11.12.2017 - 07:24 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Kurdischer Journalist soll abgeschoben werden Zwischen dem Irak und Deutschland

Krieg und Terror plagen seit vielen Jahren den Irak. H. ist mittendrin und dokumentiert die Ereignisse als Fotojournalist. Wegen seiner Arbeit wird seine Familie bedroht. Einmal wird seine Tochter entführt, er und seine Frau misshandelt. Ihm reicht's. Mit seiner Familie flieht er nach Deutschland.

von Dominik Konrad Kontakt Profil

Die Familie lebt seit Januar 2017 in Neustadt. Doch wo Vater H. (35), Mama Z. (32) und die Töchter (11, 6) hin sollen, wissen sie nicht, denn ihre Asylanträge wurden abgelehnt. Vater H. ist Fotojournalist. In Kirkuk hat er für örtliche Zeitungen gearbeitet, bis er mit seiner Familie den Irak verlassen hat. Aus Angst vor dem Terror.

Im Gang hängt ein Kreuz. Darunter stehen viele Kerzen. Bereits in Kirkuk hatte die Familie Kontakt zu chaldäischen Christen. Sie besuchte in Weiden beim evangelischen Dekan Wenrich Slenczka einen Taufkurs. Seit 12. Februar sind H., Z. und die Töchter Christen. Im Wohnzimmer läuft kurdisches Fernsehen. Bis zu 200 Kanäle kann die Familie empfangen. Kurdisch sei so verschieden vom Arabischen wie die deutsche Sprache, erklärt die ältere Tochter. Die Elfjährige übersetzt für ihren Vater.

2007 hatte H. schon einmal versucht, aus dem Irak auszuwandern. Damals nach Schweden. Seine Familie blieb zurück. Doch Terroristen nahmen die damals erst zweijährige Tochter in Kirkuk als Geisel. H. musste zurück und eine hohe Summe Lösegeld zahlen. Das alles, "weil er Journalist ist", sagt sie.

Es ist gerade Essenszeit. Die Mutter hat kurdisch gekocht: Biryani, Reis mit kleinen Kartoffel-Würfeln, Nudeln und Erbsen und Türschiat, einen roten Krautsalat. Auch Hähnchen gibt es. Es schmeckt scharf und leicht nach Zitrone. Beim Essen erzählt die Elfjährige auf Deutsch von der Schule und ihrer Englischlehrerin. Der Irak ist plötzlich ganz weit weg. Im Jahr 2015 hatte der Islamische Staat Kirkuk besetzt. Terroristen schlugen H. und seine Frau. Der Kurde zeigt eine Narbe am rechten Unterarm. Er hat weitere im Nacken, am Rücken und an beiden Füßen. Ein Neustädter Allgemeinmediziner hat ihn untersucht und die Misshandlungen bestätigt. Die Familie hielt schließlich den ewigen Terror nicht mehr aus und floh. Über Zirndorf bei Nürnberg kam sie nach Windischeschenbach, dann nach Weiherhammer und Anfang 2017 schließlich nach Neustadt.

Am 16. August fiel die Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge: Die Asylanträge werden abgelehnt. Die Antragsteller sollen "die Bundesrepublik Deutschland innerhalb von 30 Tagen nach Bekanntgabe dieser Entscheidung zu verlassen", steht im Bescheid.

H. widerspricht dem Bescheid, seine Familie darf erst einmal bleiben. Am 5. Dezember sollte die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht in Regensburg sein. Jetzt wurde sie erst einmal verschoben. Wann sie ihre Geschichte vor Gericht erzählen dürfen, wissen die vier noch nicht. "Wir haben Angst, wenn wir zurück müssen, die töten uns", übersetzt die ältere Tochter für ihren Vater. H. hat die Namen dreier befreundeter Kollegen auf einen Zettel geschrieben. Sie sind bereits im Irak umgekommen.

Info:

Namen der Personen

Die Redaktion hat sich entschieden, die Namen der Betroffenen abzukürzen. Dies dient dem Schutz der Idendität. Alle Betroffenen sind der Redaktion mit vollem Namen bekannt. 

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