Christkindlanschießen in St. Quirin
Mit Pistole in die Kirche

Die Laterne steht bereit im Freisitz von Bürgerwehr-Vorsitzendem Sebastian Scharnagl (links) in Oberndorf. Mit Aktuar Helmut Fukerider bespricht er die Details zum Christkindlanschießen an St. Quirin. Bild: Schönberger

Mit dem Vorderlader und Schießpulver in der Tasche besucht die Bürgerwehr am Heiligen Abend die Christmette. Zu Fuß gehen die Männer den Weg von Oberndorf bis zum Quirin.

Neustadt. Gegen 22.30 Uhr werden sie sich wie alle Jahre seit 1985 auf dem Hof von Vorsitzendem Sebastian Scharnagl treffen. Die Schützen kommen in Zivil. Die historischen blau-weißen Gewänder hatten sie nur in dem Jahr an, in dem das Bayerische Fernsehen beim Christkindlanschießen zu Besuch war. Eigentlich sei das kurios, meint Aktuar Helmut Fukerider. "Im Sommer ist die Uniform zu warm und im Winter tragen wir sie nicht."

Laternen mit Kerzen

Auf dem zwei Kilometer langen Weg durch den Wald und am Schluss auf den Botzerberg sorgen Holzlaternen mit Kerzen für Licht. Scharnagel und einige andere Schützen haben noch Lampen, die Fukeriders Vater Hermann für die Bürgerwehr angefertigt hat. "Unterwegs wird nicht viel geredet, weil es oft zu kalt ist", erinnert sich Scharnagl.

Meist sind es 10 bis 15 Mann, die durch die Nacht marschieren. "Manchmal schmuggelt sich die ein oder andere Marketenderin dazwischen." Die anderen treffen ihre Männer in der Messe. "Wir sind schon bei Regen und Schnee gegangen." Einmal bisher sei er mit dem Traktor mit der Schneeschaufel vorneweg gefahren, kramt der Unterleutnant in seinen Erinnerungen. Ein einziges Mal habe man abgekürzt. "Da gab es Eisregen. Die Kirche war nur halb voll."

Schon vor der Ankunft im Gotteshaus hört der Zug die Glocken von St. Quirin. "Wir sind frühzeitig auf den Plätzen an der Empore." Das ist wichtig, denn die Bürgerwehr muss noch vor dem Ende der Messe nach dem Schlusssegen aus der Kirche raus. Während drinnen die drei Strophen von "Stille Nacht" erklingen, nehmen die Männer draußen Aufstellung.

Wenn dann alle Besucher das Gotteshaus verlassen haben, kommt der große Moment der Böllerschützen. Auf Kommando schießen sie erst gemeinsam und dann noch einzeln mit den Vorderladerpistolen in die Luft. Dass mal ein Vorderlader nicht losgeht, ist besonders bei feuchtem Wetter ganz normal. "Die Kälte ist kein Problem außer für die Finger beim Aufsetzen des Zündhütchens."

Den Brauch des Christkindlanschießens hat es am Quirin wohl schon lange gegeben, er war dann aber in Vergessenheit geraten. Der ehemalige Pfarrer Konrad Schießl habe Mitte der 1980er Jahre in alten Kirchenbüchern gefunden, dass die Pfarrei Püchersreuth an die Bürgerwehr Neustadt Pulvergeld dafür bezahlt habe, weiß Fukerider. "Das muss im 18. Jahrhundert gewesen sein." Auf Schießls Anfrage, belebte die Bürgerwehr die Tradition 1985 wieder. "Wir haben das gemacht, weil uns der Pfarrer gebeten hat", meint Scharnagl. Schießls Nachfolger Manfred Wundlechner habe die Bitte erneuert. "Mittlerweile ist das für uns eine Selbstverständlichkeit. Da wird man nicht mehr alle Jahre gefragt."

Langer Nachklang

Für die Mannen von der Bürgerwehr hat es sich eingebürgert, dass der, der zur Christmette geht, mit zum Quirin kommt. Fukerider: "50 bis 60 Prozent der Aktiven sind meist da." Nach dem Schießen gehen die Böllerschützen zum Reden an den Glühweinstand auf den Vorplatz und dann mit Laternen zurück nach Oberndorf. Dort klingt der Heilige Abend in Scharnagls Bürgerwehr-Keller irgendwann aus.

Gegen Dämonen und GeisterDas Christkindlanschießen geht vermutlich zurück auf einen alten Brauch, um Dämonen und Geister durch Lärm zu vertreiben. Der Ursprung liegt wohl weit vor der Erfindung des Schießpulvers. Es war früher in vielen Gegenden üblich, an den bedeutendsten Raunächten der Weihnachtszeit zu schießen. Verbreitet ist diese Tradition mit Böllern bereits in der Adventszeit vor allem noch im Berchtesgadener Land. Schützenvereine haben dort richtige Unterabteilungen zum Weihnachtsschießen. In einigen Gegenden wird es mittlerweile auch zur Touristenattraktion und manchmal bereits am Nachmittag des 24. Dezembers gepflegt. Hintergrund kann sein, dem Christkindl mit lauten Böllern den Weg in die Häuser zu weisen. (ui)
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