Bund Naturschutz und Bürgerinitiative sind gegen Südost-Link und Ostbayern-Ring
„Schmutziger, schwarzer Strom“

Schon jetzt trüben Stromleitungen den Blick vom Sauerbachtal in Richtung Parkstein. Die geplante Tennet-Trasse ist noch größer dimensioniert. Naturschützer zweifeln überhaupt am Sinn der angeblich notwendigen Maßnahme. Bild: Schönberger

Über der Erde der Ostbayern-Ring, unterirdisch der Südost-Link. Die beiden Stromtrassen, die durch den Landkreis führen sollen, erhitzen weiter die Gemüter. Naturschützer laufen Sturm.

Kürzlich hat Netzbetreiber Tennet die Bewertung der Regierung zur Trassenführung des Ostbayern-Rings veröffentlicht. Was die Verwaltung als positiv erachtet, sehen Mitglieder von Bürgerinitiativen und des Bundes Naturschutz (BN) ganz anders. Ausführlich erläutert Jürgen Holl von der BN-Kreisgruppe seine Ansichten und reagiert damit auf den NT-Bericht "Sauer am Bach" vom 29. Dezember.

In einem offenen Brief prangert er ein merkwürdiges Vorgehen an. Netzbetreiber Tennet habe den zukünftigen Bedarf für die Stromversorgung in seinem Zuständigkeitsbereich (Ostbayern-Ring) neu berechnet und diese Berechnungen der Bundesnetzagentur vorgelegt. Die Agentur habe - ohne Alternativenprüfung oder Nachberechnung ("mangels eigener Kompetenzen oder Kapazitäten") - diese Berechnungen übernommen und der Bundesregierung als "Gesetzvorschlag" übermittelt. Diese wiederum habe das Gesetz erlassen und dann Tennet mit der Umsetzung dessen eigener Planungen beauftragt.

Keine belastbaren Zahlen

"Warum der Ostbayern-Ring auf die mehr als 2,5-fache Kapazität ausgebaut werden muss, wurde im Raumordnungsverfahren nicht wirklich erklärt und stattdessen mit der Einspeisung erneuerbarer Energien argumentiert", kritisiert der BN-Geschäftsführer. "Wer in Ostbayern soll in den nächsten Jahrzehnten mehr als doppelt soviel Strom verbrauchen wie bisher?"

Die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) soll beim Südost-Link Strom nach Südbayern leiten, um den Strommangel nach der Abschaltung der Atomkraftwerke zu kompensieren, schreibt der Naturschützer. "Auch dafür gibt es keine belastbaren Zahlen, keine Alternativen oder gar Überlegungen, wie viel Strom durch mögliche Einsparungen gar nicht produziert werden müsste." Die Trasse führt laut Holl vom AKW Isar zu ostdeutschen Braunkohlerevieren. "Nicht aber von den Küsten oder in den mittel- und ostdeutschen Windparks, wo regenerativer Strom erzeugt, aber größtenteils im Umland schon verbraucht wird. Wer bis drei zählen kann, könnte sich ausrechnen, dass Südbayern demzufolge in den nächsten 40 Jahren mit Braunkohlestrom versorgt werden wird."

Biologe Holl wirft Tennet und den Bürgermeistern vor, dass bei den Leitungen neue Gewerbegebiete berücksichtigt werden - und das, obwohl es in 50 Kilometern Umkreis schon 250 Hektar voll erschlossene, aber leerstehende Gewerbeflächen gebe. Stattdessen würden die Leitungen durch Naherholungsgebiete wie dem Sauerbachtal führen, die der Mensch als Ausgleich brauche. "Und das ungeachtet der Befürchtung, dass in Zukunft nicht grüner, sondern schmutziger, schwarzer Strom nach Südbayern fließen wird."

Josef Langgärtner sieht das ähnlich. "Umweltfreundlich gewonnener, grüner Strom ist ein verschwindend geringer Anteil des zu transportierenden Stromes. Am oberen Ende ist der Ostbayern-Ring an die Thüringer-Strom-Brücke angeschlossen, die ihrerseits in der Nähe von Halle beginnt, verbunden mit dem dortigen Braunkohlekraftwerk. In Etzenricht wird die Atomstromleitung aus Temelin angebunden", erklärt der Sprecher der Bürgerinitiative Neustadt gegen die Trasse in einem Schreiben an die Redaktion. Elektroingenieur Langgärtner erklärt, "dass erneuerbarer Strom - zumindest in unserer Gegend - zu 90 Prozent im Nieder- und Mittelspannungsnetz transportiert wird und vor Ort verbraucht wird".

Ersatzleitung für Ernstfall

Falls der Strom einmal ausfalle, müsste für den Ernstfall eine zusätzliche 380-kV-Ersatzleitung vorhanden sein, erläutert Holl. Das werde schon mit dem Bau des neuen Ostbayern-Rings präventiv vollzogen, sagt er. Wenn jedoch wirklich jemand neue alternative Berechnungen anstelle, Möglichkeiten zur Stromeinsparung berücksichtige und zu dem Ergebnis kommt, dass es auch anders ginge, "sind beide Leitungen für die Katz'", betont der Biologe. Er kritisiert, dass die Leitungen jedoch schon gesetzlich festgelegt, geplant und fast gebaut - und vom Steuerzahler finanziert - seien.
7 Kommentare
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Bernhard Pscheidt aus Altenstadt an der Waldnaab | 04.01.2017 | 11:00  
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Siegfried Wieder aus Erbendorf | 04.01.2017 | 11:47  
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 04.01.2017 | 21:48  
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Renate Kühnel aus Weiden in der Oberpfalz | 05.01.2017 | 08:40  
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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 08.01.2017 | 18:01  
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Renate Kühnel aus Weiden in der Oberpfalz | 09.01.2017 | 00:55  
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Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 09.01.2017 | 12:49  
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