Pfarrer kämpft gegen Schwund
Josef Häring schreibt Ausgetretene an

"Vielleicht schreibe ich nach meiner Pensionierung ein kleines literarisches Werk darüber." Zitat: Stadtpfarrer Josef Häring über seine Gespräche mit Katholiken über ihren Kirchenaustritt

Neustadt. Die Kirche kämpft weiter gegen Mitgliederschwund. Auch in Neustadt. Laut Statistik zählte die Pfarreiengemeinschaft im letzten Jahr 23 Austritte, einen weniger als 2015, aber dennoch etliche. Stadtpfarrer Josef Häring reagiert darauf: Er schickt den Ausgetretenen einen Fragebogen zum Ankreuzen mit freiem Textfeld, auf dem sie auch einen Kommentar hinterlassen können.

Ab und zu kriegt Häring eine Antwort. "Von zehn kommt einer zurück", lacht der Pfarrer. Die aber haben es in sich: "Die Leute sind dann auf volle Attacke eingestellt und greifen die Kirche an." Freundlichere Worte wie "endlich habe ich den Schritt vollzogen" sind eher selten. Pfarrer Häring erzählt, dass es vor allem unsachliche Dinge sind, die geschrieben werden. Der Stadtpfarrer nennt ein Beispiel für einen Austrittsgrund. Dabei wird ganz weit ausgeholt: "Die Kirche hat im Mittelalter Hexen verbrannt."

Was der Geistliche sonst lesen muss, gehe oft in die gleiche Richtung. Die meisten, die angeschrieben werden, würden aber ohnehin nicht reagieren. Und auch die meisten Menschen, die zurückschreiben, machen dem Pfarrer mit einer knappen Notiz klar: "Bitte keinen Kontakt mehr aufnehmen." Josef Häring war sogar ein paar Mal bei den Leuten zu Hause und hat mit ihnen persönlich gesprochen. "Da passieren Dinge, die man sich nicht vorstellen kann", sagt er und überlegt: "Vielleicht schreibe ich nach meiner Pensionierung ein kleines literarisches Werk darüber." Viel geholfen haben die Aktionen bisher nicht, gibt Häring zu. Recht viel erwartet hat er aber auch nicht: "Ich bin großer Realist."

Angesichts der anhaltenden Austrittswelle sagt Häring, dass sich jeder Pfarrer Sorgen machen müsse. "Das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Egal ob politische Parteien oder die Kirche - die Leute wollen sich nicht mehr binden, sie wollen im eigenen Bereich leben und sich nichts vorschreiben lassen." Auch der Gottesdienstbesuch habe etwas nachgelassen, aber das sei bei weitem nicht so schlimm wie anderswo.

"Neustädter, die nach Nordrhein-Westfalen gezogen sind, berichten, dass es dort viel dramatischer ist." Dort müsste Josef Häring viele Fragebögen verschicken.

Vielleicht schreibe ich nach meiner Pensionierung ein kleines literarisches Werk darüber.Stadtpfarrer Josef Häring über seine Gespräche mit Katholiken über ihren Kirchenaustritt
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