18.01.2018 - 21:06 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Milchbauer Johannes Pfaller berichtet an Lobkowitz-Schule über Burkina Faso Lange Reise zu mehr Fairness

(pblf) Die Lobkowitz-Realschule geht ihren Weg zu einer Fair-Trade-Schule weiter. In der Aula wurde unter der Flagge des fairen Handels eine Ausstellung zum Thema "Milch reist nicht gerne" eröffnet. Unter der Schirmherrschaft von Landrat Andreas Meier besuchte Johannes Pfaller vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) die Schule. Pfaller, Milchbauer aus Franken, reiste 2016 zusammen mit seinem Kollegen Christoph Lutze nach Burkina Faso, einem der drei ärmsten Länder der Erde.

Die Kinder der Lobkowitz-Realschule können ab sofort in der Pause Milch aus fairem Handel kaufen. Bild: Schönberger
von Externer BeitragProfil

Sein Ziel war es, mehr über die Milchwirtschaft in Westafrika zu erfahren und Entwicklungshilfe zu leisten. Seine Erfahrungen fasste er nun zusammen. Die 7. Klassen hatten zuvor im Geografie-Unterricht über fairen Handel am Beispiel von Milch gesprochen. Sie gestalteten Plakate, die in der Schule ausgestellt sind.

Zwei Wochen lang war Pfaller in Burkina Faso unterwegs. In seinem Reisebericht brachte er den Schülern näher, wieso die Wirtschaft der Europäischen Union Einfluss auf die schlechten Lebensbedingungen in weiten Teilen des Landes hat. So produziere Deutschland deutlich zu viel Milch. Die überschüssige Milch werde zu Dumping-Preisen zum Beispiel nach Burkina Faso verkauft.

Extrem niedrige Zölle

"Das ist eine Katastrophe für deren Wirtschaft", erklärt Pfaller. "Afrikanische Bauern können da nicht mithalten." Während ein Liter in Burkina Faso produzierter Milch zwischen 70 Cent und 1 Euro koste, werde das aus Europa exportierte Milchpulver für 25 bis 35 Cent auf den Markt gebracht. Schuld seien vor allem die extrem niedrigen Zölle an den afrikanischen Grenzen. "Da müsste sich etwas tun." Einige Kleinmolkereien gründen sich derzeit in Westafrika. Größtenteils sind das Zusammenschlüsse von Familien, die vom Milchvertrieb abhängig sind.

Sie wollen gegen die ungerechte Wirtschaftslage ankämpfen. Pfaller: "Es bleibt trotzdem unfair. Wir müssten den Afrikanern die Chance geben, ihre eigene Milch zu marktgerechten Preisen zu verkaufen." Wenn der afrikanische Markt weiterhin mit billigem Milchpulver aus Europa überschwemmt werde, sei eine positive Entwicklung unmöglich. Die EU aber denke nur "Hauptsache verkaufen, egal zu welche Preis". Pfaller ermunterte die Schüler deshalb die eigenen Einkaufsgewohnheiten zu überprüfen und auch einmal zu teurerer Milch aus fairem Handel zu greifen. "Veränderung beginnt immer bei einem selbst." Bescheid wissen sei das Allerwichtigste.

Dafür initiiert die Realschule den Verkauf von fairer Milch in den Pausen. Landrat Meier hofft, dass sich die Schüler "in ihrem künftigen Handeln beeinflussen lassen". Schulleiterin Irene Sebald sagte, die Schule beschäftige sich "sehr intensiv mit dem Thema Fair Trade", zumal man mit Engagement im Kleinen Einfluss auf größere Entwicklungen habe: "Schlussendlich hängt alles zusammen." Als Geschenk vom BDM erhielten die Kinder eine Packung Kabapulver - aus fairem Handel.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.