19.02.2018 - 18:46 Uhr
Neustadt an der Waldnaab

Mit "Hackathon" Kompetenzregion in der Gesundheitsversorgung auf dem Land Nährboden für pfiffige Ideen

Der Landkreis will Kompetenzregion in der Gesundheitsversorgung auf dem Land werden. Dazu geht er neue Wege: Ein "Hackathon" soll pfiffige Lösungen bringen.

Staatssekretär Albert Füracker (Mitte) übergibt im Lobkowitzerschloss den Förderbescheid für den "Hackathon" an Wirtschaftsförderin Barbara Mädl und Landrat Andreas Meier (von links). Von rechts Ministerialrätin Sandra Brandt und Professor Clemens Bulitta. Bild: Schönberger
von Martin Staffe Kontakt Profil

Die Woche begann für Landrat Andreas Meier höchsterfreulich: Staatssekretär Albert Füracker übergab ihm am Montagfrüh den Förderbescheid für den "Hackathon". Diese neuartige und innovative Veranstaltungsform werde erstmals in der Nordoberpfalz auf die Beine gestellt, freute sich Meier.

Die Idee dazu sei vor einem Jahr bei einem Kaminabend über moderne Entwicklungen im Gesundheitswesen an der OTH Weiden geboren worden, erinnerte Meier. Nun sei es das Ziel, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die strukturschwache Nordoberpfalz von der digitalen Transformation des Gesundheitswesens profitieren könne.

Dazu sei der "Hackathon" der beste Nährboden, zeigte sich der Landkreischef überzeugt. Die Veranstaltung wird über die Healthcare Futurists GmbH als Dienstleister organisiert. Beteiligt sind auch der Landkreis Tirschenreuth, die Stadt Weiden und die Kliniken Nordoberpfalz AG. Start ist am Freitag, 4. Mai, in der OTH Weiden, Ende am Sonntag, 6. Mai. 44 Stunden lang sollen voraussichtlich 12 Teams von bis zu 10 Personen intensiv an noch zu festzulegenden Fragestellungen, sogenannten Challenges, zu Problematiken der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum arbeiten.

Mitmachen kann jeder. Meier rechnet mit vielen Studenten der OTH, Arbeitnehmern aus dem Gesundheitsbereich, Firmengründern, aber auch Angehörigen von Patienten und ganz normalen Bürgern. Da die Personen aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen mit verschiedenen beruflichen Hintergründen kommen, erhoffe man sich durch transdisziplinäre und interdisziplinäre Zusammenarbeit eine möglichst große Anzahl an innovativen Problemlösungsansätzen. Zu den 120 Teilnehmern kommen noch 10 Coaches aus den Bereichen Kliniken AG, Krankenkassen, Firmen und Helfer sowie 10 Jurymitglieder. Im besten Fall hofft der Landrat sogar auf Start-Ups.

Der "Hackathon" hat Wettbewerbscharakter, der die Teams zusätzlich motivieren soll. Die erarbeiteten Problemlösungen oder Lösungsansätze werden einer Jury präsentiert und die besten Ergebnisse mit Sachpreisen belohnt. Professor Clemens Bulitta, Dekan der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen und Leiter des Instituts für Medizintechnik, Diagnostische Systeme und Medizintechnik Management, begleitet das Pilotprojekt für die OTH. Er ermunterte zum Mitmachen. "Wer sich interessiert, soll Tickets buchen." Dies ist möglich unter "oberpfalz.innovate.healthcare/".

Der "Hackathon" passe hervorragend zur Aufsteigerregion Oberpfalz, lobte Staatssekretär Füracker vom Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat das innovative Projekt, das bis Sommer läuft. Sein Ministerium fördere daher gerne die Maßnahme und sei sehr neugierig auf das Ergebnis, von dem schließlich auch andere ländliche Regionen Bayerns profitieren sollen. Von den fast 50 000 Euro übernimmt das Ministerium 44 580 Euro, das sind 90 Prozent.

Hackathon

Der Begriff Hackathon ist eine Zusammensetzung der Worte Hack und Marathon. Anfangs war es ein Event, das sich ausschließlich auf Soft- und Hardwareentwicklung bezog. Als erster Hackathon wird die JavaOne-Konferenz genannt, die bereits 1999 stattfand.

Hackathons sind längst nicht mehr nur für Hacker und IT-Spezialisten gedacht. Vielmehr wird der Grundgedanke genutzt, um gemeinsam im Team kreative Lösungsansätze und neue Ideen zu entwickeln.

Ein klassischer Hackathon dauert zwischen 24 und 48 Stunden, die ganz im Zeichen eines bestimmten Themas oder einer Fragestellung stehen. Die Teilnehmer finden sich in Gruppen zusammen und nutzen die vorgegebene Zeit, um zunächst Ideen und Konzepte zu generieren und anschließend Prototypen von Produkten zu entwickeln. Wichtig ist, dass es außerhalb des Themas keine weiteren Vorgaben für die Projekte gibt. Jeder kann völlig frei, unvoreingenommen, kreativ oder auch mal abgedreht sein. Nur so kommen die unterschiedlichsten Ergebnisse zustande.

Der Hackathon ist dabei viel weniger förmlich als die tägliche Arbeit im Büro. Das Event soll ungezwungen sein, Spaß machen und kreative Gedanken fördern. Keine Einschränkungen, stattdessen viel Raum, um sich selbst zu entfalten. Dazu gibt es meist jede Menge Essen und Getränke.

Zum Ende eines jeden "Marathon-Brainstormings" werden die Ergebnisse vor einer Jury präsentiert. Als Ansporn und Motivation, sich wirklich ins Zeug zu legen, winken dem Gewinner Preise. (ms)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.