Hannes Rupprecht, Waldnaabtaler Bauernmuse und historische Filmaufnahmen in der Stadthalle
Mit Sagen Senioren gefesselt

Gestenreich erzählt Hannes Rupprecht seine selbstgeschriebenen Geschichten, in denen er alte Sagen aus der Region auferstehen lässt. Bilder: Sofie Dreßler (2)
 
Platz mit Herz und Raum fürs Gespräch: Beim Kaffeeausschank packen die Seniorenbeauftragte Gabi Fröhlich und Bürgermeister Ruppert Troppmann in der Stadthalle selbst mit an.

Was macht man am besten, wenn der Traumpartner ausbleibt oder der falsche Mann an der Angel hängt? Eine höchst unterhaltsame Antwort auf diese Frage gibt es beim Seniorennachmittag in der Stadthalle.

Neustadt. "Der Antonius hilft. Wenn nicht, war er auf'm Zoigl", weiß Hannes Rupprecht in seinen "schaurig schönen Geschichten". Ein Rezept für die richtige Anrufung des Heiligen im Bedarfsfall erhalten die gebannten Zuhörer gleich dazu. Störungen dulden die Gäste während des Vortrages nicht. Sie mahnen sich gegenseitig immer wieder zur Ruhe.

Mit Witz und Humor bringt das Windischeschenbacher Original weitere seiner selbst geschriebenen Geschichten rund um das Waldnaabtal auf die Bühne. Alle besitzen einen wahren Kern. Damit ähneln sie der Sagenstruktur, auf der sie beruhen.

Den alten Zeitgeist von Glauben und Naturverbundenheit lässt Rupprecht aufleben. Er führt über die Ufer der Naab "auf die andere Seite der Welt". Dort tummeln sich Zwerge mit Pilzkappenhüten, betrogene Wassermänner im Mühlnickelweiher und zu Stein verwandelte Kutscher, die der Teufel zurücklässt.

Die Menschen hätten heute lange keine Zwerge mehr gesehen. Das liege aber nicht daran, dass es sie nicht mehr gebe. "Es gibt sie schon. Es nimmt sich nur keiner mehr die Zeit in die Natur zu gehen, an der Naab still zu werden und zu warten, bis sich die andere Welt zeigt." Schöne Jungfern dürfen in den Erzählungen nicht fehlen. "Mit blauen Augen, tief wie die Waldnaab, zum Ersaufen."

Den Tod nimmt er geschmackvoll auf die Schippe. Musikalisch habe der wenig Erfahrung. Außer "Näher mein Gott zu dir" kenne er kaum Lieder. Ein Gänsehirte bietet an, dem Gevatter ein lustiges Lied zu pfeifen, um dessen Horizont zu erweitern.

Den Nerv der Senioren trifft er damit punktgenau. "Ich bin jedes Mal dabei und immer wieder begeistert. Sowas bekommt man sonst in meinem Alter nicht geboten. Es ist vollkommen still hier, weil alle so interessiert zuhören", sagt Irmgard Fink aus Weiden. Die musikalische Stimmung für den Nachmittag schafft die "Waldnaabtaler Bauernmuse" .

Mit Filmaufnahmen von Neustadt blickten die Rentner auf alte Zeiten zurück. Die Impressionen stellte Alfred Spachtholz aus Aufnahmen zusammen, die von Aloysia Rebl stammen. Entstanden sind sie um das Jahr 1965. Rebl besaß damals eine der ersten Kameras in der Stadt. Ihr Sohn Zacharias stellte sie nun zur Verfügung. Bei den Senioren blieb es nicht lange aus, bis sie die gezeigten Szenen wiedererkannten.

"Wenn die Stadt sich schon ins Zeug legt und uns mal etwas zahlt, dann dürfe man das nicht ausfallen lassen", findet Christa Schmidberger. Auch bei den vergangenen Nachmittagen war die Neustädterin dabei und lobt das Engagement der Verantwortlichen.

Den Seniorennachmittag organisierte die Seniorenbeauftragte Gabi Fröhlich. Das tut sie zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst. Kaffee und Kuchen für die Neustädter Senioren spendierte die Stadt.

"Natürlich machen wir die Schotten nicht direkt an der Stadtgrenze dicht. Auch aus dem nahen Umland sind die älteren Menschen willkommen", stellte Bürgermeister Ruppert Troppmann klar. "Als kleine Stadt müssen wir uns gegenseitig umeinander kümmern. Es ist unsere Verpflichtung, der Vereinsamung im Alter gegenzusteuern und Gesprächsmöglichkeiten zu schaffen." Man sei stolz, dass alle Bürger bei den Projekten so gut mithelfen. Etwa 300 Gäste waren gekommen, der Saal voll. Das Konzept geht auf.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.