11.05.2018 - 16:34 Uhr
Oberpfalz

Olympiasiegerin Kati Wilhelm referiert in Lobkowitz Realschule Kopf denkt, Bauch entscheidet

Kaum jemand unter den Schülern in der prall gefüllten Halle wird wohl im Leben so viel Erfolg haben wie Kati Wilhelm. Dennoch können alle aus der sportlichen Lebensgeschichte der mehrfachen Olympiasiegerin viel lernen.

Mit sichtbarem Vergnügen mischte sich Kati Wilhelm unter die Schüler
von Siegfried BühnerProfil

Die wichtigste Frage an Wilhelm stellte Schulleiterin Irene Sebald am Ende des Vortrags der ehemaligen Biathletin in der Turnhalle der Lobkowitz Realschule. "Was können Sie den Schülern der zehnten Jahrgangsstufe für ihre anstehenden Prüfungen empfehlen?" Nach der pflichtgemäßen Empfehlung für eine gute Vorbereitung kam dann die überlegte Antwort der Spitzensportlerin "Sport und Schule, das ist eine sehr gute Kombination".

Gerade beim Laufen hätte sie die besten Ideen für ihr Leben entwickelt, berichtete Wilhelm. Welche Ideen dies waren, schilderte sie vorher im Vortrag mit der Überschrift "Entscheidungen treffen - Ziele erreichen". Mehrfach fiel der Satz: "Ich habe bei meinen Entscheidungen gerne auf den Bauch gehört und bin auch Risiken eingegangen." Die erste Entscheidung, bei der dies zutreffe, sei der Wechsel vom Skilanglauf zum Biathlon gewesen. Der Nationalkaderstatus sei verloren gewesen, "ich war wieder auf dem Level Null und musste meine Skier wieder selbst wachsen". Ein weiteres Beispiel sei die Loslösung aus dem Trainingskader der Nationalmannschaft gewesen und das Engagement eines eigenen Betreuerteams.

"Das hat den Spaß zurückgebracht", sagte Wilhelm. Auch ihre Entscheidung als Fahnenträgerin bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin aufzutreten sei wegen der Störung der Wettbewerbsvorbereitung auf viel Kritik gestoßen. "Der Kopf denkt, der Bauch entscheidet." Tatsächlich landete sie im ersten Rennen nur auf Platz 37. "Aber für mich war es wichtig, das positive Erlebnis im Kopf zu haben und nicht ergebnisorientiert zu denken." Dass in den weiteren Wettbewerben ein Olympiasieg und zwei Silbermedaillen folgten, ist für Wilhelm der Beweis dafür, richtig gehandelt zu haben. Bezüglich der wichtigsten Entscheidungen in ihrem Sportlerleben stellte sie fest: "Ich habe nicht immer den vermeintlich leichteren Weg gewählt". Oft habe sie Entscheidungen getroffen, die andere so nicht getroffen hätten.

Dass es aber auch viele Rückschläge gab, räumte sie ein, aber "man muss sich immer wieder neu motivieren". Vor Fehlentscheidungen solle man keine Angst, aber auch immer einen "Plan B" haben. Den Schülern empfahl Wilhelm, regelmäßig einen Tagesplan zu machen und sich darüber bewusst zu sein, was man tue. "Am Abend rekapituliere ich, was erreicht wurde." Aus den Schilderungen von Entscheidungssituationen in ihrem Sportlerinnenleben leitete die Referentin Empfehlungen für das Alltagsleben für die Schüler ab. Dass man seine Ziele hoch stecken soll, deutete sie mit dem Satz "mein Ziel war nicht die Staffel-, sondern die Einzelmedaille" an.

Freude mache auch der Stolz über das Erreichte und darüber, "den inneren Schweinehund überwunden zu haben". Auch über das Ende ihrer Karriere hatte Wilhelm selbst entscheiden wollen.

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