02.2018 - 13:10 Uhr
Neustadt an der Waldnaab

Afrikanische Schweinepest (ASP) steht vor der Tür Beleidigung für alle Jäger

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) steht vor der Tür. Ein Ausbruch bei uns scheint nur noch eine Frage der Zeit. Die Folgen für die Schweinezüchter wären verheerend. Sobald nur ein Tier auf einem Hof betroffen ist, muss der ganze Bestand getötet werden.

Ein Wildschwein fest im Visier: Der Bauernverband fordert die Jäger auf, zur Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest 70 Prozent des gesamten Schwarzwildbestandes zu schießen. Archivbild: bö
von Martin Staffe Kontakt Profil

Neustadt/Weiden. Inzwischen verenden auch in den Nachbarländern Polen und Tschechien immer mehr Wild- und Hausschweine an der ASP. Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Jena geht davon aus, dass sich der Erreger in den Ländern östlich von Deutschland in der Wildschweinpopulation endemisch und damit dauerhaft etabliert hat. Das Virus, gegen das es keinen Impfstoff gibt, wird an immer neue Tiere weitergegeben.

Die Behörden nehmen die drohende Einschleppung offenbar sehr ernst. Im Landkreis Neustadt und in Weiden werden jetzt Sammelstellen für Wildabfälle eingerichtet, etwa bei der Firma Eggmeier in Haselhöhe (Gemeinde Luhe-Wildenau). Das Landratsamt hat nach Angaben von Pressesprecherin Claudia Prößl zudem die Aufhebung der Schonzeit für Keiler und nicht führende Bachen veranlasst und verzichtet auf Gebühren für verkehrsrechtliche Anordnungen für Bewegungsjagden im Bereich von Kreis-, Staats- und Bundesstraßen.

Wie sehen die Jäger die ASP? Wir sprachen mit Michael Schiffer, dem Vorsitzenden des Jagdschutz- und Jägerverbandes Weiden-Neustadt.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Afrikanische Schweinepest (AFP) die nördliche Oberpfalz entlang der tschechischen Grenze erreicht?

Schiffer: Das Gefahrenpotenzial ist unberechenbar. Da die Übertragungswege hauptsächlich über den Menschen führen, kann es passieren oder auch nicht. Die Gefahr bewegt sich jedoch gegen Westen. Da sind Vorsicht und gute Vorbereitung wichtig.

Wie kann die ASP bei uns verhindert werden?

Den Ausbruch wird man nicht verhindern können. Jedenfalls ist höchste Hygiene wichtig.

Die Tierseuche bedroht die landwirtschaftliche Schweinehaltung und die natürlich vorkommenden Wildschweine. Wie viele Wildschweine gibt es bei uns im Raum Weiden/Neustadt?

Eine Aussage über den Bestand ist sehr schwierig. Ich denke, dass im Landkreis der Bestand jenseits 5000 Stück liegt.

Wie viele Wildschweine haben die Jäger im vergangenen Jahr im Landkreis Neustadt und in Weiden erlegt?

Im letzten Jagdjahr wurden 1462 Stück erlegt. Im Jagdjahr zuvor waren es zirka 1800.

Könnten die Jäger nicht mehr Wildschweine schießen?

Nein, wir sitzen schon jede mögliche Nacht draußen. Da die Wildschweine nur nachtaktiv sind, sind wir auf relativ helle Mondnächte angewiesen. Davon gibt es nicht viele. Wolkenverhangener Himmel und Nebel beeinträchtigen die Sicht erheblich. Eine Alternative wären jedoch gut organisierte, revierübergreifende Drückjagden. Davon verspreche ich mir ein verbessertes Abschussergebnis.

In Bayern bekommen die Jäger pro erlegte Wildsau eine Abschussprämie von 20 Euro? Ist das eine Motivation?

Das ist ein Thema, das mich eigentlich traurig macht. Wir schießen eh schon jedes Wildschwein, das wir kriegen können, sitzen jede mögliche Nacht im Wald oder an den Feldern. Dass jetzt offenbar, wie auch schon Ihre Fragestellung beweist, der Eindruck entsteht, für 20 Euro Prämie würden wir endlich jagen gehen, beleidigt die Jägerschaft im Gesamten.

