21.08.2017 - 18:42 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Hammerharlesberg- einer der ältesten Orte im Landkreis Vom Hammer zum Kraftwerk

Der Eisenhammer Harlesberg gehört zu den ältesten der Oberpfalz. Das Siegel, das vor 630 Jahren der Besitzer Ulrich Hirschl verwendete, liegt heute in Amberg. Doch es gibt noch mehr Verbindungen an die Vils.

Zwei dieser Turbinen und ein Generator sind an der Waldnaab in Hammerharlesberg rund um die Uhr in Betrieb. Je nach Wasserstand erzeugen sie rund 35 bis 40 Kilowattstunden Strom. Bilder: cr (3)
von Rainer ChristophProfil

Hammerharlesberg. Ebenfalls 1387 wurde die Hammervereinigung für alle Hammerwerke in der Oberpfalz erstellt. 1497 gab es einen neuen Vertrag zwischen dem Kurfürsten der Pfalz und den Pfalzgrafen von Mosbach, Bayern-München, Landshut, und den Städten Amberg und Sulzbach. Holzmangel führte später zum Aus für den Hammer. Bereits vor Hirschls Zeit stand an dieser Stelle eines der über 300 Hammerwerke der Oberpfalz. Sie waren eine Kombination von Schmelzhütte und Weiterverarbeitungsstätte zu Halbfertigungsware. Im Mittelalter wurde hier mehr Eisen produziert als in Frankreich und Großbritannien zusammen.

In einem Steuerbuch des Herzogtums Niederbayern von 1270 gibt es den Hinweis auf einen Hammer in Harlesberg mit dem damaligen Name "Horminsperch", der zum Amt Störnstein gehörte. Der Ort zählte vier Höfe, die beiden heute an der Naab gelegenen und die der Familien Scheidler und Witt am Bergrücken.

Selbstständigkeit verloren

Am 17. Juli 1353 kam die Herrschaft Störnstein/Neustadt als Pfand an den böhmischen König und Kaiser Karl IV., 1368 wurde mit Ulrich Wurger erstmals ein Hammerschmied namentlich erwähnt. Von 1420 bis 1500 kam es zu einem häufigen Wechsel der Hammermeister. 1502 tauchte dann die Witwe Adelheit Hornungsperger aus Weiden als Besitzerin auf. Die Hammermeister nach dem Jahr 1540 sind nicht mehr selbstständig, sondern Angestellte oder Pächter.

"Vier der fünf ältesten Oberpfälzer Eisenhämmer lagen bei Neustadt an der Waldnaab", berichten Julian und Adrian Bäumler aus Altenstadt in einer historischen Abhandlung. Das Erz sei hauptsächlich in Hammerharlesberg verhüttet worden. "Der Transport erfolgte möglicherweise mit Plätten naababwärts." Dafür spreche auch der noch heute existierende Straßenname Schiffgasse in Neustadt. Fast 300 Jahre bezog Harlesberg das Eisenerz aus der Umgebung. Im 13. Jahrhundert waren die Ämter Parkstein und Störnstein federführende Erzlieferanten. Es existiert die Geschichte, dass um 1348, als Karl IV. Neustadt um die Freyung erweiterte, über 100 Bergleute dort wohnten.

Am Kalvarienberg berichtete der ehemalige Rektor Karl Singer von Halden und verfallenen Stollenlöchern. Im Bärenloch im Kronholz wurden ebenfalls Schächte gefunden. Ein Grundstück an der Flosser Straße in der Kreisstadt wird als "Eisenacker" bezeichnet. Aus dem Zwergloch am Klauberg kam das Wasser so eisenhaltig, dass es früher in einem Badehäuschen zu Heilzwecken aufgestaut wurde. Stollen finden sich im Sauerbachtal, bei Edeldorf gab es 1516 unter den Lobkowitzern ein Bergwerk.

Nach der totalen Ausbeutung des Erzes erfolgte der Nachschub aufwändig von Amberg her. Mit großer Raffinesse wurden die Hammervereinigungen in die Hände der Amberger Bürger gespielt. Die Hammermeister mussten, um Erz zu erhalten, das Amberger Stadtrecht erwerben. Sprechen wir heute über Kartellabreden, so gab es das damals auch schon. 1497 gab es einen neuen Vertrag zwischen dem Kurfürsten der Pfalz und den Pfalzgrafen von Mosbach, Bayern-München, Landshut sowie den Städten Amberg und Sulzbach.

Logo und Löhne

Geregelt waren die Produktionszeit der Hämmer auf 40 Wochenstunden, die Produktionshöhe, Gewichte und eine Schutzmarke (Logo) mit eigenem Hammerzeichen. Eine Abwerbung von Hammerleuten war streng verboten. Abgestuft waren die Löhne vom Facharbeiter über den Schmiedemeister bis hin zum Hilfsarbeiter.

Auf Bildern vom Felix, Quirin oder dem Parkstein aus jener Zeit ist auf keinem der Hügel auch nur ein Baum zu sehen. Es gab keine Wälder mehr, der Streit um das Holz als Rohprodukt der für die Verhüttung notwendigen Holzkohle fand vor allem mit der Herrschaft von Pfalz-Neuburg statt. Die Kosten für Holz verdoppelten sich, aus den Parksteiner Wäldern kam kein Holz mehr.

Ärger mit Weiden

Die Heidecker, die den Hammer 1542 gekauft hatten, mussten sich nach neuen Holzlieferanten umsehen, groß war der Streit mit der Stadt Weiden. "Ihr könnt doch froh sein, wenn ihr in Harlesberg eure Eisen kauft, könnt mir aber das Holz nicht gönnt", so der Heidecker. Schreiben, Bittbriefe, Beschwerden, nichts half. Verbittert verließ Jörg Pottenpeck, Hüttkapferer von Harlesberg 1564 seine Arbeitsstätte und zog nach Amberg. Die Stilllegung des Hammers war somit beschlossene Sache.

Heute steht an seiner Stelle ein kleines Wasserkraftwerk, daneben noch die Mühle, die ebenfalls 1270 erstmals erwähnt wird. Sie war für die Versorgung des Hammerwerkgesindes zuständig. Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Weiden wurde ab 1921 immer mehr Strom benötigt. Bald reifte der Entschluss das vorhandene Kraftwerk, drei Kilometer entfernt bei der Mühle in Hammer Harlesberg von der Familie Rauh zu erwerben. Es wurde für 160 Millionen Mark Inflationsgeld total erneuert und neue Turbinen eingebaut.

Von 1925 bis 1951 wurden mit Hilfe des Naabwassers rund knapp 5 Millionen Kilowattstunden Strom produziert und über eine 3,2 Kilometer lange Leitung bis zum Langen Steg geleitet. 1935 bekam der Betriebsführer ein Wohnhaus, das heute noch steht. In den 1970er Jahren kaufte ein Elektromeister aus Cham das Kraftwerk. Heinz Schmidt und seine Frau, die aus dem Müllergeschlecht Rauh stammen, betreuen es heute.

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