Kolumne: OTon
Geglückter Zieleinlauf

Massenstart beim Nofi-Lauf 2018 in Neustadt an der Waldnaab. (Foto: Gerhard Götz)

Der Wecker klingelt. Ich rolle mich aus dem Bett – denn eine andere Bewegung lässt mein Körper nicht mehr zu. Bei jedem Schritt schmerzen meine Oberschenkel, Waden und Füße. Auch die Bauchmuskeln haben einen Kater. Herzhaftes Lachen? Fehlanzeige! Doch nur, weil es die Schmerzen einfach nicht zulassen. Innerlich strahle ich vor Freude und Stolz auf mich selbst. Zwei Tage zuvor habe ich mich einer der größten Herausforderungen meines bisherigen Lebens gestellt – dem Nofi-Lauf in Neustadt an der Waldnaab. Mit Erfolg.

Eineinhalb Monate hartes Training liegen hinter mir. Hart jedenfalls für jemanden wie mich, der noch nie zuvor Sport getrieben hatte. Blut und Wasser schwitzte ich beim Nordic Walking. Muskelkater, Tränen der Verzweiflung und stundenlange Bergwanderungen steckte ich weg. Mit einer Fitness-App trackte ich meine genauen Zeiten. Zufrieden war ich mit mir selbst jedoch nie.

Neben den vielen Profi- und Hobby-Läufern würde ich sicherlich alt aussehen, war meine größte Befürchtung. Doch innerhalb nur weniger Wochen würde ich niemals den Stand von jemandem erreichen, der schon jahrelanges Lauftraining hinter sich hat. Also musste ich meine Erwartungen an mich selbst herunterschrauben. Auch wenn es mir schwer fiel. Letztlich schien mir rund eine Stunde für die gut sechs Kilometer ein halbwegs realistisches Ziel.

Am Tag des Nofi-Laufs war ich furchtbar nervös, mein Magen spielte verrückt. Und trotzdem war ich aus irgendeinem Grund hochmotiviert. Zumindest für meine Verhältnisse. Als endlich der Startschuss fiel, dachte ich euphorisch, ich könne vielleicht doch spontan mit dem einen oder anderen Kollegen Schritt halten.

Weit gefehlt. Nach nur wenigen hundert Metern musste ich aufgeben und wechselte vom Laufschritt zum Gehen. Und nur kurz darauf war ich umringt von anderen „Gehern“. Ich war nicht mehr allein mit meinem Tempo. Einen Kilometer nach dem anderen hielt ich durch. Zwischendurch immer mal wieder sogar mit höherer Geschwindigkeit. Kurz vor Ende ein letzter Motivationsschub: Ein Kollege stand in der Zuschauermenge und feuerte mich an. Erschöpft, erleichtert und stolz zugleich erreichte ich das Ziel. Geschafft!

Die eigentlich verblüffende Überraschung erwartete mich allerdings erst zu Hause. Rund zwei Stunden nach dem Zieleinlauf konnte ich im Internet endlich die Ergebnisse abrufen. Ich hatte die Strecke in unter einer Stunde geschafft. Mein persönliches Highlight. Trotz Schmerzen an den darauffolgenden Tagen ist es auch jetzt noch ein gutes Gefühl, über meinen Schatten gesprungen zu sein. Ob das Laufen bis zum nächsten Nofi-Lauf meine Lieblingssportart wird, bezweifle ich. Allerdings mit dem Nordic Walking werde ich auf jeden Fall weitermachen.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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