Nach 35 Jahren Dienst: Verabschiedung von Richard Hallmann als Nachtwächter
Gute Nacht Herr Nachtwächter

"Hört Ihr Leut und lasst euch sagen, die Kirchturmuhr hat Achte g'schlagen". So manche Träne verdrückte sich in den Augenwinkeln des Publikums.
 

Noch einmal, zum letzten Mal, hören die Zuschauer in der Freizeitanlage den angeblich "tiefsten, lautesten Bass aller Nachtwächter in Deutschland". Richard Hallmann oder "Ritsch", wie ihn die Neustädter nennen, gibt seinen Stab ab. Auch Nachtwächter brauchen einen Ruhestand.

"Wo sollte ich ihn gebührend verabschieden?", fragte sich Bürgermeister Rupert Troppmann. Beim Bürgerfest? Da wäre er untergegangen im allgemeinen Trubel. In seiner Amtsstube? Das wäre zu inoffiziell gewesen und nicht dem angemessen, was Richard Hallmann in all den Jahren für Neustadt getan hatte. "Die letzte Sommerserenade", fiel es Troppmann schließlich ein. Vor dem Publikum, das Hallmann so lange in der Nacht betreut hat. Die Geschichte begann 1982. Die Stadt Neustadt feierte das 750. Jubiläum. Ein Gedanke dabei war die Installation eines Nachtwächters. Die Paten der Idee, "beide heißen Ludwig", ergänzte der Bürgermeister, empfahlen Richard Hallmann für diesen Posten. "Dieses Amt passte wie ein Maßanzug auf Richard". Er erfüllte alle Kriterien: "Sich lange in der Gesellschaft, bei Veranstaltungen und in Gaststätten aufhalten, abkömmlich sein, besonders nachts, und eine gute, laute Nachtwächterstimme haben."

In diesen 35 Jahren war "Ritsch" Hallmann unermüdlich als Botschafter der Stadt unterwegs. Er gründete die Türmerzunft, lebte sein Amt mit Haut und Haaren. Er fehlte bei keinem Stadt- oder Bürgerfest, begleitete die Stadt bei ihren "Neustadt-Treffen", organisierte zweimal in dieser Zeit ein Nachtwächtertreffen in Neustadt und war sogar international unterwegs. Doch Neustadt ohne Nachtwächter? Das mochte sich Troppmann nicht vorstellen. Und dann kam ihm das Glück zuhilfe. Nach langer Suche meldete sich bei ihm Thomas Schuster. Er war lange in Norddeutschland unterwegs und lebt nun wieder in seiner Heimat. "Ich hätte Lust dazu", sprach der den Bürgermeister an. "Ich hätte ihn umarmen können - aber ich steh nicht so auf Männer", war Troppmanns humorvolle Begrüßung des "Neuen".

Wie Richard Hallmann stand Thomas Schuster auf der Bühne, gewandet in einen langen Mantel, einen Nachtwächterhut. Selbst Bauch und Bart sind schon da, nur noch nicht grau, denn der neue Amtsinhaber ist erst "zarte 35". Auf die Frage, was denn der Nachtwächter in Neustadt verdiene, betonte Troppmann, dass es sich um ein absolutes Ehrenamt handle. "Ritsch hat sich sogar seine Ausrüstung selber gekauft." Rührend wurde es, als Troppmann zusammen mit seinem Stellvertreter  Heinrich Meier und  im Namen von drittem Bürgermeister Heribert Schubert Hallmann die Ehrenurkunde der Stadt überreichte. Mit einem "Vergelt's Gott für deinen Nachtwächterdienst und alles Gute für die Zukunft" schüttelte er ihm die Hand.

Auch Türmer Christian Stahl von der Weidener Michaelskirche war zur Verabschiedung seines Kollegen gekommen. Ein letztes Mal stimmte der scheidende Nachtwächter sein Nachtwächterlied an, und alle durften seinen tiefen, sonoren Bass hören. "Hört Ihr Leut und lasst euch sagen, die Kirchturmuhr hat Achte g'schlagen". So manche Träne verdrückte sich in den Augenwinkeln des Publikums.
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