Warum ist die Zahl der Wildschweine in den letzten Jahren so angestiegen?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Ich versuche das mal in wenigen Sätzen: Klima und Nahrungsangebot befördern eine Reproduktion erheblich. Warme Winter und ein reich gedeckter Tisch mit Maisanbau und Getreide sind da der Bringer. Dazu kommt, dass Maisfelder eine gute Deckung bieten. Die Bejagung nur nachts macht eine Selektion des Abschusses auch sehr schwierig. Die Wissenschaft sagt, dass eine Bestandskontrolle nur über den Abschuss von mindestens 90 Prozent der Jugendklasse funktioniert. Wie soll das bei schlechter Sicht nachts funktionieren?

Ist der Sozialverband einer Rotte erst einmal zerstört, das heißt, die dicke Bache, die man nachts besser sieht als die Frischlinge, erlegt, ist die Reproduktionsrate außer Kontrolle und exorbitant hoch.

Wenn die Landwirtschaft heute fordert, 70 Prozent der Wildschweine zu erlegen, hätte sie nicht so viel Mais anbauen und so die Tiere füttern sollen. Zudem gehören Maisfelder nicht bis an die Waldkante gesät. Auch wären Jagdschneisen in den Maisäckern hilfreich. Man muss sicherlich nicht warten, bis diese Schneisen von den Wildschweinen angelegt werden. Aber hier bezahlt der Jäger die Schneise über die Wildschadensregelung. Alle Beteiligten müssen helfen, die Gefahr so gering wie möglich zu halten.

Wie schnell breitet sich die ASP aus?

Die natürliche Ausbreitung geht langsam voran, etwa 25 Kilometer pro Jahr. Besorgniserregend ist aber die Ausbreitungsgeschwindigkeit über den Menschen, beispielsweise im Schlamm eines Radkastens oder über kontaminierte Lebensmittel.

Ist die ASP ansteckend für Menschen?

Die ASP zählt zu den Zoonosen und kann nicht auf den Menschen übertragen werden.

Kann infiziertes Schweinefleisch gegessen werden?

Dieses Schweinefleisch ist völlig ungefährlich für Menschen und kann gegessen werden. Nachweislich wurde die Seuche über kontaminierte Rohwurst aus der Ukraine ins Baltikum eingeschleppt. (Hintergrund)

Hintergrund

Die ASP ist eine für Haus- und Wildschweine hochansteckende Tierseuche. Die Erkrankung ist für Schweine nicht heilbar und endet in der Regel tödlich. Für andere Tiere und vor allem für Menschen ist die Erkrankung laut Experten völlig ungefährlich, aber Menschen und Tiere können die Seuche übertragen. Verursacht wird die ASP durch ein sehr widerstandsfähiges Virus, das auch noch in rohem Schweinefleisch, zum Beispiel Rohschinken oder Salami, infektiös ist.

Bisher ist diese Tierseuche in Deutschland noch nicht aufgetreten, aber in Tschechien, Polen, Rumänien und anderen Staaten in Osteuropa. Das Hauptrisiko einer Einschleppung besteht darin, dass Wildschweine von infizierten Tieren stammende Speisereste fressen. Die größte Gefahr der Einschleppung der ASP geht von Reisenden aus, die infizierte Lebensmittel aus den bereits betroffenen Ländern einführen und zum Beispiel an Rastplätzen oder am Straßenrand wegwerfen. Unter ungünstigen Bedingungen kann schon eine unachtsam entsorgte Wurstsemmel ausreichen. Diese Lebensmittel könnten von Wildschweinen oder anderen Tieren gefressen werden, die dann die Seuche weiterverbreiten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft informiert bereits mit mehrsprachigen Plakaten und Faltblättern, dass Lebensmittel wie Salami und Rohschinken nur in fest verschlossenen Müllbehältern entsorgt werden dürfen.

Besonders effizient ist nach Ansicht des Friedrich-Loeffler-Instituts die Übertragung durch Schweiß. Bereits kleinste Tropfen reichen für eine Infektion. Daher mahnen die Experten zur Hygiene bei der Jagd. (ms)

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