04.12.2017 - 14:21 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Festakt 25 Jahre Staatliche Höhere Landbauschule Almesbach Saat geht auf

In zwei Semestern zum Agrarbetriebswirt: Die Höhere Landbauschule Almesbach macht's den jungen Landwirten seit 25 Jahren möglich. Bei einem Festakt betonen die Redner die große Bedeutung der Bildungsstätte.

Die hohe Bedeutung der Höheren Landbauschule betonen (von links) stellvertretender Landrat Albert Nickl, OB Kurt Seggewiß, Michael Karrer vom bayerischen Landwirtschaftsministerium, Ehemaligen-Chefin Petra Hager, Schulleiter Helmut Konrad und Bürgermeister Rupert Troppmann. Bild: zer
von Rita KreuzerProfil

Nachdrückliche Forderungen von jungen Landwirten aus der Region führten 1992 zur Gründung der Staatlichen Höheren Landbauschule (HLS) in Almesbach. Dies hatte weitreichende Folgen: Die Nähe zu den Betrieben ermöglichte es vielen Hofnachfolgern, sich in der Schule intensiv auf ihre bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten. Mittlerweile durchliefen knapp 400 Schüler die Einrichtung, wie Leiter Helmut Konrad in seinem Rückblick bilanzierte. Die Verantwortlichen hätten vor 25 Jahren "etwas Wertvolles geschaffen", sagte er beim Festakt in der Stadthalle Neustadt.

Die Festansprache hielt Ministerialrat Michael Karrer vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium. Wer langfristig ein landwirtschaftliches Familienunternehmen erfolgreich führen wolle, brauche mehr als nur das angelernte Wissen, betonte er: nämlich "Unternehmenspersönlichkeiten, die erkennen, dass Bildung Zeit braucht". Wichtig sei auch der "weite Blick auf die Dinge", um etwa ein Auslandspraktikum oder eine Ausbildertätigkeit zu beginnen oder in einem Verband mitzuarbeiten. Karrer: "Bildung braucht Zeit."

Bayernweite Netzwerke

Die Gesellschaft sei neugieriger geworden, was die Landwirtschaft betrifft - "dies müssen wir als Chance verstehen". "Sind die klassische Berufsausbildung und Fortbildung noch konkurrenzfähig?", erklärte der Redner - und bejahte die Frage. "Denn ein Abschluss an der Höheren Landbauschule braucht keinen Bachelor zu fürchten." Oftmals erkennen Personalverantwortliche im nachgelagerten Bereich, dass eine praxisnahe, persönliche Ausbildung Vorteile für die Unternehmen bringe. Bundesweit träten Absolventen der Fachschulen bei Vorstellungsgesprächen an, bei denen früher nur Bewerber mit Bachelor eingeladen gewesen seien. Die Höhere Landbauschule biete die Chance zur Vertiefung in Managementfragen, zu Finanz-, Steuer- und Rechtsfragen. Zudem entstünden durch Projektarbeiten, Planungsseminare und Kontakte bayernweite Netzwerke, die oft ein Leben lang hielten.

Grüße auch von OB Kurt Seggewiß überbrachte stellvertretender Landrat Albert Nickl. Er nannte die Schule eine wichtige Einrichtung für die gesamte Oberpfalz. "Hier gehen Stadt und Land auch Hand in Hand, denn die Zukunft gehört denen, die sich heute darauf vorbereiten." Bürgermeister Rupert Troppmann zeigte sich stolz, dass dieses Jubiläum in der Stadthalle gefeiert wurde.

Ringen um Anerkennung

Hans Koller vom Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (VLF) betonte seine Verbundenheit mit dem Institut. "Die HLS ist als Schultyp eine entscheidende Grundlage für ein erfolgreiches Bestehen und Meistern. Die Schule kombiniert Wissen mit dem Können, die Theorie mit der Praxis, und bildet die Fähigkeit des eigenständigen Denkens." BBV- Bezirkspräsident Josef Wutz unterstrich, dass die Land- und Forstwirtschaft vor neuen Herausforderungen stehe. "Wir müssen diese annehmen, dazu gehört die Ausbildung. Wir müssen uns als Berufsstand wieder die Anerkennung verschaffen, die wir verdient haben."

Petra Hager, Vorsitzende des Ehemaligenverbandes, sprach über die "Bildungsarbeit nach der HLS". Auch hier zeigt sich, was die große Familie Almesbach ausmacht: Begegnungen und Freundschaften. Dazu kämen Stammtische, Praktikertage, aktuelle Infos, HLS-Feste und -Treffen, Vorträge, Werksbesichtigungen und "Erlebnisjahreshauptversammlungen". Hager: "Die Höhere Landbauschule ist die Ausbildung, die auf das Leben als Landwirt, als Betriebsleiter, als Unternehmer, als Persönlichkeit für das öffentliche und familiäre Leben vorbereitet. Wir als Ehemaligenverband der Höheren Landbauschule wollen sie weiter begleiten." Es spielte die Bläsergruppe "Musikuss" unter der Leitung von Rita Schmidbauer.

Theorie und viel Praxis

Umfassend blickte Schulleiter Helmut Konrad auf die Geschichte der Höheren Landbauschule seit 1992 zurück. "Unser landwirtschaftliches Bildungssystem hat hierzu eine gut gegliederte und aufeinander aufbauende Struktur. Landwirtschaftliche Lehre mit anschließender Berufspraxis, Landwirtschaftsschule und Meisterprüfung und schließlich Höhere Landbauschule bilden die künftigen Betriebsleiter in den entsprechenden Altersstufen." Zunächst stehe das rein Fachliche im Vordergrund. Es folge die Fortbildung zum Betriebsleiter bis hin zum Ausbilder und Unternehmer. Dass diese landwirtschaftliche Bildung sieben Jahre braucht, sei dem fachlichen Anspruch des Berufs Landwirt geschuldet, für die Vorbereitung auf die vielschichtigen und verantwortungsvollen Aufgaben aber auch notwendig, sagte Konrad. Hier leiste die Höhere Landbauschule einen wesentlichen Beitrag.

Gerade der Standort Almesbach habe einen einzigartigen Vorzug: Die Schule stehe mitten in einem Bauernhof, dem Betrieb des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums. "Was im Lehrsaal besprochen wird, kann in der Praxis demonstriert und geübt werden. Was in der Praxis an Erfahrungen vorliegt, kann in den Unterricht eingebracht werden." So habe die Almesbacher Schule den großen Vorteil der Verknüpfung von Theorie und Praxis, wie sie von den künftigen Betriebsleitern auch gefordert werde. "Die Almesbacher HLS ist somit die ideale Vorbereitung auf die Aufgaben der Betriebs- und Unternehmensführung." (zer)

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